Dann eben in Mexiko: "Spektakel" Antonelli fehlt nur der letzte Schritt zum Weltmeistertitel

Formel 1

Dann eben in Mexiko: "Spektakel" Antonelli fehlt nur der letzte Schritt zum Weltmeistertitel

Der 20-Jährige ist in seinem Mercedes nur mehr theoretisch aufzuhalten, in Austin lieferte er abermals eine Machtdemonstration ab

Ein Rennfahrer in vollständiger Rennmontur und Helm jubelt mit erhobenen Fäusten neben einem schwarzen Formel-1-Auto mit Mercedes-Branding. Der Moment findet auf der Boxengasse während des Großen Preises der USA 2026 in Austin statt.
Kimi Antonelli wird Italiens erster Formel-1-Weltmeister seit 1953.

Austin – Tequila oder Caipirinha statt alkoholfreiem Champagner: Die große Formel-1-WM-Titelfeier von Kimi Antonelli hat sich zumindest um eine Woche verschoben. Beim Großen Preis der USA in Austin/Texas, wo Alkohol erst ab 21 Jahren erlaubt ist, fuhr der 20-jährige Mercedes-Star am Sonntag mit einer Machtdemonstration zu seinem neunten Sieg und damit einen weiteren Schritt näher zum Titel. "Es war die Fahrt eines Champions, der noch kein Champion ist", lobte Mercedes-Boss Toto Wolff.

Am kommenden Sonntag in Mexiko reicht Antonelli ein neunter Platz, um sich aus eigener Kraft vorzeitig zum jüngsten F1-Weltmeister der Geschichte zu krönen. "Er muss in Mexiko nur durchfahren, dann gibt es Tequila. Wenn nicht, fährt er in Brasilien durch, dann gibt es Caipirinha", sagte Wolff bei ServusTV zufrieden. "Am schönsten wäre es natürlich, es mit Stil zu beenden", sagte Antonelli – mit Stil heißt: mit einem weiteren Sieg.

Der Erfolg in Austin von der Pole aus war sein neunter in dieser Saison und damit auch in seiner Karriere. Im Debütjahr hatte er mit einigen Rückschlägen und Dämpfern zu kämpfen gehabt, 2026 ist nun Antonellis Jahr. Er dominiert die Formel 1, wie es einst die Allergrößten der Serie machten. Gewinnt er am Sonntag in Mexiko, löst er Sebastian Vettel ab, den deutschen Vierfach-Weltmeister, der bei seinem ersten Titel mit deutlich über 23 Jahren 2010 zum jüngsten Champion wurde.

"Pace war einfach Schrott

Antonelli hat nun 123 Punkte mehr als sein geschlagener und fast schon demoralisierter Mercedes-Teamkollege George Russell. "Die Pace war heute einfach Schrott, um es kurz zu sagen", meinte der Brite - er schafft es nicht ansatzweise, das aus dem Auto herauszuholen, was Antonelli macht. 124 Zähler liegt Lewis Hamilton im Ferrari hinter seinem Mercedes-Nachfolger.

Mit den allerletzten Kräften verhinderten sie auf den Rängen acht und vier – Russell hätte höchstens Neunter werden dürfen, Hamilton höchstens Fünfter – die Krönung des designierten Champions vor den über 120.000 Zuschauern beim PS-Spektakel in Texas. Sie seien nun "auf die Rolle von Knechten reduziert", spottete die französische Sportzeitung "L'Equipe".

Als es in Austin drauf ankam, war Antonelli zur Stelle. Er holte mit einer Fabelrunde, die ihn selbst völlig überrascht hatte, die Pole. Er verteidigte Startplatz eins trotz der langsameren Reifen souverän und managte die Gummis danach mit Feingefühl. Mit über 13 Sekunden Vorsprung cruiste Antonelli ins Ziel, stieg aus seinem Wagen, ballte die Fäuste und sprang nach einem weltmeisterlichen Spurt über die Absperrung in die Arme seiner Crew.

"Antonelli ist ein Spektakel"

Als dann die italienische Hymne erklang, stand nicht nur Papa Marco ergriffen unter dem Podium. Auch Formel-1-Chef Stefano Domenicali blickte nach oben mit einem Lächeln zu seinem Landsmann. Seit 1953 gab es keinen Weltmeister mehr aus Italien. "Die Fans träumen, Antonelli ist ein Spektakel", schrieb der "Corriere dello Sport". In Monza beim Sieg des Mercedes-Fahrers im vergangenen Monat vergaßen sogar die Ferrari-Anhänger ihre rote Leidenschaft und feierten frenetisch ihren italienischen neuen Superstar.

"Er hat in diesem Jahr – und auch schon im letzten Jahr, aber besonders in diesem – sein Talent und sein Können, seine Gelassenheit und seine Herangehensweise unter Beweis gestellt", betonte Hamilton, der seinem Nachfolger bei den Silberpfeilen einst auch eine ganz persönliche Nachricht hinterlassen hatte. Über deren Inhalt behalten beide Stillschweigen. "Ich bin so stolz auf ihn", sagte Hamilton in den Tagen von Austin.

Hamilton ist die eine Generation, 41 Jahre mittlerweile alt, siebenmaliger Weltmeister. Eine andere verkörpert Max Verstappen, viermaliger Champion, 29 Jahre alt. Bei ihrem ersten Titelgewinn waren sie 23 respektive 24 Jahre alt. Antonelli ist die neue Generation. "Kimi hat den Erfolg, den er dieses Jahr hat, absolut verdient", sagte auch Verstappen: "Er ist sehr konstant, er liefert die Leistungen genau dann ab, wenn es darauf ankommt. Und sollte er tatsächlich Weltmeister werden, dann ist er definitiv ein verdienter Sieger." (APA, red, 26.10.2026)

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