Stand: 08.08.2026, 13:00 Uhr
Kommentare
Campari will Aperol Spritz im Mittleren Westen der USA groß machen. In Europa wächst die Marke langsamer, nun soll Amerika stärker liefern.
München – Der orange Drink soll Amerika erobern – und zwar nicht nur die Küsten. Die Campari-Gruppe, Mutterkonzern der Kultmarke Aperol, will den Spritz nun gezielt in den zentralen US-Bundesstaaten verankern. Dort ist das pink-orange Phänomen bislang deutlich weniger bekannt als in New York, Los Angeles oder Miami.
Das Wachstum in Europa hat sich nach mehreren Boomjahren merklich verlangsamt. Deshalb muss der Konzern neue Märkte erschließen. Michele Costabile, Marketing-Professor an der Universität LUISS in Rom, sieht Campari dabei gut aufgestellt. Der Konzern habe den Spritz zum „Tiramisu der Cocktails“ gemacht – ein exportfähiges Produkt mit hohem Wiedererkennungswert.

Aperol Spritz soll in den USA weiter wachsen
Produziert wird das Getränk im norditalienischen Novi Ligure, zwischen Mailand und Genua. Dort laufen rund um die Uhr mehrere zehntausend Flaschen Aperol und Campari pro Stunde vom Band.
Was genau im Aperol steckt, bleibt Betriebsgeheimnis. Andrea Neri, Leiter der Aperitiv-Sparte des Konzerns, bringt es auf den Punkt: „Nicht einmal ich kenne es.“
Bekannt ist immerhin die Basis: Bitterorangen, Enzian und Rhabarber. Dazu kommt ein vergleichsweise moderater Alkoholgehalt von elf bis zwölf Prozent.
Damit positioniert sich Aperol zwischen Bier und klassischen Cocktails – stärker als ein Feierabendgetränk, aber zugänglicher als viele Drinks aus der Bar.
Aperol setzt auf Ritual vor dem Abendessen
Die Geschichte des Spritz reicht bis ins 19. Jahrhundert zurück. Österreichische Soldaten, die während der Besatzungszeit in Italien schlechten Wein tranken, streckten ihn mit kohlensäurehaltigem Mineralwasser – sie „spritzten“ ihn.
Als Campari die Marke Aperol 2003 übernahm, war deren Verbreitung noch auf das Dreieck Venedig-Padua-Treviso im Nordosten Italiens beschränkt.
Seither hat der Konzern den Drink schrittweise nach Deutschland, Österreich, Frankreich und Spanien getragen – stets mit der Beliebtheit italienischer Kultur im Rücken, wie Neri betont.
Heute macht Aperol fast ein Drittel des Gesamtumsatzes des Konzerns aus, gemessen am ersten Halbjahr 2026.
Europa wächst langsamer, Amerika soll liefern
Costabile zufolge erkannte Campari früher als die Konkurrenz, dass der Aperitif vor dem Abendessen zu einem einfachen, zugänglichen Ritual werden könnte.
Aperol bot dafür die richtigen Zutaten: ein unverwechselbares Aussehen, ein leicht nachzumachendes Rezept und eine Marktlücke zwischen Bier oder Wein auf der einen und komplizierten Cocktails auf der anderen Seite.
In den USA sind Ost- und Westküste bereits vertraut mit dem orangefarbenen Glas. Nun soll der Mittlere Westen folgen.
In den vergangenen vier Jahren war Aperol Sponsor des Musikfestivals Coachella in Kalifornien. Nach Angaben von Führungskräften des Unternehmens soll der Schwerpunkt der nächsten Kampagne auf dem Brunch am Wochenende liegen.
Aperol will vom Brunch-Trend profitieren
Für Campari ist diese Strategie naheliegend. Der Brunch gilt in den USA als sozialer Anlass, bei dem leichte alkoholische Getränke, Fototauglichkeit und Lifestyle eng zusammenkommen.
Genau dort passt Aperol Spritz hinein: auffällig in der Farbe, einfach zu servieren und eng verknüpft mit dem Versprechen italienischer Leichtigkeit. Nach Europa soll nun auch das amerikanische Binnenland lernen, dass ein Aperitif nicht kompliziert sein muss. (Quellen: Reuters, Campari, Universität LUISS Rom) (mare)