KI-Stimme. Info
Es sind Bilder wie aus einem Katastrophenfilm: riesige Rauchsäulen, ein Himmel wie in Flammen, rund 42.000 Hektar Land, die brennen. Der Waldbrand im Departement Gironde zwang in den vergangenen Wochen Hunderttausende Einheimische und auch Touristen, sich in Sicherheit zu bringen, und hinterließ großflächige Zerstörung. Und das war nur eines von vielen zerstörerischen Feuern, gegen die Einsatzkräfte in diesem Sommer im Mittelmeerraum kämpfen. Nach Monaten der Trockenheit und Rekordhitzewellen erlebt Südeuropa eine verheerende Waldbrandsaison.
Außergewöhnlich heiß und trocken war es auch hier, und wird es in Zukunft wohl noch häufiger. Kommen solche Feuer also auch auf Deutschland zu?
Auch interessant

Wald- und Flächenbrände sind in Deutschland kein neues Phänomen. Doch während das Flächenausmaß der Brände über lange Zeit zurückging, scheint dieser Trend seit einigen Jahren gestoppt. In den 1990ern und 2000ern waren meist nur wenige hundert Hektar betroffen, doch inzwischen weist die Waldbrandstatistik des Landwirtschaftsministeriums allein seit 2018 vier Jahre aus, in denen mehr als 2000 Hektar brannten.
Die Zahl der Hochrisikotage für Feuer steigt
Das liegt daran, dass die Voraussetzungen, unter denen Brände sich besonders stark ausbreiten können, häufiger werden. Durch den Klimawandel werden lange Perioden ohne Niederschlag und hohe Temperaturen häufiger, die die Vegetation austrocknen und leicht brennbar machen. Kommen dann noch hohe Windgeschwindigkeiten dazu, kann aus einem kleinen Brandherd schnell ein großes Feuer werden.
Wie viele der Voraussetzungen für einen Brand zusammenkommen, bildet der Deutsche Wetterdienst (DWD) in seinem fünfstufigen Waldbrandgefahrenindex ab. „Bei Stufe 5 auf dem Index kann schon ein Funke reichen für einen Brand“, sagt DWD-Experte Andreas Brömser. Auch bei niedrigeren Stufen seien Brände nicht auszuschließen, die Wahrscheinlichkeit sinke aber. Für die kommenden Tage, in denen die Temperaturen wieder steigen, liegt der Waldbrandindex in fast ganz Deutschland bei Stufe 3 oder 4.
Lesen Sie auch
Immer mehr Tage mit höchster Waldbrandgefahr in Deutschland
Die Zahl der Tage, an denen für große Teile Deutschlands die obersten Gefahrenstufen des Index gelten, steigt. Zwischen 1961 und 1990 gab es laut DWD durchschnittlich neun Tage im Jahr, an denen über ganz Deutschland gemittelt mindestens Stufe 4 auf dem Index erreicht wurde. Zwischen 1991 und 2020 waren es schon 14 Tage. Einige Regionen wie Brandenburg mit seinen schnell austrocknenden Sandböden oder der heiße Oberrheingraben sind dabei besonders betroffen, aber der langfristige Trend gilt für das ganze Land. „Die Zeiträume mit hoher Gefahr werden weiter zunehmen“, sagt Brömser. Und damit die Wahrscheinlichkeit für großflächige Brände, wie sie Südeuropa derzeit erlebt.
„Das Feuer wird kommen“, sagt auch Johann Georg Goldammer, Feuerökologe am Global Fire Monitoring Center in Freiburg, der seit Jahrzehnten zu Wald- und Landschaftsbränden forscht. Brände wie an der französischen Atlantikküste könnten hierzulande genauso entstehen, sagt er. Dort waren es Monokulturen von Seekiefern, durch die sich das Feuer fraß, hier würden Fichten und auch Kiefern genauso brennen.
Auch interessant

Deutsche Wälder sind auf die veränderten Bedingungen nicht vorbereitet
Goldammer plädiert deshalb dafür, sich besser und umfangreicher auf kommende Brände vorzubereiten. „Feuer sind nicht zu vermeiden, man muss damit umgehen lernen“, sagt er. Etwa, indem Brandschutzschneisen in Wäldern nicht erst dann angelegt würden, wenn es bereits brenne. Aber auch durch den Umbau der Wälder.
„Unsere Wälder stammen aus einer anderen Zeit – aus einem anderen Klima, aus dem wir uns jetzt verabschieden müssen“, sagt Goldammer. Einfach auf Laub- und Mischwälder umzusteigen, werde nicht reichen, denn auch die seien durch den Klimawandel inzwischen feueranfällig. Stattdessen braucht es laut dem Forscher Baumarten, die gut mit Trockenheit und Hitze klarkommen, und neue Strukturen in den Wäldern. „Wir sollten uns an den Subtropen orientieren, wo die Wälder sehr viel offener und geringer bestockt sind“, sagt er. Feuermanagement, sagt Goldammer, sei nicht nur ein Thema für die Feuerwehren, sondern auch für Forst- und Landwirtschaft, Naturschutz und Bevölkerungsschutz.
Exklusive Politik-Hintergründe – für Sie recherchiert
Ein Problem dabei: Brandbekämpfung und -prävention sind in Deutschland Sache der Kommunen und Kreise, in der Praxis ausgeführt von meist freiwilligen Feuerwehren. Finanzielle Möglichkeiten und Wissen sind ungleich verteilt, eine zentrale Koordination gibt es nicht.
„Auch bei uns steigt das Waldbrandrisiko“
Die Grünen im Bundestag fordern angesichts der zunehmenden Gefahrenlage deshalb mehr Einsatz vom Bund. „Die Hitzewellen dieses Sommers zeigen: Auch bei uns steigt das Waldbrandrisiko“, sagt Britta Haßelmann, Co-Fraktionschefin der Grünen-Fraktion, dieser Redaktion. „Bundesregierung und Bundeskanzler Friedrich Merz müssen jetzt endlich handeln, statt die Klimakrise zu verharmlosen.“

In einem Papier mehrerer Grünen-Abgeordneter zum Schutz der Wälder vor Feuer, das dieser Redaktion vorliegt, fordern die Grünen unter anderem eine nationale Feuermanagementstrategie. Die soll nicht erst bei der Bekämpfung von Bränden ansetzen, sondern auch Risikoanalyse, Prävention und Einsatzvorbereitung einbeziehen, genauso wie die Wiederherstellung verbrannter Flächen.
Außerdem müsse modernere Technik zum Einsatz kommen: Drohnen und Satellitenbilder, um Brände schneller zu identifizieren, und bessere Ausrüstung für die Feuerwehrleute. Und der Wald selbst müsse widerstandsfähiger gemacht werden, fordern die Grünen: mit einem Waldentwicklungsprogramm für 50 Millionen Euro.