Im Norden
Drama um Buckelwal Timmy hat juristisches Nachspiel: Taucher will Millionen
Die Rettungsaktion endete mit dem Tod des Buckelwals. Jetzt streiten Beteiligte über die Kosten – und darüber, wer welche Zusagen gemacht hat.
Das Drama um Buckelwal Timmy ist noch immer nicht beendet. Ein Tauchunternehmer und die Mitfinanziererin der Rettung streiten sich um sehr viel Geld. Fred Babbel verklagt die Unternehmerin Karin Walter-Mommert auf rund 1,35 Millionen Euro. Das berichtet die „Ostsee-Zeitung“ und beruft sich dabei auf einen Sprecher des Landgerichts Schwerin.
Die Klage sei Anfang September eingegangen, bestätigte das Landgericht Schwerin der dpa. Babbel hat demnach etwa 23.000 Euro Gerichtskostenvorschuss gezahlt. Zunächst ist ein schriftliches Vorverfahren vorgesehen, in dem beide Seiten Stellung nehmen können. Eine mündliche Verhandlung könnte folgen, sofern sie sich nicht vorher einigen.
Buckelwal Timmy: Streit um Geld geht vor Gericht
Es geht bei dem Streit um eine offene Schlussrechnung. Babbel war im April mit einem Team aus Spezialisten auf der Insel Poel im Einsatz. Als technischer Dienstleister organisierte er laut dem Bericht unter anderem die Schlepper und den Lastkahn, mit denen der Wal in Richtung Nordsee transportiert wurde. Nach seinen Angaben stehen auch Zahlungen an Firmen aus, die er für die Aktion beauftragt hatte.
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Einen Teilbetrag hat Babbel nach eigenen Angaben bereits erhalten: Walter-Mommert habe während der Aktion 400.000 Euro gezahlt. „Die sind aber auch gleich wieder weitergegangen an die Schiffe und Barge“, sagte er der dpa. Bei anderen beteiligten Firmen sei er teilweise in Vorleistung gegangen.
Geldgeberin erhebt Vorwürfe gegen Tauchunternehmer
Die Unternehmerin Walter-Mommert will dem Bericht zufolge vorerst nicht zahlen. Sie wirft Babbel vor, Vorgaben des Bergungs- und Rettungskonzepts nicht eingehalten zu haben. Außerdem verlangt sie weitere Unterlagen zur Freilassung des Wals. Einen Vergleichsvorschlag habe sie abgelehnt.
Uneinigkeit gibt es offenbar auch zwischen den Geldgebern. Walter-Mommert hatte die private Rettungsinitiative gemeinsam mit Media-Markt-Mitgründer Walter Gunz unterstützt. Dieser ließ laut „Bild“ über seinen Anwalt erklären, von einer Kostenzusage gegenüber dem Ministerium nichts gewusst und ihr nicht zugestimmt zu haben. Babbel richtet seine Forderung allein gegen Walter-Mommert. Seine Begründung: Sie habe sein Angebot bestätigt.
Gunz beteiligte sich nach Angaben seines Anwalts freiwillig mit 300.000 Euro. Weitere Forderungen Walter-Mommerts werde er nicht bezahlen, da erhebliche Kosten ohne seine Zustimmung entstanden seien. Walter-Mommert erklärte hingegen gegenüber der dpa, sie stelle keine Forderungen mehr an Gunz. Für sie sei die Angelegenheit beendet.
Auch das Schweriner Umweltministerium verlangt Geld: rund 140.000 Euro, vor allem für den Personaleinsatz zur behördlichen Begleitung der Aktion. Das Ministerium beruft sich auf eine Erklärung der Initiative, sämtliche Kosten einschließlich der Behördeneinsätze zu übernehmen. Walter-Mommert erklärte gegenüber der dpa, sie habe die Forderung mangels Anspruchsgrundlage zurückgewiesen. Eine Rechnung sei bislang nicht gestellt worden.
Timmy starb nach der Freilassung
Walter-Mommert und Gunz hatten mit ihrer privat finanzierten Initiative versucht, den geschwächten Buckelwal wieder ins offene Meer zu bringen. Ende April begann der Transport auf dem Lastkahn. Am 2. Mai wurde das Tier bei Skagen freigelassen.
Die Hoffnung auf eine Rettung erfüllte sich nicht. Keine zwei Wochen später wurde der Wal vor der Insel Anholt bei Dänemark tot aufgefunden. Fachleute hatten seine Überlebenschance bereits vor der Freilassung als gering eingeschätzt. (ygk)