Stand: 14.09.2026, 14:34 Uhr
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Krypto-Milliardäre überschütten Nigel Farages Reform UK mit Millionen. Wer glaubt, das habe keinen Einfluss auf Politik, ist reichlich naiv. Ein Kommentar.
Was ist ein Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank? Dieses Brecht’sche Diktum gilt für die Welt der Kryptofinanzen mindestens so sehr wie für die der „Fiat-Währungen“, von der sie angeblich Befreiung verheißen. Das zeigt sich nun darin, dass sich zwei Milliardäre, deren Vermögen aus diesem Sektor stammt, Parteispenden in nie dagewesener Höhe an die britische extrem rechte Partei „Reform UK“ von Nigel Farage leisten können. Und wie bei der Einflussnahme von altbekannten kapitalistischen Magnaten auf die Politik liegt auch darin eine echte Gefahr für die Demokratie.
Denn einerseits liegt selbstverständlich der Verdacht nahe, dass „Reform UK“ die 72 Millionen Pfund nicht umsonst bekommt. Die ultrarechte Partei und ihre Multimillionen-Finanziers beteuern zwar, mit den exorbitanten Spenden seien keine politischen Gegenleistungen verbunden. Doch das erscheint vollkommen unglaubwürdig: Kaufen sich die Milliardäre damit nicht zumindest ein bisschen Platz in den Gedanken von Farage & Co.?
Aber einen Grund gibt es tatsächlich, diese Behauptung für nicht ganz abwegig zu halten: Farage ist ohnehin schon lange voll auf Linie seiner großzügigen Freunde, die schon seit vielen Jahren einen Großteil des Budgets der verschiedenen Gestalten seiner politischen Organisation stellen. Das macht die Sache aus demokratischer Sicht freilich kaum besser.
Außerdem ist mit Geld in anderer Weise zwangsläufig Einfluss verbunden: Die ultrarechte Partei kann sich damit Präsenz in Wahlkämpfen und auch der Zeit dazwischen verschaffen, medial wie im echten Leben. Dass sie es mit Regeln für den Einsatz von Parteimitteln nicht allzu genau nimmt, hat schon der Skandal um die Bereitschaft zu illegaler Parteienfinanzierung gezeigt, der erst vor wenigen Tagen durch eine Investigativrecherche aufgeflogen ist.
Aber vielleicht weist der Fall auch einen Weg dafür, wie die demokratische Zivilgesellschaft und politische Kräfte den Ultrarechten entgegentreten können, und das nicht nur in Großbritannien. Schon Farages jüngste politische und parlamentarische Schwierigkeiten im Zusammenhang mit zweifelhaften Zuwendungen von Kryptomilliardär Harborne haben ihm und „Reform UK“ politisch geschadet. Sie zeigen, dass viele politische Positionen und Gesten der Rechten geheuchelt sind – ebenso wie der Patriotismus von Brexit-Befürworter Harborne, der mitsamt seines Vermögens vornehmlich in Thailand residiert.
Es muss Teil der politischen Konfrontation mit der extremen Rechten sein, deutlich zu machen, dass sie den Interessen ihrer extrem reichen Verbündeten folgt, und nicht denen „normaler Menschen“. Und das gilt eben auch für Deutschland und die AfD, die, genau wie „Reform UK“, in den wenigen Jahren ihres Bestehens schließlich auch schon einige Parteispenden-Affären (und Millionen Euro) angehäuft hat.