Stand: 09.09.2026, 20:00 Uhr
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Mehrere Bergschulen bieten zurzeit keine oder nur noch Gruppenführungen in kleinerer Gruppe auf die Zugspitze durchs Höllental an. Allein im August musste die Bergwacht Grainau 19 Bergsteiger vom Höllentalferner retten.
Garmisch-Partenkirchen – Der Höllentalferner ist nahezu blank, Gletscherspalten liegen offen – und eine der Schlüsselstellen auf dem Weg zur Zugspitze wird immer schwieriger. Die Verhältnisse haben sich zum Ende des Sommers deutlich verschärft. Die Bergschule Vivalpin in Garmisch-Partenkirchen hat deshalb ihre regulären Gruppenführungen durchs Höllental bis auf Weiteres eingestellt und führt Bergsteiger auf dieser Route nur noch individuell im Verhältnis eins zu eins. Andere Anbieter kommen zu einer anderen Einschätzung: Die Alpinschule Garmisch bietet geführte Touren weiterhin an, hat wegen der anspruchsvollen Bedingungen allerdings die Gruppengröße pro Bergführer reduziert. Auch die Bergwacht Grainau ist am Höllentalferner häufig gefordert. Allein im August rückte sie dort 15-mal aus.
Grund für die unterschiedlichen Konsequenzen sind die außergewöhnlichen Verhältnisse am Ferner. Der Gletscher ist stark ausgeapert, weite Bereiche bestehen aus blankem Eis, Spalten liegen offen. Vor allem der Übergang vom Gletscher zum anschließenden Klettersteig wird zunehmend problematisch. Vivalpin macht über die sozialen Medien auf die Situation aufmerksam und begründet den Stopp regulärer Gruppenführungen mit den „außergewöhnlichen Verhältnissen“. Der Einstieg in den Klettersteig liege mittlerweile rund zehn Meter über der Eisoberfläche, die zusätzliche Passage sei nicht abgesichert.
Anspruchsvolle Situation fordert auch die Bergwacht
Wie anspruchsvoll die Situation ist, bekommt auch die Bergwacht Grainau zu spüren. „Die Sommersaison ist voll am Laufen“, sagt Bereitschaftsleiter Anton Vogg. Im August mussten seine Einsatzkräfte allein am Höllentalferner insgesamt 19 Bergsteiger retten. Die Gründe ähnelten sich: schlechte oder unvollständige Ausrüstung, fehlende Steigeisen, Überforderung und Erschöpfung. Die Randkluft zwischen Gletscher und Fels verschärft die Situation zusätzlich. „Ohne entsprechende Ausrüstung und Erfahrung ist es aktuell sehr schwierig, die Zugspitze übers Höllental zu erreichen“, betont Vogg.
Überrascht ist er von der Entwicklung am Ferner nicht. „Der Winter war schlecht und der Sommer sehr heiß. Dass der Ferner nun sehr ausapert, ist da leider klar.“ Die Einsatzzahlen bewegen sich laut Vogg derzeit etwa auf dem Niveau des Vorjahres. Allerdings: „Schon da waren es überdurchschnittlich viele.“
Mit dem Abschmelzen des Eises wird vor allem der Übergang zum Fels schwieriger. Je tiefer die Eisoberfläche sinkt, desto größer wird der Höhenunterschied zum Einstieg in den Steig. Inzwischen muss eine deutlich längere und anspruchsvollere Felspassage überwunden werden. Blankpoliertes Gestein erschwert die Stelle zusätzlich.
Entwicklung hat sich bereits Mitte August abgezeichnet
Die Entwicklung hatte sich bereits Mitte August abgezeichnet. Der Deutsche Alpenverein München & Oberland warnte damals vor vollständig blankem Eis, fehlenden Trittspuren, offenen Spalten und losem Gestein auf der Gletscheroberfläche. Steigeisen und Pickel seien unter diesen Bedingungen zwingend erforderlich. Auch vor erhöhter Ausrutsch- und Steinschlaggefahr wurde gewarnt.
Dass daraus nicht alle Bergschulen dieselben Konsequenzen ziehen, zeigt die Alpinschule Garmisch. Deren Bergführer seien regelmäßig im Höllental unterwegs und bewerteten die Lage fortlaufend neu. Nach eigener Einschätzung sei die Tour für entsprechend geeignete Teilnehmer unter professioneller Führung weiterhin verantwortbar. Allerdings habe man das Führungskonzept angepasst und insbesondere die Gruppengröße pro Bergführer reduziert. Die zusätzlichen Gefahren würden damit keineswegs relativiert, betont die Alpinschule.
Die unterschiedlichen Entscheidungen machen deutlich: Gesperrt ist die Höllentalroute nicht. Ob und unter welchen Voraussetzungen eine geführte Besteigung derzeit vertretbar ist, beurteilen die Anbieter unterschiedlich. Einigkeit besteht allerdings darin, dass die Bedingungen deutlich anspruchsvoller geworden sind und entsprechende Erfahrung sowie vollständige Gletscherausrüstung voraussetzen.
Die Höllentalroute zählt zu den bekanntesten und anspruchsvollsten Anstiegen auf die 2962 Meter hohe Zugspitze. Sie führt von Hammersbach durch die Höllentalklamm über den Ferner und schließlich über den Klettersteig zum Gipfel. Kondition, alpine Erfahrung und entsprechende Ausrüstung sind Voraussetzung. Wie lange Vivalpin den Stopp regulärer Gruppenführungen aufrechterhält, ist offen. Andere Zugänge, etwa über den Stopselzieher, das Gatterl, das Reintal oder die Eisenzeit, sind von den Problemen am Höllentalferner nicht betroffen.