Cassiopeia & Co.
Einigung über Zukunft des Berliner RAW-Geländes erzielt
Noch vor wenigen Wochen sah es so aus, als sollten mehrere Berliner Clubs und Ateliers das RAW-Gelände in Friedrichshain-Kreuzberg räumen - nun haben sie doch eine Zukunft. Der Bezirk, die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und der Eigentümer, die Kurth Immobiliengruppe, haben sich auf einen zweijährigen Mietvertrag zur Zwischennutzung für das Areal geeinigt - mit der Option auf ein zusätzliches Jahr.
Der Eigentümer vermietet einen Teil der Fläche auf zwei Jahre befristet an den Bezirk, wie die Senatsverwaltung am Dienstag mitteilte. Das sogenannte "Soziokulturelle L" (SKL), wie die Fläche auch genannt wird, umfasst viele bekannte Clubs, Bars und Kulturanbieter, wie den "Sommergarten" und den Club "Cassiopeia".
Erst Interimsvertrag - dann Mietvertrag über 30 Jahre
Die Vertragspartner haben sich zusätzlich auf die Option geeinigt, den Interimsmietvertrag um ein weiteres Jahr zu verlängern. Die Miete von einer Million Euro jährlich wird für die ersten zwei Jahre durch den Bezirk getragen. Sollte der Mietvertrag um ein drittes Jahr verlängert werden, übernimmt die zuständige Senatsverwaltung für Stadtentwicklung die Kosten für ein Jahr. Rund 40 Prozent der Mietkosten sollen in den Erhalt der Gebäude fließen.
In der Zeit des befristeten Mietvertrags soll parallel der Bebauungsplan für das Gelände festgesetzt werden. Ziel ist es, einen Generalmietvertrag abzuschließen, der neben Neubauten auch für 30 Jahre die bestehenden kulturelle Angebote sichern soll. Die Kultur- und Freizeiteinrichtungen würden dann Untermietverträge mit dem Generalmieter abschließen, hieß es. Wer Generalmieter werden soll, ist bislang noch unklar - das soll während der Zeit des Interimsvertrags geklärt werden.
Etwa 300 Wohnungen sollen entstehen
Auf dem RAW-Gelände soll, verteilt auf mehrere Gebäude, eine Grundfläche von 130.000 Quadratmetern bebaut werden. Die Kurth-Immobiliengruppe plant zum aktuellen Zeitpunkt eine gemischte Nutzung, wobei neben dem bestehendem Kulturangebot Büroflächen und Wohnungen geschaffen werden sollen. Geplant seien etwa 300 Mietwohnungen, 30 Prozent davon seien als Sozialwohnungen vorgesehen, wie Martin Pallgen, Sprecher der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen, der Deutsche Presse-Agentur sagte.
Damit diese Pläne umgesetzt werden können, sind weitere Gutachten zum Schallschutz nötig. So soll sichergestellt werden, dass auch die Clubs neben den geplanten Wohnungen bleiben können. Sobald der Bebauungsplan festgesetzt wird, endet laut Mitteilung der Zwischenmietvertrag mit dem Bezirk.
Damit die vorgestellten Verträge in Kraft treten muss noch die Bezirksverordnetenversammlung Friedrichshain-Kreuzberg und der Hauptausschuss des Abgeordnetenhauses zustimmen.
"Gute Zwischenlösung" - Betreiber zufrieden
Die Betreiber auf dem RAW-Gelände waren zwar nicht an den Gesprächen beteiligt, zeigten sich aber am Dienstag zufrieden. Joest Schmidt, Geschäftsführer der Skatehalle auf dem RAW-Gelände, sprach von einer riesigen Erleichterung. Es habe eine lange Hängepartie gegeben. "Jetzt sieht es wirklich so aus, als sei erstens eine gute Zwischenlösung gefunden und als hätte man damit zweitens die Zeit gefunden, um auf eine langfristige Lösung hinzuarbeiten", sagte Schmidt dem rbb.
Auf der ehemaligen Industriebrache, dem früheren Reichsbahnausbesserungswerk (RAW), sind in teils baufällig anmutenden Hallen und Gebäuden Dutzende Clubs, Kneipen, Ateliers sowie Sport- und Kulturangebote zu Hause. Die Kurth-Gruppe hatte das Areal 2015 gekauft.
Im Juni hatte der private Eigentümer die Verhandlungen mit dem Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg und dem Senat über die planungsrechtliche Entwicklung überraschend für gescheitert erklärt. Einer der zentralen Streitfragen war, wann und wie viele Wohnungen auf Teilen des Geländes nahe der Warschauer Straße und der Spree gebaut werden sollen.
Sendung: rbb24 Abendschau, 11.08.2026, 19:30 Uhr
Video: rbb24 Abendschau, 11.08.2026, Jonas Wintermantel
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