Braunschweiger Bogen in Halle-Neustadt: 110 Wohnungen unbewohnbar

Halle-Neustadt – Soltauer Straße und Braunschweiger Bogen

AUDIO: Hilferuf der Bewohner des Braunschweiger Bogens in Halle (1 Min)

Braunschweiger Bogen

Hilferuf in Halle-Neustadt: Eigentümer kämpfen gegen Leerstand und Verwahrlosung

Stand: 08.10.2026 14:16 Uhr

Die Eigentümergemeinschaft des Braunschweiger Bogens in Halle-Neustadt hat Stadt, Unternehmen und Handwerksbetriebe um Unterstützung bei der Sanierung der Wohnanlage gebeten. In einem offenen Brief, der MDR SACHSEN-ANHALT vorliegt, sprechen die Eigentümer von erheblichen Schäden, hohen Kosten und einer Situation, die sie allein kaum noch bewältigen könnten. Die Stadt bestätigt Probleme vor Ort.

von Marc Weyrich, MDR SACHSEN-ANHALT

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Insgesamt gibt es im Braunschweiger Bogen ganz am Rande von Halle-Neustadt noch 160 Wohnungen, heißt es von der Eigentümer-Sprecherin Sophia Eichhorn. Derzeit seien lediglich rund 25 Wohnungen bewohnt. Weitere rund 20 Wohnungen seien inzwischen wieder hergerichtet und bezugsfertig. Rund 110 Wohnungen seien dagegen derzeit nicht bewohnbar, müssten entrümpelt oder aufwendig saniert werden.

Massive Schäden durch Vandalismus, Schimmel und Wasserschäden

Die Schäden seien teilweise erheblich. Eichhorn schilderte MDR SACHSEN-ANHALT beispielhaft eine Wohnung im Erdgeschoss, in der sämtliche Wände eingetreten oder eingeschlagen worden seien.

Im Südpark soll es nun wieder eine aktive Hausverwaltung geben.

In anderen Wohnungen gebe es Wasserschäden und teils massiven Schimmelbefall. Bei einigen Einheiten müsse zunächst überhaupt erst festgestellt werden, wie groß die Schäden sind und welche Sanierungsmaßnahmen notwendig werden.

Ruf nach Unterstützung: Eigentümer investieren in die Sanierung

Die Eigentümer machen Einbrüche, Vandalismus und die Folgen jahrelanger Fehlentwicklungen für die Situation verantwortlich. Auch die Verwalter haben nach den Worten Eichhorns kein gutes Bild abgegeben, rechtliche Schritte würden gerade geprüft. Seit Anfang des Jahres hätten sich zahlreiche Eigentümer zusammengeschlossen, Wohnungen entrümpelt, renoviert und wieder vermietet. Nach ihren Angaben wurden dafür bereits sechsstellige Summen investiert.

Von der Stadt Halle wünschen sich die Eigentümer unter anderem Hinweise auf Förderprogramme sowie Unterstützung bei der Suche nach Handwerksbetrieben und weiteren Partnern. Ihr Schreiben verstehen sie nach eigenen Angaben ausdrücklich als Hilferuf und nicht als Versuch, die Verantwortung für die private Wohnanlage an die öffentliche Hand abzugeben.

Ein Mann mit Trainingsjacke und silberner Kette steht vor einigen Wohnhäusern.

Stadt Halle verweist auf begrenzte Eingriffsmöglichkeiten

Stadtsprecher Drago Bock bestätigte MDR SACHSEN-ANHALT Probleme am Braunschweiger Bogen. Es gebe Hinweise auf Leerstand, Vandalismus und Beschwerden von Anwohnern und Mietern. Das Ordnungsamt war demnach in diesem Jahr bislang zehnmal vor Ort im Einsatz.

Zudem laufen aktuell ordnungsrechtliche Verfahren gegen Verantwortliche der Anlage. Nähere Angaben machte die Stadt dazu nicht. Gleichzeitig verweist die Stadt darauf, dass es sich beim Braunschweiger Bogen um Privateigentum handelt.

HWG Wohnhaus Halle

Nachfrage nach sanierten Wohnungen macht Eigentümer Hoffnung

Eingriffsmöglichkeiten bestünden nur dann, wenn konkrete Gefahren für die öffentliche Sicherheit oder Verstöße gegen öffentlich-rechtliche Vorschriften vorlägen. Nach Angaben der Stadt gab es auch nach der viel beachteten Beräumungsaktion im vergangenen Jahr weitere Gespräche mit Eigentümern und Verwaltern.

Trotz der schwierigen Lage geben sich die Eigentümer optimistisch. Die Nachfrage nach bereits sanierten Wohnungen zeige, dass der Standort grundsätzlich Potenzial habe. Ihr Ziel sei es, den Braunschweiger Bogen wieder zu einem funktionierenden Wohnstandort in Halle-Neustadt zu machen.

MDR (Marc Weyrich, Felix Fahnert) | Erstmals veröffentlicht am 07.10.2026

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