Beim Cartoonist Lawrence Grimm schlagen sich winzige Wesen mit den grossen Fragen herum
Der Zürcher Künstler verbindet die Fragen nach Einsamkeit, Sinn und Unendlichkeit mit feinem Witz und schafft mit seinem Strich ein eigenes Universum.
Regula Freuler27.09.2026, 05.30 Uhr
2 Leseminuten


Lawrence Grimm
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Willkommen im Loriversum! So könnte der Kosmos heissen, den der Zürcher Cartoonist Lawrence Grimm – Lori für Freunde – seit über zwanzig Jahren bevölkert. Seine Bewohnenden sind Menschen, Tiere, Monster, Roboter, Würmer und viele, viele Phantasiewesen. Sie verlieben sich, verirren sich, zweifeln an sich und der Welt – und stolpern dabei zuverlässig über eine Pointe.

NZZ – Publiziert in Print
Für den Sammelband «Oh Kosmos!» hat Grimm sein seit 2003 wachsendes «Teatime for a Universe» auf gut 200 Seiten eingedampft. Grimm, 1978 in Zürich geboren, studierte Film an der ZHdK. Ab 2018 gehörte er zu den Mitherausgebern von «Strapazin», dem Zürcher Kultmagazin und Experimentierfeld für die unabhängige internationale Comic-Welt, und war zudem dessen Verlagsleiter.
Grimms Cartoons brauchen wenig, um ziemlich weit zu kommen. Ein paar Tuschestriche, ein Satz, viel leere Fläche: Mehr Ausstattung erhält die Existenz hier selten. Da treibt etwa ein winziges Wesen im schwarzen Meer und möchte den Sternenhimmel streifen, um den Kosmos zu begreifen. Das ist Sehnsucht und Erkenntnisdrang in einem – und zugleich komisch, weil Grimm die ganz grosse Fragen einem denkbar kleinen Geschöpf anvertraut.


Lawrence Grimm
So wird beim Zürcher Künstler aus Philosophie kein Schwergewicht. Und wenn doch, bekommt sie Beine, Augen oder Tentakel und darf ein bisschen verloren dreinschauen. Das funktioniert im Absurden ebenso wie im Zärtlichen, im Melancholischen ebenso wie im Politischen. Grimm reduziert, ohne seine Figuren kleinzumachen. Im Gegenteil: Gerade seine Würmchen und sonstigen Winzlinge dürfen sich mit Liebe, Einsamkeit, Sinn und Unendlichkeit herumschlagen – Themen, die den Band selbst wie Sternbilder durchziehen.
«Oh Kosmos!» beweist: Tiefgang muss nicht zu Denkerfalten führen, er kann genauso gut Lachfältchen hinterlassen. Im Loriversum genügt dafür manchmal ein Strich.
Lawrence Grimm: Oh Kosmos! Edition Moderne 2026. 224 Seiten. Erscheint am 14. Oktober.
Ein Artikel aus der «NZZ am Sonntag»
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