DAX auf Rekordhoch: Zinsrisiken stellen die Rally auf die Probe

DAX trifft am Rekordhoch auf Gegenwind
Frankfurter Börse. Foto: Claudio Kummerfeld/Finanzmarktwelt.de

Der DAX startet nahe seines Rekordniveaus in die neue Handelswoche. Am Freitag markierte der Leitindex bei 26.618 Punkten eine neue Bestmarke und bestätigte damit seinen übergeordneten Aufwärtstrend. Rückenwind erhält er von der zuletzt sichtbaren Rotation in Standardwerte, während Technologieaktien an der Wall Street etwas an Schwung verloren haben. Doch nach der jüngsten Rally ist der DAX kurzfristig wieder an überkaufte Niveaus herangerückt. Gleichzeitig treiben die erneuten US-Angriffe auf den Iran die Ölpreise zu Wochenbeginn nach oben. Für zusätzliches Spannungspotenzial an den Aktienmärkten sorgen die Geldpolitik und der anstehende US-Arbeitsmarktbericht.

Warsh erhöht den Druck

Die Ölpreise rücken zu Wochenbeginn wieder stärker in den Fokus. Nach den erneuten US-Angriffen auf den Iran am Sonntag ist der Brent-Preis um rund 2,5 Prozent auf über 90 Dollar gestiegen. Der neuerliche Preissprung könnte die Aktienmärkte zunächst etwas bremsen, da höhere Energiekosten den Inflationsdruck wieder verstärken und den Notenbanken die Arbeit erschweren.

Fed-Chef Kevin Warsh hat den Märkten am Freitag keine klare Vorgabe für die nächste Zinssitzung geliefert, mit seinen Aussagen aber die Tür für eine weitere Straffung weit offengehalten. Warsh bezeichnete die US-Wirtschaft als robust und den Arbeitsmarkt als stabil, während die Inflation weiterhin zu hoch sei. Entsprechend müsse die Fed überzeugt sein, dass sich der Preisauftrieb nachhaltig in Richtung des Zwei-Prozent-Ziels bewegt.

Die Märkte reagierten prompt. Während der Goldpreis nach seiner jüngsten Rally deutlich zurückfiel, gaben auch die US-Börsen etwas nach. Laut FedWatch Tool liegt die Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung im September inzwischen bei 60 Prozent. Damit richtet sich der Blick nun umso stärker auf die kommenden US-Konjunkturdaten. Höhepunkt der Woche ist der Arbeitsmarktbericht am Freitag. Nach dem überraschenden Stellenabbau von 23.000 im Juli wird diesmal wieder mit einem moderaten Beschäftigungsaufbau gerechnet.

Ein robuster Arbeitsmarkt könnte die Spekulationen auf eine weitere Zinserhöhung zusätzlich befeuern und die Anleiherenditen nach oben treiben. Schwächere Daten könnten dagegen den Zinsdruck zunächst lindern. Die Renditen bleiben damit ein entscheidender Joker für die Aktienmärkte.

Auffällig war zuletzt zudem die Rotation an den Börsen. Standardaktien entwickelten sich besser als viele hoch bewertete Technologiewerte. Davon profitierte auch der DAX, der sich gegenüber dem S&P 500 und insbesondere dem Nasdaq 100 zuletzt vergleichsweise robust zeigte.

EZB und Broadcom im Fokus

Auch in Europa bleibt die Geldpolitik ein wichtiger Faktor. Eine weitere Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank im September gilt inzwischen als weitgehend sicher. Es wäre bereits die zweite Anhebung in diesem Jahr. Neue Verbraucherpreisdaten aus der Eurozone könnten diese Erwartungen am Dienstag untermauern, am Donnerstag folgen die Erzeugerpreise.

Etwas Entlastung kommt vom Ölmarkt. Die Ölpreise sind zuletzt leicht gesunken und nehmen damit zumindest etwas Inflationsdruck aus dem Kessel. Entwarnung gibt es allerdings nicht. Die Unsicherheit rund um den Iran-Konflikt und die Straße von Hormus bleibt hoch, sodass erneute Preissprünge jederzeit möglich sind.

Bei den Unternehmen flachte die von Nvidia neu entfachte Euphorie rund um Künstliche Intelligenz bereits am Freitag wieder etwas ab. Der nächste Stimmungstest folgt zur Wochenmitte: KI-Profiteur Broadcom legt am Mittwoch seine Quartalszahlen vor und könnte der zuletzt ins Stocken geratenen Tech-Rally neue Impulse geben.

Trotz der strukturellen Belastungsfaktoren bleibt das fundamentale Umfeld für den DAX insgesamt konstruktiv. Die robuste Gewinnentwicklung der Unternehmen und positive Frühindikatoren sprechen weiterhin für Potenzial. Gleichzeitig machen steigende Zinserwartungen und hohe Bewertungen die Märkte anfälliger für Rückschläge.

DAX bestätigt Aufwärtstrend

Charttechnisch bleibt die Börsenampel im DAX auf Grün. Mit dem neuen Rekordhoch bei 26.618 Punkten hat der Leitindex seinen Aufwärtstrend bestätigt. Kurzfristig ist die Luft allerdings dünner geworden. Der RSI ist nach der jüngsten Rally wieder an überkaufte Niveaus herangerückt. Eine baldige Konsolidierung innerhalb des intakten Aufwärtstrends wäre daher keine Überraschung.

Bullisches Szenario: Hält sich der DAX oberhalb von 26.480 Punkten, könnte er erneut Kurs auf die Bestmarke bei 26.618 Punkten nehmen. Direkt darüber wartet allerdings bereits die nächste Hürde. Bei 26.629 Punkten verläuft ein wichtiges Fibonacci-Extensionsziel, das der Index am Freitag nahezu punktgenau angelaufen hat, bevor es zu einem Rücklauf kam. Damit rückt zunächst der Bereich zwischen 26.629 und 26.650 Punkten als Widerstandszone in den Fokus. Ein nachhaltiger Ausbruch darüber würde weiteres Aufwärtspotenzial freisetzen. Das nächste größere Extensionsziel liegt bei 26.873 Punkten. Allerdings dürfte es zuvor noch zu einer Verschnaufpause kommen.

Bärisches Szenario: Gelingt es dem DAX zum Wochenstart nicht, an die Höchststände vom Freitag anzuknüpfen, dürfte zunächst eine Konsolidierung einsetzen. Eine erste wichtige Unterstützung befindet sich bei 26.480 Punkten. Fällt der Index darunter, wäre ein Rücklauf bis in den Bereich um 26.370 Punkte denkbar. Dort befindet sich ein ausgeprägter Volumen-Cluster (HVN), der als Unterstützung fungieren und gute Chancen für eine erneute Aufwärtsbewegung bieten könnte. Erst ein nachhaltiger Bruch dieser Zone würde das kurzfristig bullische Chartbild stärker eintrüben. Weitere Korrekturziele liegen dann bei 26.300 un 26.255 Punkte.

DAX-Widerstände: 26.579 (ex ATH), 26.618 (TH), 26.629 + 26.648 (Fibo-Cluster), 26.690 (Fibo-Ext.), 26.873

DAX-Unterstützungen: 26.485, 26.467 (TT), 26.370/367 (HVN/Gap), 26.296 (TT), 26.255, 26.180

DAX auf Rekordhoch: Ölpreis und Fed-Geldpolitik mit Gegenwind

Dax-Chart auf TradingView-Basis

Hinweis: Die im Artikel enthaltenen Marktanalysen und charttechnischen Einschätzungen dienen ausschließlich Informationszwecken und stellen weder eine Anlageberatung noch eine Handelsempfehlung dar. 

Stefan Jäger

Über den RedakteurStefan Jäger

Finanzjournalist und Trader

Stefan Jäger berichtet als Finanzjournalist über das aktuelle Geschehen an den Aktien- und Edelmetallmärkten. Mit fundierter Fundamentalanalyse und präziser Technischer Analyse beleuchtet er zudem Chancen und Risiken verschiedenster Assets.

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