Sie alle sind Carin Kreuzbergs Nachlass an ihre Heimatstadt Berlin: die schwatzenden Frauenfiguren aus Bronze im Park nahe dem Schloss Niederschönhausen, das Bildnis des mit der Grünanlage am Französischen Dom fast verwachsenen Romantikers E.T.A. Hoffmann, die Stele des Vormärz-Dichters Heinrich Heine an der Ecke Heinrich-Heine-Straße in Mitte (derzeit hinter einer Baustelle), die an der Antike geschulten sinnlichen „Grazien“ am Elisabethweg in Pankow. Und das „Liebespaar“ gegenüber dem Pankower Krankenhaus Maria Heimsuchung.
Denkwürdig sind die beiden anmutigen Mädchengestalten im Foyer des Pankower Hospizes mit dem Leben und Schaffen der Bildhauerin verbunden, die an diesem stillen Ort in der Nacht zum 12. September gestorben ist. Sie war 91 Jahre alt. Das teilte die mit ihr befreundete Familie des Wissenschaftlers John Erpenbeck der Berliner Zeitung mit.
Die Künstlerin hatte 2024 einen Unfall, war nach schweren Brüchen an ihre Wohnung im vierten Stock eines Mietshauses ohne Lift gefesselt und wurde seither ambulant gepflegt, zuletzt im genannten Hospiz.
Carin Kreuzberg: Frauengruppe im Park nahe Schloss Niederschönhausen, Bronze, 1980er-Jahre
© Archiv John Erpenbeck
Verinnerlichter Ausdruck
Typisch für ihren Stil sind, wie Carin Kreuzberg es selbst einmal anlässlich einer Ausstellung ihrer bronzenen Akt-Figuren sagte, „die knappen, überstrafften Formen mit fließenden Konturen“. Es ging ihr immer um einen verinnerlichten Ausdruck, um Gestaltzeichen für Harmonie.
Sie hatte eine Abneigung gegen alles Pathetische, Dramatisch-Heroische, Kämpferische, was zu ihrer Studienzeit – erst in den 1950-igern an der Dresdner Kunsthochschule bei Walter Arnold und Hans Steger, danach 1964/1966 an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee – und in der Bildkunst der frühen DDR meist gefordert war.
Carin Kreuzberg: „Liebespaar“, Bronze, undatiert
© Archiv John Erpenbeck
Graziös und lebensbejahend
Als Studentin von Heinrich Drake, dem Schöpfer des Zille-Denkmals im Köllnischen Park und vieler Tierplastiken, fand sie von diesem Meister die Bestätigung für ihren modern-reduzierten, poetischen, still-heiteren und lebensbejahenden Stil. Für das verhalten Heitere und Graziöse aus Bronze und Sandstein, fast nebensächlich platziert an (Ost-)Berliner Straßenecken, auf einer Parkwiese, unter Bäumen, und aufgestellt meist so, dass niemand sich fragt, wann diese graziösen, sympathischen Figuren dahingekommen sein mögen. Sie sind einfach da.
Kunst im öffentlichen Raum, also im städtischen Alltag, so sagte Carin Kreuzberg, sollte freundlich und unbeschwert und nie belehrend wirken. Das trifft auch zu auf alle ihre Kleinbronzen, nachgerade Kammerstücke des Lebens, die ihre Wohnung füllten oder sich in privaten Sammlungen befinden.
Die Bildhauerin Carin Kreuzberg (1935–2026) mit einer ihrer Sandstein-Skulpturen in einer Pankower Grünanlage
© Archiv John Erpenbeck
Lesen Sie mehr zum Thema