Bürgerbeteiligung für die Carl-Ulrich-Siedlung startet

Stand: 17.10.2026, 06:00 Uhr

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katholische Kirche St. Konrad Offenbach

Architektonischer Hingucker im Stadtteil: die katholische Kirche St. Konrad. © Frank Sommer

Die Stadt Offenbach hat sich mit der ab 1953 entstandenen Carl-Ulrich-Siedlung und der Stadthalle für ein Stadtentwicklungsprogramm beworben. Bürger sollen nächste Woche erstmals mitentscheiden, welche Projekte dabei Priorität haben.

Offenbach – Es gibt Offenbacher Stadtteile, über die findet sich viel Material: Das Westend oder Tempelsee sind ausführlich in Büchern beschrieben, auch die Entstehung und Entwicklung Lauterborns ist gut aufgearbeitet. Weniger beachtet scheint dagegen ein kleiner Stadtteil, der zu Beginn der 1950er Jahre entstanden ist: Die Carl-Ulrich-Siedlung trägt zwar einen großen Namen, doch in Publikationen zur Stadt spielt sie eine eher untergeordnete Rolle, auch im Alltag drängen andere Stadtteile mehr in den Vordergrund.

Fläche mit Potenzial: Das Gelände der ehemaligen Matthäuskirche in der Offenbacher Carl-Ulrich-Siedlung.

Fläche mit Potenzial: Das Gelände der ehemaligen Matthäuskirche in der Offenbacher Carl-Ulrich-Siedlung. © Frank Sommer

Nun soll der Stadtteil wieder mehr in den Blickpunkt der Stadtpolitik rücken, denn vor einigen Monaten hat die Stadt sich mit der Carl-Ulrich-Siedlung um die Aufnahme in das Städtebauförderprogramm „Sozialer Zusammenhalt“ beworben. Wobei man sich, um Geld für die dringend notwendige Sanierung der Stadthalle zu erhalten, zunächst auf ein anderes Förderprogramm (nämlich „Wachstum und nachhaltige Erneuerung“) beworben hatte, dann aber auf das aktuelle wechselte. Da zu jedem Städtebauförderprogramm eine Bürgerbeteiligung gehört, wird kommende Woche der Auftakt dazu in der Edith-Stein-Schule begangen.

Innenminister kam zur Eröffnung

Im Norden bilden die drei Ypsilon-Häuser an der Eberhard-von-Rochow-Straße / Ecke Waldstraße die Siedlungsgrenze, östlichster Teil ist die katholische Kirche St. Konrad, im Nordwesten begrenzen die Anne-Frank-Schule und im Süden Kleingärten und Wald den Stadtteil. Das Statistikamt weist aus, dass im Jahr 2023 3.762 Personen in 1.816 Haushalten in der Carl-Ulrich-Siedlung lebten.

Entstanden ist der Stadtteil aus der Wohnungsnot nach dem Zweiten Weltkrieg: Damals waren rund 40 Prozent der Gebäude der Stadt zerstört. „Der Bau von Wohnungen war folglich eine der dringendsten Aufgaben der Kommune, zumal die Zahl der Einwohner insbesondere durch den Zuzug von Flüchtlingen aus dem Osten schnell zunahm. Wichtig war, den Menschen ein Dach über dem Kopf zu geben“, heißt es in dem vom Magistrat herausgegebenen Buch „Eine Stadt im Umbruch“ von 2007.

Am 27. Juni 1953 war die feierliche Eröffnung des ersten Bauabschnitts der Carl-Ulrich-Siedlung, auch Hessens Innenminister kam zu Besuch, Offenbach zählte damals 98.199 Einwohner. Nur wenige Wochen zuvor, am 22. Mai, wurde die wiederaufgebaute Mainbrücke eröffnet – auch sie wurde nach dem ersten Präsidenten des Volksstaates Hessen, Carl Ulrich, benannt. Der 1853 in Braunschweig geborene Ulrich war unter anderem Herausgeber des Offenbacher Abendblattes und Stadtverordneter. Sein Grab ist auf dem Alten Friedhof zu finden.

Die Straßennamen der Siedlung erinnern an die Herkunftsorte ihrer ersten Bewohner: Ostpreußen-, Sudeten- und Schlesierstraße. Architektonisch ist das Gebiet eher unauffällig, es gibt Ein- oder Zweifamilienhäuser mit Gärten, dazu Mehrfamilienanlagen mit gemeinsamen Grünflächen. Ein Teil wurde damals von der Nassauischen Heimstätte errichtet.

Ausnahme in Bezug auf Architektur ist die katholische Kirche St. Konrad, deren Aussehen an das griechische Alpha, den ersten Buchstaben des Alphabets, erinnert. Die Gemeinde wurde im Oktober 1953, kurz nach Baubeginn der Siedlung, gegründet. Die Kirche in ihrer heutigen Form entstand jedoch erst Anfang der 1960er Jahre. 1961 wurde auch ein evangelisches Gemeindehaus errichtet, das für Gottesdienste genutzt wurde. Ein geplanter Kirchbau auf dem Gelände an der Ostpreußenstraße wurde jedoch nie umgesetzt. Nach Fusion der Matthäus- mit der Lukasgemeinde wurde das sanierungsbedürftige Bauwerk verkauft und 2018 abgerissen. Das Gelände zählt zur größten Fläche mit Potenzial für Wohnbebauung im Stadtteil. Allerdings bietet es derzeit einen traurigen Anblick.

Die künftige Nutzung des Areals dürfte eines der Themen der Zukunftswerkstatt darstellen. Dass mit Kiosk, Bäcker, Restaurant und Tankstelle die Versorgungsmöglichkeiten im Stadtteil selbst eher überschaubar sind, darf ebenfalls als gesetztes Thema gelten. Denn in der Bürgerbeteiligung sollen gerade auch Treffpunkte und Angebote für die Bewohner besprochen werden.

Ziel des Förderprogramms ist es, den Stadtteil für die Zukunft weiterzuentwickeln. Allerdings ist „Zukunft“ durchaus wörtlich zu nehmen, denn für die Umsetzung von verschiedenen Projekten gilt ein Zeitraum von bis zu 15 Jahren. Bis 2040 sollen rund 40 Millionen Euro für die Neugestaltung des Stadtteils bereitgestellt werden, die Förderquote liegt bei rund 66 Prozent.

Die Zukunftswerkstatt für die Carl-Ulrich-Siedlung beginnt Dienstag, 20. Oktober, ab 18 Uhr in der Edith-Stein-Schule, Gravenbruchweg 27. Gestaltet wird die Bürgerbeteiligung vom Bau- und Planungsamt gemeinsam mit Cima Beratung + Management. Bis 20. November können interessierte Bürger noch an einer Umfrage unter www.offenbach.de/isek-carl-ulrich-siedlung teilnehmen.