Gescheiterte Hinrichtung
Bill Lee: Der Mann, der über das Schicksal von Christa Pike entscheidet
Der Gouverneur von Tennessee wird nach der gescheiterten Hinrichtung der 50-Jährigen aufgefordert, deren Todesstrafe in lebenslange Haft umzuwandeln
Kopf des Tages
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Kim Son Hoang
William "Bill" Lee könnte eigentlich recht entspannt sein. Bei den Zwischenwahlen am 3. November, und somit auch im laufenden Wahlkampf, ist er außen vor. Nach zwei Amtszeiten als Gouverneur von Tennessee darf der 66-jährige Republikaner nicht mehr antreten. Wenn da nicht der Fall Christa Pike wäre.
Die gescheiterte Hinrichtung der 50-jährigen Mörderin hat für weltweite Aufregung gesorgt. Am Dienstag war Pike überraschend wieder bei Bewusstsein, und die Frage, die sich nun viele stellen: Wird es trotz der massiven Schmerzen, die sie erlitten hat, einen zweiten Versuch geben? Ihre Anwälte fordern von Lee die Umwandlung der Todesstrafe in lebenslange Haft. Der Gouverneur hat darauf bislang nicht reagiert.
Umstrittenes Partyfoto
Der sorgte in jungen Jahren an der Uni mit einem Partyfoto von ihm in einer Uniform der Konföderierten für Wirbel. Nach dem Abschluss in Maschinenbau stieg er in das Haustechnik- und Bauunternehmen seiner Familie ein, das er später auch führte.
Im Jahr 2000 starb seine Frau bei einem Reitunfall. Daraufhin zog er sich beruflich eine Zeitlang zurück, um sich um die vier Kinder zu kümmern. Mittlerweile ist er wieder verheiratet.
Politisch triumphierte er als Quereinsteiger bei der Gouverneurswahl 2018, vier Jahre später wurde er wiedergewählt. Lee gilt als stark christlich geprägter Rechtskonservativer: klar gegen Abtreibungen, tolerant beim Waffenbesitz und grundsätzlich für die Todesstrafe.
"Rino" Bill Lee
Im Gegensatz zu den vielen Polterern in seiner Partei ist Lee ein sachlicher, ruhiger Vertreter, der eher auf Zusammenarbeit als auf Konfrontation setzt. Präsident Donald Trump unterstützt er in sehr vielen, aber nicht allen Fragen. Das hat auch dazu geführt, dass dieser Lee einst als "Rino" bezeichnete – Republikaner nur dem Namen nach (Republican in name only).
Kurz nach dem gescheiterten Hinrichtungsversuch setzte Lee die noch für heuer geplanten Hinrichtungen aus und ordnete eine Untersuchung an. Er betonte aber auch, dass Urteile von Tennessee-Geschworenen einzuhalten seien: "Meine Aufgabe ist, sicherzustellen, dass diese Strafen vollstreckt werden."
Lee ist noch bis 16. Jänner 2027 im Amt. Sollte er bis dahin keine Entscheidung treffen, müsste dies seine Nachfolgerin übernehmen, die wohl Parteikollegin Marsha Blackburn sein wird. Die hat dazu eine klare Meinung: den elektrischen Stuhl reaktivieren und den "Opfern Gerechtigkeit verschaffen". (Kim Son Hoang, 8.10.2026)
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