"Build the Wall": Tetris-Entwickler drohen der Trump-Regierung mit Klage wegen Spieleklon

Instrumentalisierung

"Build the Wall": Tetris-Entwickler drohen der Trump-Regierung mit Klage wegen Spieleklon

Tetris stünde dafür, Menschen zueinander zu bringen, nicht sie zu spalten. Immer wieder bedient sich die Trump-Administration rechtlich zweifelhaft bei den Inhalten anderer

Andreas Proschofsky

Eines weiß man in der Trump-Regierung sehr genau: Wie man mit gezielt gesetzten Provokationen für Aufregung sorgt. Dabei bedient man sich gerne auch beliebter popkultureller Elemente. Dass die solcherart einvernahmten Originale das oftmals ganz und gar nicht witzig finden, scheint dabei egal – und führte bereits zum einen oder anderen Rechtsstreit. Nun könnte es bald den nächsten geben.

Ein Screenshot von
Tetris in der Variante des Weißen Hauses

Build the Wall

Das Weiße Haus hat auf seiner Webseite fünf Minispiele veröffentlicht, die Werbung für das Weltbild der Trump-Regierung machen sollen. Bei einem davon handelt es sich um einen Klon des Spieleklassikers Tetris. "Build the Wall" nennt sich dieser ganz der bekannten Trump-Parole folgend. Aufgabe sei es, die "Grenze vor der kommenden Horde zu beschützen" lautet die passende Parole dazu.

Das wiederum findet man bei der Tetris Company, die die Rechte für das Spiel innehat, weniger lustig. Man glaube an die Kraft der Verbindung, des Zusammenbringens von Menschen – nicht der Spaltung, heißt es in einem Instagram-Posting. Angefügt der Hinweise, dass man "Copyright-Verstöße sehr ernst nehme", der Rechteinhaber droht also eine Klage gegen das Weiße Haus an.

Tatsächlich hat The Tetris Company bereits im Jahr 2012 eine Klage gegen den Hersteller eines Tetris-Klons gewonnen. Im damaligen Urteil wurde festgehalten, dass die Firma einen urheberrechtlichen Anspruch sowohl auf das optische Erscheinungsbild als auch auf das Spielgefühl von Tetris habe.

Unsinnigkeiten

Dass die Prämisse von "Build the Wall" wenig Sinn ergibt, passt in dieses Bild. Immerhin geht es bei Tetris ja genau um das Gegenteil – zu verhindern, dass eine alles blockierende Wand entsteht. In dem Fall versucht man, diesen ideologisch induzierten Logikfehler dadurch zu tarnen, dass Aliens und Zombies von der Seite in die Steine laufen und explodieren, solange das Spiel weiterläuft.

Auch die anderen der Minispiele sind einschlägig politisch aufgeladen. So gibt es etwa einen Snake-Klon namens Rio Run, bei dem es darum geht, Geflüchtete an der Grenze zu den USA festzunehmen.

In dieses Bild passt sich dann auch das offizielle Begleitvideo ein, das sich großzügig beim Spielehersteller Sega bedient. Neben einer angepassten Variante von dessen Logo wird auch ebenfalls urheberrechtlich geschützte Musik von Sonic the Hedgehog verwendet.

Hintergrund

Gerade was Musik anbelangt, haben Trump und seine Gefolgsleute immer wieder demonstriert, dass sie sich wenig um die Rechte der Künstlerinnen und Künstler scheren. Immer wieder kam es entsprechend zu Unterlassungsklagen, da sich viele der solcherart Instrumentalisierten nicht in diesem Kontext wiederfinden wollten. Vergangenen November sorgte etwa ein Konflikt mit der Sängerin Olivia Rodrigo für Aufsehen, die unter ein Video des Heimatschutzministeriums postete, dass diese nie wieder ihre Lieder für ihre "rassistische und hasserfüllte Propaganda" benutzen solle.

Es gibt aber auch die andere Seite, nämlich die jener Firmen, die in einem direkten Abhängigkeitsverhältnis zur Trump-Regierung stehen und entsprechend lieber nichts sagen. So hatte das Heimatschutzministerium vergangenen Oktober ein Video veröffentlicht, das Flüchtende mit fleischfressenden Aliens aus dem Spiel Halo verglich und dafür Bilder aus dem Spiel verwendete. Darunter die Parole "Zerstört die Flut". Zur Erklärung: "The Flood" heißen auch die erwähnten Aliens bei Halo. Microsoft wollte sich zu dem Vorfall damals nicht äußern. (Andreas Proschofsky, 6.9.2026)

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