Doch Helfer oder Auftraggeber? Strom-Saboteur hatte 160 Anlagen im Visier

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Der mutmaßliche Strom-Saboteur Daniel V. hatte offenbar weit mehr Umspannwerke ins Visier genommen als bislang bekannt. Im Lkw des 48-jährigen Mannes aus Gevelsberg, der zu einem Wohnmobil umgebaut wurde, habe die Polizei ein Notizbuch mit mehreren handschriftlichen Vermerken zu Sabotagezielen an bundesweit rund 160 Orten gefunden, erklärte NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) am Donnerstag im Landtag.

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Allein in NRW seien über 40 professionell gebaute Abschussvorrichtungen gefunden worden, von denen aus mutmaßlich Gegenstände auf Stromleitungen geschossen werden sollten, um einen Blackout auszulösen. Solche Vorrichtungen waren bereits in Brandenburg, Bergheim, Dormagen, Köln und Eschweiler gefunden worden. Bei ersten Vernehmungen soll Daniel V. weitere Standorte genannt haben.

Herbert Reul: Hatte der mutmaßliche Strom-Saboteur doch Komplizen?

„Dass ein Täter über 160 dieser Vorrichtungen baut und in ganz Deutschland verteilt, lässt natürlich die Frage nach Komplizen zu“, sagte Reul. Man frage sich zudem, „ob er nicht doch von fremden Mächten angeheuert wurde“. Bislang gibt es dazu jedoch keine Erkenntnisse. Daniel V. gilt als Einzeltäter mit klimaextremistischer Motivation und möglicherweise psychischen Problemen. Der Generalbundesanwalt prüft eine mögliche Übernahme des Verfahrens, sofern sich Hinweise auf eine staatsgefährdende Straftat verdichten sollten.

Wir haben nicht nur den mutmaßlichen Täter der Anschläge gefasst, sondern damit womöglich immer weitere Anschläge verhindert.

Festnahme nach Sabotage am Stromnetz - Statement ReulHerbert Reul (CDU), NRW-Innenminister

„Wir haben nicht nur den mutmaßlichen Täter der Anschläge gefasst, sondern damit womöglich immer weitere Anschläge verhindert“, sagte der Innenminister und lobte die Festnahme des Tatverdächtigen am Dienstagmorgen durch zwei junge Autobahnpolizisten. Die Beamten seien gar nicht in die Fahndungsmaßnahmen eingebunden gewesen, die insgesamt 1700 Polizisten tagelang auf Trab gehalten hatten.

Die beiden Autobahnpolizisten hätten bei einer Routinefahrt „genau den richtigen Spürsinn gezeigt“, so Reul. Sie hätten Daniel V. und sein getarntes Zelt in der Nähe eines Feldwegs bei Weilerswist aufgespürt und die Festnahme mit vorgehaltener Waffe schulbuchmäßig durchgeführt.

NRW-Innenminister mahnt besseren Schutz der kritischen Infrastruktur an

Als Lehre aus den versuchten Sabotageakten mahnte der NRW-Innenminister einen besseren Schutz der kritischen Infrastruktur an: „Ein Zaun aus den Neunzigern schützt keine Netze des 21. Jahrhunderts.“ Betreiber von Anlagen müssten durch Bund und Länder in die Lage versetzt werden, besser auf Bedrohungen zu reagieren. Reul warf die Frage auf, ob die Videoüberwachung im Umfeld solcher Anlagen nicht großzügiger geregelt werden müsse. Auch die Abwehr von Drohnenangriffen und die Überwachung von Netzen durch Drohnenflüge will die Landesregierung grundsätzlich geklärt wissen. Die Abwägung mit Datenschutzvorgaben müsse neu vermessen werden: „Beim Schutz unserer kritischen Infrastruktur werden Transparenz einerseits und Datenschutz andererseits schnell zum Sicherheitsrisiko“, so Reul.