Berüchtigt und auf der Wahlparty der Linken dabei
Issa Remmo, Deutschlands schillerndster Clan-Chef
Der Mann soll «schlauer als der Teufel» sein. Am vergangenen Sonntag stürzte Issa Remmo die Berliner Linke in eine Krise.
Publiziert: 18:44 Uhr
Robin BäniRedaktor
Der Schaden, den dieser Mann mit einem einzigen Besuch an einer Wahlparty angerichtet hat, ist schwer zu fassen. Gerade jubelte die Linke in Berlin über ihren Erfolg am vergangenen Sonntag, da gesellte sich Issa Remmo zu den Triumphierenden. Selbstbewusst posierte der arabischstämmige Clanchef für die Fotografen, reckte den Daumen zustimmend und sagte Sätze wie: «Ich fühle mich in Deutschland erstmals von einer Partei unterstützt.» Die Feierlaune der Linken ist seither verflogen.
Die Remmos – auch Rammos genannt – gelten als berüchtigtste Grossfamilie Berlins. Wie viele Menschen zu ihrem verrufenen Clan gehören, versucht das Berliner Landeskriminalamt seit Jahren zu klären. Mittlerweile haben die Strafverfolger gegen mehr als 200 Familienangehörige ermittelt, bei über tausend Vorfällen gelten sie als tatverdächtig. Es geht um Einbruch, Raub, Geldwäsche, Körperverletzung und weitere schwere Delikte.
Da half es nicht, dass sich die Linke um Distanz bemühte. Issa Remmo sei nicht eingeladen gewesen. Zum ungebetenen Gast pflege man keine Beziehungen, so lautete die erste Verteidigungsstrategie, die nur einen Tag später durch die Remmos demontiert wurde. Ein Sohn Issas veröffentlichte Chatauszüge mit Ferat Koçak (47), einem Linken-Bundestagsabgeordneten. Koçak richtet darin warme Worte an den Clanboss, lässt «Grüsse mit Respekt» ausrichten. Der Zögling des Patriarchen antwortet dem Linkenpolitiker: «Gerne Bruder.»
Ein Alphatier und ein Showman
Wie war das noch mal mit der Nähe zu einer in Teilen hochkriminellen Grossfamilie? Koçak entschuldigte sich für seinen «Fehler», er habe «keine Kenntnis gehabt», um wen es sich handle. Doch die eigentliche Debatte um den Einfluss von Clanstrukturen war damit erst richtig entfacht, im Deutschland der neuen Extreme.
Seit Jahren vertreten einzelne Linke Positionen, die kriminellen Grossfamilien zugutekommen. Der blossgestellte Abgeordnete Koçak wehrte sich etwa gegen die pauschale Verurteilung von Clanmitgliedern. Er und andere aus seiner Partei brandmarken die Bekämpfung krimineller Strukturen als teils rassistisch motiviert. Da überrascht es nicht, dass sich Menschen wie Issa Remmo zu ihnen hingezogen fühlen.
Zum Auftritt des Clanchefs auf besagter Wahlparty gilt aber auch, dass Issa Remmo ein allseits bekanntes Alphatier ist. Ein Showman, der gezielt die Öffentlichkeit sucht, um sein Image als berüchtigter Anführer zu zementieren. Das Prinzip dahinter ist simpel: Wer sich mit Einflussreichen umgibt, will von deren Glanz profitieren.
Sorry, wusste von nichts
Die Remmos haben sich diese Form der Selbstvermarktung zu eigen gemacht. Immer wieder haben Clanangehörige in den vergangenen Jahren Politikerinnen und Politiker unterschiedlicher Parteien abgepasst, um mit ihnen Selfies zu machen oder Videos aufzunehmen, die sie dann wie Trophäen in den sozialen Medien präsentieren. Im Nachgang sahen sich die zur Schau Gestellten jeweils genötigt, peinlich berührte Stellungnahmen abzugeben: Sorry, wusste nicht, wer das war.
Hinter dieser Strategie dürfte Issa Remmo stecken. Während seine Söhne in zahllose Verfahren verwickelt sind und ständig vor Gericht erscheinen müssen, ist der Patriarch bis heute nicht vorbestraft. In der Berliner Unterwelt soll es dazu ein Sprichwort geben, wie der «Spiegel» berichtete: «Issa Remmo ist schlauer als der Teufel.»
Die Familie ist ein Paradebeispiel für gescheiterte Integration. In den 80er-Jahren flüchtete die erste Generation nach Berlin, damals vor dem libanesischen Bürgerkrieg. In Deutschland angekommen, hätten sie eigentlich nicht bleiben dürfen. Ihre Asylgesuche wurden abgelehnt. Heute besteht der Clan aus Dutzenden Einzelfamilien. Und deren Mitglieder sind dafür bekannt, den deutschen Rechtsstaat vorzuführen.
100 Kilo schwere Münze
Issa Remmo selbst pflegt das Bild eines Selfmade-Millionärs, der sich zum Immobilien-Mogul hochgeschuftet hat. Dass die Behörden 77 Immobilien vorläufig sichergestellt haben – darunter seine eigene Villa in Berlin-Neukölln – erwähnt er weniger gern. Ebenso wie die Tatsache, dass seine Neffen für zwei spektakuläre Diebstähle verantwortlich gemacht werden, darunter eine 100 Kilogramm schwere Goldmünze aus dem Berliner Bode-Museum und Juwelen im Wert von 113 Millionen Euro aus dem Historischen Grünen Gewölbe in Dresden.
Als einem seiner Söhne einst der Prozess gemacht wurde, sagte Remmo den Kameraleuten von Spiegel TV: «Wenn mein Sohn Fehler macht und ich sage ihm, mach keine Fehler, was soll ich tun?» Dieselbe Frage sollte sich die Linke stellen, nun, da sie Remmo an der Backe hat.