Krebs-Risiko: Kein Zucker für Babys? Studie zeigt verblüffenden Zusammenhang

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Die Rationierung von Lebensmitteln und insbesondere von Zucker in Großbritannien während des Zweiten Weltkriegs und in den Jahren danach könnte langfristig weitreichende gesundheitliche Vorteile gehabt haben. Eine kürzlich veröffentlichte Studie deutet darauf hin, dass die damalige Einschränkung des Zuckerkonsums nicht nur das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen senkte, sondern möglicherweise auch vor bestimmten Krebserkrankungen schützte. Die Ergebnisse unterstützen die heutigen Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation.

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Rationierung von Zucker senkt das Krebsrisiko nachweisbar

Während des Zweiten Weltkriegs und in den Jahren danach prägten Lebensmittelknappheit und strenge Rationierungen den Alltag der Menschen in Großbritannien. Was damals eine unmittelbare Folge des Krieges und der deutschen Angriffe war, könnte aus heutiger Sicht jedoch überraschende langfristige Auswirkungen auf die Gesundheit gehabt haben. Besonders Zucker war von 1940 bis 1953 nur begrenzt erhältlich, sodass Babys und Kleinkinder in dieser Zeit deutlich weniger davon zu sich nahmen.

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Eine neue Studie, über die „Science Alert“ berichtet, wertete die Gesundheitsdaten von 64.761 Menschen aus, die zwischen 1951 und 1956 im Vereinigten Königreich geboren wurden. Der Untersuchungszeitraum ist für die Forscher besonders interessant, weil er zwei unterschiedliche Phasen umfasst. So konnten sie den Gesundheitszustand im Erwachsenenalter von Menschen vergleichen, die ihre ersten 1.000 Tage von der Empfängnis bis zum Alter von zwei Jahren während der Zuckerrationierung verbrachten, mit jenen, die unmittelbar nach dem Ende der Einschränkungen geboren wurden.

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Die Gesundheitsökonomen Chen Zhu von der China Agricultural University und Weilong Zhang von der University of Cambridge stellten dabei deutliche Unterschiede beim späteren Krebsrisiko fest. Menschen, deren Zuckeraufnahme in den ersten Lebensjahren begrenzt war, erkrankten laut der Studie deutlich seltener an mehreren Krebsarten. Das Risiko für Leberkrebs lag demnach um 69 Prozent niedriger, während bei Prostatakrebs ein Rückgang von 52 Prozent, bei Lungenkrebs von 41 Prozent, bei Rektumkrebs von 40 Prozent und bei Brustkrebs von 36 Prozent festgestellt wurde.

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Langlebigkeit und gesündere Ernährung durch Zuckerverzicht

Die Studie förderte weitere überraschende Hinweise auf langfristige gesundheitliche Vorteile einer geringen Zuckeraufnahme in den ersten Lebensjahren zutage. Menschen, die während der Rationierungszeit aufwuchsen, wiesen tendenziell längere Telomere auf, die häufig mit einem langsameren biologischen Alterungsprozess und einer höheren Lebenserwartung in Verbindung gebracht werden. Nach Berechnungen der Forscher entsprach die Länge der schützenden Enden der Chromosomen einer um rund 2,2 Jahre geringeren biologischen Alterung. Dies könnte darauf hindeuten, dass sie im Laufe ihres Lebens langsamer alterten und insgesamt einen besseren Gesundheitszustand aufwiesen als die Teilnehmer ohne frühe Zuckerrationierung.

Auch das Ernährungsverhalten schien langfristig von den Erfahrungen der frühen Kindheit geprägt zu sein. Die Betroffenen nahmen ihr Leben lang weniger Zucker zu sich, bevorzugten kleinere Portionen und ernährten sich selbst fünf Jahrzehnte nach dem Ende der Rationierung gesünder und abwechslungsreicher. Offenbar könnte eine frühe Begrenzung von Zucker damit nicht nur biologische Prozesse beeinflussen, sondern auch dauerhaft das persönliche Essverhalten prägen.

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Die Wissenschaftler gehen von zwei möglichen Mechanismen aus. Zum einen könnte die Ernährung in der frühen Kindheit die Entwicklung von Stoffwechsel, Organen und Immunsystem langfristig beeinflussen. Zum anderen scheint eine früh entwickelte Vorliebe für weniger süße Lebensmittel über Jahrzehnte bestehen zu bleiben. Auch wenn es sich um eine Beobachtungsstudie handelt, sehen die Wissenschaftler in den Ergebnissen deutliche Hinweise auf einen möglichen ursächlichen Zusammenhang.

Bemerkenswert ist zudem, dass die damals unfreiwillig niedrige Zuckeraufnahme in Großbritannien ungefähr dem Niveau entspricht, das heute von der Weltgesundheitsorganisation empfohlen wird. Die historischen Erfahrungen könnten damit einen ungewöhnlichen Einblick in die langfristigen Folgen eines dauerhaft geringeren Zuckerkonsums liefern.