Ständeräte wollen der UBS entgegenkommen. Dazu setzen sie auf umstrittene Anleihen
Am Dienstag berät die Wirtschaftskommission der kleinen Kammer. Der Vorschlag des Bundesrates könnte abgeschwächt werden.
09.08.2026, 05.30 Uhr
3 Leseminuten

Der UBS-Chef Sergio Ermotti beim Training mit der Schweizer Fussballnationalmannschaft. Jetzt geht es für die Grossbank um die Kapitalfrage.
Imago
Am Dienstag gilt es ernst für die UBS. Dann ist die Kapitalfrage erneut Thema in der Wirtschaftskommission des Ständerats (WAK-S). Für die Grossbank geht es dabei um viel. Kommt Finanzministerin Karin Keller-Sutter mit ihrem Vorschlag durch, müsste die Bank ihr hartes Kernkapital nach eigenen Angaben um 22 Milliarden Dollar aufstocken.
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Der Bundesrat will im Kern, dass die Grossbank ihre ausländischen Beteiligungen im Schweizer Stammhaus vollständig mit hartem Eigenkapital (CET1) unterlegen muss. Der UBS-Chef Sergio Ermotti hat das Vorhaben wiederholt als «extrem» bezeichnet.
Faktisch geht es bei dieser Reform um eine Lex UBS, ist sie doch die einzige systemrelevante Schweizer Bank mit globaler Bedeutung. Monatelang war die Diskussion festgefahren. Nun gibt es Bewegung bei dem Thema.
Stärkere Rolle für AT1
Dem Vernehmen nach liegen bei der Kommission mehrere Vorschläge für die künftige Kapitalausstattung der UBS auf dem Tisch. Diskutiert wird zum einen der harte Plan des Bundesrates. Daneben wurden auch Vorschläge eingereicht, die eher der UBS entgegenkommen. Diese drehen sich hauptsächlich um die Frage, ob es ausreicht, wenn die Grossbank ihre ausländischen Beteiligungen nur teilweise mit Eigenkapital unterlegen muss. Und falls ja, wie viel es denn sein muss.
Momentan muss die Grossbank ihre Auslandstöchter mit 45 Prozent hartem Eigenkapital unterlegen. Wie es in Gesprächen mit Parlamentariern heisst, könnte der Wert deutlich angehoben werden. Für den Rest soll die UBS aber auf sogenannte AT1-Anleihen zurückgreifen können – wie hoch der jeweilige Anteil ausfällt, darüber dürfte in der Kommission noch heftig diskutiert werden.
AT1-Anleihen sind spezielle Finanzinstrumente, die bei der Schieflage einer Bank entweder in Eigenkapital umgewandelt oder abgeschrieben werden. Diese sind für die UBS deutlich günstiger als hartes Eigenkapital. Eine Gruppe von bürgerlichen Parlamentariern rund um den Aargauer FDP-Ständerat Thierry Burkart plädiert schon länger dafür, dass die Grossbank einen Teil ihrer Kapitalanforderung mit AT1-Anleihen erfüllen kann.
Zusätzliche Anreize fürs Management schaffen
Diese Finanzinstrumente waren in der Vergangenheit allerdings nicht unumstritten. Im Ernstfall Credit Suisse gab es Unklarheiten, unter welchen Bedingungen die AT1-Anleihen überhaupt genutzt werden durften. Der Fall liegt vor dem Bundesgericht.
Nun zeichnet sich ab, dass die AT1-Anleihen in Zukunft eine grössere Rolle spielen könnten. Damit sie in einer Krise ihren Zweck erfüllen, wollen die Parlamentarier hier gezielt nachbessern. Denkbar sind verschiedene Varianten: Grundsätzlich sollen die AT1-Papiere künftig jedoch bereits eingesetzt werden, wenn sich eine Bank noch aus eigener Kraft aus einer Schieflage befreien kann, und nicht erst, wenn es wie bei der CS bereits zu spät ist.
Dazu soll es künftig zwei Schwellenwerte geben. Schon bevor die Anleihen gewandelt werden, sind Massnahmen vorgesehen. Sinkt das Eigenkapital einer Bank unter einen bestimmten Wert, soll sie die Zinszahlungen an ihre AT1-Obligationäre und die Ausschüttungen an Aktionäre erst einmal einstellen.
Um zusätzliche Anreize für die Bank und ihr Management zu schaffen, könnte zudem ein Mechanismus eingebaut werden, der vorsieht, dass die AT1-Anleihen zwingend gewandelt werden müssen, wenn die Bank nach einem halben Jahr ihre Kapitalanforderungen nicht wieder vollständig erfüllt.
Ein langer Weg für die UBS
Mit ihrem Entscheid schlägt die Wirtschaftskommission einen ersten wichtigen Pflock ein. Die Ständeräte dürften die UBS jedoch nicht allzu billig davonkommen lassen. Wie es in Gesprächen mit Parlamentariern heisst, soll die Regulierung die Grossbank etwas kosten. Zitieren lassen will sich allerdings niemand. Die UBS will sich auf Anfrage nicht zu der Diskussion äussern.
Geplant ist, dass die kleine Kammer das Geschäft während der Herbstsession im September diskutiert. Anschliessend geht die Kapitalfrage in den Nationalrat, in dem bankenfreundliche Anliegen traditionell einen schwereren Stand haben. Auch ein Referendum ist nicht ausgeschlossen.
Die Wirtschaftskommission hat die Entscheidung bei ihrer letzten Sitzung im Mai bereits einmal verschoben. Diesmal scheint die Wahrscheinlichkeit grösser zu sein, immerhin haben die Kommissionsmitglieder nach der Sitzung am Dienstag eine Medienkonferenz angekündigt.
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