Playmobil-Chef verlässt Unternehmen
Die Spielzeugmarke Playmobil kommt nicht zur Ruhe: Nach dem Aus für die Produktion in Deutschland verlässt nun Vorstand Bahri Kurter das Unternehmen im mittelfränkischen Zirndorf. „Es wird eine kurzfristige Nachbesetzung geben. Darüber werden wir zu gegebener Zeit informieren“, hieß es von einem Sprecher des Herstellers Horst Brandstätter Group. Zu den Gründen für die personelle Veränderung wollte er keine Angaben machen.
Die „Nürnberger Nachrichten“ hatten zunächst über den Weggang von Kurter berichtet, der seit 2023 Vorstand für Entwicklung, Marketing und Vertrieb bei Playmobil war. René Feser und Matthias Fauser bleiben dem Sprecher zufolge Vorstände der Horst Brandstätter Group und sind damit für das operative Geschäft zuständig.
Die für ihre Spielfiguren und Spielwelten bekannte Marke Playmobil kämpft seit längerem mit sinkenden Umsätzen. 700 Stellen wurden in dem Zuge im In- und Ausland abgebaut. Ende Juni hatte der Hersteller sein einziges deutsches Werk im mittelfränkischen Dietenhofen geschlossen. 350 Beschäftigte verloren ihren Job. Playmobil wird damit nur noch in Malta und Tschechien produziert.
RTL Deutschland und Sky streichen rund 500 Stellen
Nach dem Zusammenschluss von RTL Deutschland und Sky sollen bis Ende 2027 rund 500 Stellen bei den Unternehmen abgebaut werden. Der überwiegende Teil davon solle bereits 2026 gestrichen werden, teilte RTL mit. Zuvor hatte „Bild“ darüber berichtet.
Der Stellenabbau soll den Angaben zufolge sozialverträglich und in enger Abstimmung mit den zuständigen Betriebsräten erfolgen. Auslaufende Verträge sollen teilweise nicht verlängert und offene Stellen nicht nachbesetzt werden. Betriebsbedingte Kündigungen sollen so vermieden werden. Wie sich die rund 500 Stellen auf RTL und Sky verteilen, teilte das Unternehmen zunächst nicht mit.
Die RTL Group hatte Sky Deutschland in diesem Jahr übernommen. Mit dem Zusammenschluss will RTL seine Position im Streaming- und TV-Markt gegenüber großen internationalen Anbietern stärken und insbesondere das Geschäft mit Abonnements ausbauen.
Gerichtsurteil: Meta haftet für betrügerische Werbung auf seinen Plattformen
Der US-Konzern Meta haftet für betrügerische Werbeanzeigen auf seinen Plattformen Facebook und Instagram. Das hat das Landgericht Frankfurt am Main entschieden und den Konzern unter anderem zu Unterlassung und Schadenersatz verurteilt. Geklagt hatten der Betreiber eines Finanzportals und dessen Gründer. Unbekannte hatten auf den Plattformen wiederholt unter Verwendung des Firmenlogos und von Bildern des Gründers in mutmaßlich betrügerischer Absicht für Finanzprodukte geworben. Das Unternehmen hatte nach eigenen Angaben allein im August 2024 fast 260 solcher Verstöße gemeldet. Meta habe für die Löschung jedoch bis zu 62 Tage benötigt. Durch die Werbung würden das Unternehmenspersönlichkeitsrecht der Firma und das allgemeine Persönlichkeitsrecht des Gründers verletzt, urteilten die Richter.
Meta könne sich nicht darauf berufen, keine Kenntnis von den Inhalten gehabt zu haben, hieß es in dem Urteil weiter. Anders als rein chronologische Nutzerfeeds übe Meta durch seine Algorithmen und das automatisierte Auktionsverfahren für Anzeigen eine Kontrolle über die Inhalte aus. Damit könne sich der Konzern nicht auf Haftungsprivilegien des Gesetzes über digitale Dienste (Digital Services Act) berufen. Die Kammer verwies auf ein jüngeres Urteil des Europäischen Gerichtshofs. Meta muss dem Unternehmen zudem Auskunft über die mit den Anzeigen erzielten Einnahmen erteilen. Das Urteil (Az.: 2–06 O 234/25) ist noch nicht rechtskräftig.
Wizz Air kürzt Flugplan wegen Energiepreisen
Die wegen des Irankriegs explodierenden Spritpreise zwingen den Billigflieger Wizz Air, auf die Bremse zu treten. Die ungarische Fluglinie kündigte am Donnerstag an, ihre geplante Kapazität für die zweite Hälfte des Geschäftsjahres um fünf Prozent zu kürzen. Anleger zeigten sich davon jedoch unbeeindruckt, da das Unternehmen gleichzeitig seine kurzfristige Ertragsprognose nach einem starken Sommer anhob: Die Aktie legte um mehr als drei Prozent zu. Wizz Air erwartet nun im Zeitraum Juli bis September einen Umsatz auf Vorjahresniveau statt eines Rückgangs im niedrigen einstelligen Prozentbereich.
Der Irankrieg hat die globale Luftfahrtbranche wegen der gestiegenen Kerosinpreise in die schwerste Krise seit der Corona-Pandemie gestürzt. Die lettische Fluggesellschaft airBaltic meldete deswegen als erste europäische Airline in dieser Woche Insolvenz an. Auch große US-Fluggesellschaften haben ihre Flugpläne bereits reduziert, um die Erträge zu sichern.
Hoffnung auf Pipeline-Reparatur dämpft Ölpreisanstieg
Die Ölnation Saudi-Arabien versucht, die wichtige Ost-West-Pipeline quer durch die arabische Halbinsel zu reparieren. Die Leitung ermöglicht es, die umkämpfte Meerenge von Hormus am Persischen Golf zu umgehen und die Ölversorgung trotz des Irankriegs am Laufen zu halten. Allerdings wurde die Ost-West-Pipeline zum Roten Meer durch Angriffe vor einer Woche außer Betrieb gesetzt.
Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg mit Verweis auf einen namentlich nicht genannten Fachmann berichtet, will Saudi-Arabien innerhalb von Tagen wieder die halbe Kapazität herstellen. Um die volle Kapazität der Pipeline wieder herzustellen, dauere es allerdings noch sechs Wochen.
Der Preis für die Ölsorte Brent sank demzufolge am Mittwoch um 2,7 Prozent auf 106 Dollar je Barrel und West Texas Intermediate kostete 102 Dollar.
US-Präsident Donald Trump hatte auf einer Wahlkampfveranstaltung am Mittwoch ein baldiges Ende des Irankriegs in Aussicht gestellt. Auch die Amerikaner leiden unter den infolge des Irankriegs gestiegenen Ölpreisen.
RWE stockt bei Netzbetreiber Amprion auf 58 Prozent auf
Der Energiekonzern RWE hat seine Beteiligung an Deutschlands zweitgrößtem Hochspannungsnetzbetreiber Amprion von 55 auf rund 58 Prozent aufgestockt. RWE habe weitere drei Prozent der Anteile an der Beteiligungsgesellschaft M 31 erworben, die mit knapp drei Viertel an Amprion beteiligt ist. RWE halte damit auch die Mehrheit an M31, erklärte der Essener Konzern am Mittwochabend. „Der weitere Ausbau der Beteiligung unterstreicht die Bedeutung von Amprion für das RWE-Portfolio“, hieß es in der Mitteilung. RWE werde Amprion aber weiterhin nur anteilig bilanzieren, das Unternehmen gelte nach den gesetzlichen Entflechtungsvorschriften weiterhin als unabhängiger Übertragungsnetzbetreiber.
RWE profitiert davon, dass immer mehr Amprion-Investoren angesichts der in den nächsten Jahren anstehenden Milliarden-Investitionen in den Ausbau und die Modernisierung des 11.000 Kilometer langen Übertragungsnetzes gerne aussteigen würden. Erst im Juli hatte RWE seine Amprion-Beteiligung über die Übernahme von M31-Anteilen von 20 auf 55 Prozent aufgestockt. „Das regulierte Netzgeschäft wird zur dritten Säule von RWE neben den Investitionen in erneuerbare und flexible Erzeugung“, hatte Vorstandschef Markus Krebber damals gesagt.
Das Konsortium M31, das 74,9 Prozent an Amprion hält, gehörte lange einer Vielzahl eher kleinerer Investoren, darunter die Ärztliche Beteiligungsgesellschaft AEBG, hinter der fünf Pensionskassen der Ärzteschaft stehen. Auch mehrere Versicherer sind engagiert. Von wem RWE die weiteren Anteile gekauft hat, blieb zunächst offen. Die restlichen 25,1 Prozent von Amprion liegen bei RWE Alkaios, einem Joint Venture von RWE mit dem Finanzinvestor Apollo.
60 Millionen Schaden: Razzia gegen Geldwäsche
Rund 800 Einsatzkräfte haben bei einer Razzia gegen Steuerbetrug Wohn- und Geschäftsräume in Hessen, Nordrhein-Westfalen und Belgien durchsucht. Die Ermittlungen richten sich gegen 50 Beschuldigte, die über ein Netz von Scheinfirmen Bargeld aus kriminellen Geschäften gewaschen und Steuern sowie Sozialversicherungsbeiträge in Höhe von mehr als 60 Millionen Euro hinterzogen haben sollen, wie die beteiligten Behörden mitteilten. Im Mittelpunkt stehe demnach ein System, bei dem Bargeld aus illegalen Geschäften über Scheinfirmen als vermeintlich legales Buchgeld auf Konten im Ausland transferiert worden sein soll. Für die Vermittlung sollen die Beschuldigten eine Provision von drei Prozent erhalten haben.
Zugleich sollen Unternehmen, darunter mehrere aus der Transport- und Logistikbranche, das Bargeld zur Bezahlung von Schwarzarbeit genutzt haben. Über Scheinrechnungen sollen zudem unberechtigte Vorsteuerabzüge ermöglicht und so sogenannte Umsatzsteuer-Karusselle betrieben worden sein. Die Ermittler hätten Zahlungsströme von rund 150 Millionen Euro nachvollziehen können. Das Netzwerk soll seit 2017 aktiv sein. Um die Aufdeckung zu erschweren, seien Scheinfirmen regelmäßig neu gegründet und wieder liquidiert worden. Als Geschäftsführer hätten demnach Strohleute fungiert.
Bei den Durchsuchungen seien vier Haftbefehle vollstreckt und Vermögenswerte von zunächst knapp 500.000 Euro gesichert worden. Darunter seien Bargeld, Gold, hochwertige Uhren, Luxus-Handtaschen, Schmuck und Fahrzeuge gewesen. Bankguthaben seien dabei noch nicht berücksichtigt. Zudem sei eine Schusswaffe mit scharfer Munition beschlagnahmt worden.
Europas größter Hausgerätehersteller BSH bekommt einen neuen Chef
Matthias Metz werde den Vorsitz der Geschäftsführung bei der Münchner Bosch-Tochter zum Monatsende nach vier Jahren aufgeben und das Unternehmen verlassen, teilte die BSH Hausgeräte GmbH am Mittwoch mit. Sein Nachfolger kommt aus dem eigenen Haus: Rudolf Klötscher, der seit mehr als drei Jahren als Vertriebschef fungiert und für Europa und die Entwicklungsländer zuständig war, werde Metz' Posten übernehmen.
Er stehe „für eine konsequente Fortsetzung des eingeschlagenen Weges“, erklärte BSH. Klötscher ist vier Jahre älter als Metz. BSH hatte zuletzt unter der schwachen Baukonjunktur und der wachsenden heimischen Konkurrenz in China gelitten.
Auch Marketing-Chef Alexander Dony, der das China- und Nordamerika-Geschäft unter sich hat, wird ausgetauscht. Mirko Aksentijevic, bisher Leiter der Region Europa, zieht an seiner Stelle in die Geschäftsführung ein. Für das China-Geschäft und die Region Nordamerika ist dann Klötscher verantwortlich.
Infineon verkauft für mehr als eine Milliarde Dollar
Der Münchner Halbleiterhersteller Infineon hat für 1,12 Milliarden Dollar einen Teil seines Speichergeschäfts an die taiwanesische Winbond Electronics Corporation verkauft. Die Transaktion umfasst nach Angaben von Infineon ein Portfolio von Speichern und Produkten für Kunden in den Bereichen Automotive, Industrie und Infrastruktur.
Vorbehaltlich der behördlichen Genehmigungen streben die Parteien den Abschluss der Transaktion in der zweiten Hälfte des Jahres 2027 an. Für Peter Schiefer, Präsident der Automotive-Division von Infineon, bietet die Transaktion allen Beteiligten einen großen strategischen Mehrwert. Infineon könne das Portfolio und die Kapitalallokation noch stärker auf die zentralen Wachstumstreiber ausrichten.
Infineon wird weiterhin spezialisierte Speicherlösungen anbieten. Diese Technologien bleiben nach Unternehmensangaben ein wichtiger Bestandteil für Anwendungen in den Bereichen Automotive, Industrie, Infrastruktur, Luft- und Raumfahrt sowie Verteidigung. Dazu gehöre auch ein breites Angebot hochzuverlässiger Speicherlösungen für Weltraummissionen.
Baywa-Sanierung auf der Zielgeraden
Die Sanierung der Baywa AG verlangt erhebliche Zugeständnisse der Zeichner einer 100 Millionen Euro schweren Hybridanleihe. Nach der neuen Sanierungsvereinbarung erhalten sie nur zwei Prozent ihres Kapitals zurück und müssen auf die Zinsen vollständig verzichten. Das gab der notleidende Agrarkonzern am Mittwoch in München bekannt. Zudem ist nach den Unternehmensangaben der zweite Anlauf zur finanziellen Restrukturierung der Baywa auf der Zielgeraden. 267 der 268 Gläubiger hätten dem im Sanierungsplan vorgesehenen Verzicht auf rund 1,5 Milliarden Euro bereits grundsätzlich zugestimmt; nur ein Kreditgeber verweigerte sich dem Eckpunktepapier für die um zwei Jahre bis 2030 verlängerte Rettung. Das bisherige Sanierungskonzept war gescheitert, weil die Geschäfte der Wind- und Solarparkgesellschaft Baywa r.e. schlechter liefen als geplant und ihr Verkauf gescheitert war.
Im Juni erklärte sich die beiden Großaktionäre – die Beteiligungsgesellschaften der bayerischen und der österreichischen Genossenschaftsbanken – bereit, ihren Baywa-Anteil von zusammen gut 67 Prozent an einen Treuhänder zu übertragen. Die Gläubigerbanken wiederum wollen 700 Millionen Euro Baywa-Kredite in ein „Nachranginstrument“ umwandeln.
Allianz versichert fahrerlose Waymo-Taxis in Europa
Die Allianz will die fahrerlosen Taxis von Waymo als Versicherer und Dienstleister bei ihrem Markteintritt in Europa begleiten. Der Münchner Versicherungskonzern werde die entstehende Robotaxi-Flotte über seine Tochter Allianz Partners versichern und mögliche Schäden regulieren, teilten beide Unternehmen am Mittwoch mit. Weitere Dienstleistungen, etwa bei der Bergung von Fahrzeugen, seien angedacht. Darüber hinaus wollen die Allianz und die Tochtergesellschaft des Google-Konzerns Alphabet gemeinsam zur Sicherheit autonomer Fahrzeuge, Schadentrends und Risiken forschen.
Autonomes Fahren ist für die Versicherungsbranche Neuland. Lange war etwa umstritten, inwieweit die Hersteller für mögliche Unfälle mit Robotaxis selbst haften müssten. Zwar dürften sie weniger Schäden verursachen, deren Regulierung aber viel teurer werden. „Autonome Mobilität und künstliche Intelligenz zählen zu den bedeutendsten Veränderungen, die unsere Branche in den kommenden Jahren prägen werden“, sagte Allianz-Partners-Chef Tomas Kunzmann. Es gehe darum, den Passagieren stets ein Gefühl der Sicherheit zu geben.
Waymo hatte Ende August angekündigt, autonom fahrende Taxis in München auf die Straße zu bringen. Es wäre der erste Schritt der Expansion nach Europa. Der kommerzielle Betrieb solle Ende 2027 aufgenommen werden. Testfahrten seien bereits für den Herbst geplant. In den USA sind fahrerlose Waymo-Autos bereits in einer Reihe von Städten unterwegs. In Deutschland testet die Volkswagen-Tochtergesellschaft Moia ihr Robotaxi in Hamburg, andere Städte sollen folgen.
KI-Start-up Langdock verlegt Sitz nach Deutschland
Das schnell wachsende Berliner KI-Start-up Langdock verlegt seinen juristischen Hauptsitz aus den USA zurück nach Deutschland. Wie das „Handelsblatt“ unter Berufung auf die beiden Co-Chefs Lennard Schmidt und Judith Dada berichtet, wandelt das Unternehmen seine US-Muttergesellschaft in eine europäische Aktiengesellschaft (Societas Europaea, SE) um.
Die Entscheidung gilt als ungewöhnlicher Schritt gegen den vorherrschenden Trend, bei dem viele europäische Gründer ihre Unternehmenssitze vor allem wegen des Zugangs zu Wagniskapital in die Vereinigten Staaten verlagern. Außerdem werden in den USA geringere Steuern auf Gewinne fällig. Ausschlaggebend für die Rückkehr nach Europa seien neben strategischen Gründen auch Rechtsrisiken: US-Gesetze wie der Cloud Act und der Patriot Act, die Behörden unter bestimmten Bedingungen Zugriff auf Kundendaten erlauben, schafften zunehmend Vorbehalte bei Unternehmenskunden, so das „Handelsblatt“.
Langdock bietet Unternehmenskunden datenschutzkonforme Zugänge zu Sprach- und Bildmodellen verschiedener KI-Anbieter an. Nach Angaben des Start-ups nutzen bereits mehr als 13.000 Unternehmen die Plattform, darunter Konzerne wie Merck und Trumpf. Das erst vor drei Jahren gegründete Unternehmen arbeitet nach eigenen Angaben profitabel und erzielte zuletzt einen wiederkehrenden Jahresumsatz von über 50 Millionen Euro.
Mit dem Umzug verbindet das Führungsteam zudem weitreichende Ausbaupläne: Langdock will mittelfristig zu einem europäischen Cloud- und KI-Infrastrukturanbieter („Hyperscaler“) heranwachsen und damit die geforderte digitale Souveränität Europas stärken. Noch in diesem Jahr soll dafür ein erstes eigenes Rechenzentrum in Betrieb gehen, in das das Start-up zwischen 10 und 15 Millionen Euro investieren will.
SK Hynix erwägt Chipproduktion in Intel-Werk in den USA
Der südkoreanische Chiphersteller SK Hynix führt Insidern zufolge Gespräche mit dem US-Konzern Intel über eine erstmalige Produktion von Speicherchips in den USA. Dabei werde unter anderem erwogen, dass SK Hynix einen Teil von Intels geplanter Fabrik im US-Bundesstaat Ohio anmietet, sagten drei mit der Angelegenheit vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Eine andere Möglichkeit sei ein Joint Venture mit Intel und großen Cloud-Konzernen, die an einer gesicherten Versorgung mit Speicherchips interessiert sind, berichteten zwei der Personen.
Ein Abschluss wäre ein großer Erfolg für die Regierung von US-Präsident Donald Trump, die den Druck auf Chiphersteller erhöht, angesichts der steigenden Nachfrage durch Künstliche Intelligenz in den USA zu fertigen. Eine große Hürde könnte jedoch der potenzielle Widerstand der Regierung in Seoul sein.
Für SK Hynix wäre eine Fertigung in den USA trotz deutlich höherer Kosten attraktiv, da der Konzern unter dem Druck von Kunden und der US-Regierung steht. US-Handelsminister Howard Lutnick hatte mit Zöllen von bis zu 100 Prozent gedroht, sollten sich Unternehmen aus Südkorea und Taiwan nicht zu mehr Produktion in den USA verpflichten. Intel wiederum könnte durch einen solchen Schritt seine seit Jahren geplante milliardenschwere Fabrik in Ohio finanziell entlasten. Eigentlich hätte diese Anfang 2025 die Produktion aufnehmen sollen, nun ist der Start der beiden Anlagen für 2030 und 2031 anvisiert. Die Regierung in Seoul könnte sich den Insidern zufolge jedoch gegen einen Transfer von Spitzentechnologien wie HBM-Speicherchips sperren, da diese als nationale Kerntechnologie gelten.
SK Hynix teilte mit, man prüfe verschiedene Maßnahmen, es sei aber noch nichts entschieden. Intel lehnte eine Stellungnahme ab, erklärte aber, dass man die Investitionen in Ohio zur Vorbereitung des Standorts fortsetze. Das südkoreanische Handelsministerium sagte, eine solche Entscheidung liege im Ermessen des Unternehmens. Sollte es sich jedoch um eine „nationale Schlüsseltechnologie“ handeln, unterläge das Vorhaben einer Prüfung gemäß dem Gesetz zum Schutz industrieller Technologien.
Chefs von Nvidia und Meta lehnen koordinierte langsamere KI-Forschung ab
Jensen Huang, der Vorstandsvorsitzende des KI-Konzerns Nvidia, hält neue Sicherheitsvorschriften für Künstliche Intelligenz für unnötig. Er argumentiert, dass die Marktkräfte den Unternehmen helfen würden, sicher innovativ zu sein. „Wir brauchen keine neuen Gesetze – wir brauchen keine neuen Vorschriften“, sagte Huang während einer Veranstaltung des Softwareunternehmens Salesforce, wie der Finanzdienst Bloomberg berichtet. Huang fügte demnach hinzu, dass es eine „falsche Wahl“ sei, in der Entwicklung von KI entweder auf Sicherheit oder auf Geschwindigkeit zu setzen, und bekräftigte damit einen Standpunkt, den er schon zuvor vertreten hatte. „Man kann definitiv beides gleichzeitig haben“, sagte er im Gespräch mit Salesforce-Chef Marc Benioff. „Man geht es in dem Tempo an, bis man sicher ist, dass man etwas auf den Markt bringt, das der Markt zu schätzen weiß. Die Marktkräfte sind bereits vorhanden.“
Huang hat sich damit in die neu aufgeflammte Diskussion darüber eingeschaltet, wie gefährlich KI ist und wie mit den Risiken umgegangen werden sollte. Für Aufsehen sorgte in der vergangenen Woche ein ehemaliger Anthropic-Mitarbeiter, der warnte, die Menschheit selbst sei in Gefahr. Wenige Tage später kündigte der Anthropic-Chef Dario Amodei an, unabhängige Prüfer in sein Unternehmen zu holen. Er regte außerdem an, die KI-Entwicklung zu verlangsamen. Open-AI-Chef Sam Altman und Elon Musk äußerten sich daraufhin ähnlich. Der amerikanische Präsident Donald Trump beschimpfte die Tech-Unternehmen sodann und wies den Vorschlag neuer Regulierung zurück.
Auch der Meta-Gründer und Vorstandschef Mark Zuckerberg mischte sich nun erstmals in die neue KI-Debatte ein. Er erklärte, dass KI-Forschungslabore auf unabhängige Gutachter und Berater zurückgreifen sollten, um die Sicherheit der Modelle zu gewährleisten. „Die Einbindung entspricht den bewährten Praktiken der Branche“, schrieb Zuckerberg in einem Beitrag auf X.
Zuckerberg wies dabei auch darauf hin, dass Meta eigenständig beschlossen habe, die Arbeit am KI-Tool „Muse“ zu verlangsamen, anstatt andere Unternehmen aufzufordern, zunächst ebenfalls ihre eigenen Fortschritte zu überprüfen. „Meta hat die Veröffentlichung von Muse um mehrere Monate verschoben, um den Fokus auf Sicherheit und Schutz zu legen“, schrieb er. „Wir haben nicht von allen anderen verlangt, dies zu tun, bevor wir es selbst tun würden. Wir haben es einfach als Teil unserer täglichen Arbeit getan, weil es eindeutig das Richtige für die Menschen und für uns war.“
Robert Dikomeit

OpenAI will KI mit Konkurrenten selbst regulieren
Das US-Technologieunternehmen Open AI will gemeinsam mit den Konkurrenten Anthropic und Google Regeln für Künstliche Intelligenz (KI) festlegen. Dafür solle eine Selbstregulierungsorganisation geschaffen werden, erklärte Open AI am Dienstag. Hintergrund sind Warnungen aus der Branche, die Technologie könne unkontrollierbar werden.
Vorbild ist den Angaben zufolge die private Aufsichtsorganisation Finra, die im Auftrag der Börsenaufsicht SEC den Wertpapierhandel in den USA beaufsichtigt. Mehrere frühere Mitarbeiter von KI-Unternehmen hatten wegen der Risiken Alarm geschlagen.
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