G7-Staaten geben Diesel- und Rohöl-Reserven frei

Ein Tanker hat an einer Ölraffinerie in Gelsenkirchen angelegt.

Stand: 02.10.2026 • 21:17 Uhr

Die G7-Staaten wollen angesichts der hohen Kraftstoffpreise Öl-Reserven freigeben. Die USA hatten zuvor Druck vor allem auf die europäischen G7-Mitglieder gemacht. Für US-Präsident Trump sind die hohen Preise innenpolitisch ein großes Problem.

Deutschland und die übrigen G7-Staaten haben sich angesichts der steigenden Kraftstoffpreise auf eine Nutzung von Öl-Notreserven geeinigt. Ab sofort und über vier Monate sollten 100 Millionen Barrel Rohöl und Diesel der im März beschlossenen Freigabe unter Koordination der Internationalen Energieagentur (IEA) tatsächlich freigegeben werden, wie die G7 in einer gemeinsamen Erklärung mitteilten.

100 Millionen Barrel entsprechen in etwa der Nachfrage an Rohöl, von der die IEA weltweit pro Tag ausgeht. Welches Land wie viele Barrel beisteuern soll, ist bisher nicht bekannt.

Ölpreis gibt nach

Zur Gruppe der G7-Staaten gehören Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Japan, Kanada und die USA. Sie hatten sich zuvor in einer Videoschalte beraten, an der auch Bundeskanzler Friedrich Merz teilnahm. Frankreich hat derzeit den Vorsitz der Gruppe.

Die Ölpreise gaben infolge dieser Ankündigung am Abend bereits deutlich nach. Der US-Ölpreis fiel zeitweise um bis zu fünf Prozent, der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent sank vorübergehend wieder unter 100 Dollar.

Exportstopp als Druckmittel

Angesichts der hohen Kraftstoffpreise hatten die USA die europäischen Länder zuletzt verstärkt gedrängt, ihre strategischen Diesel-Reserven freizugeben, um die Preise zu senken. Druckmittel war offenbar ein möglicher Exportstopp für Diesel aus den Vereinigten Staaten, für den US-Präsident Donald Trump sich zuvor ausgesprochen hatte. In der gemeinsamen Erklärung nach dem Gespräch unter den sieben Industrienationen hieß es nun, man wolle auf "Exportbeschränkungen für Energie und Energieprodukte zwischen den G7-Staaten" verzichten.

Die Kommission habe zwar "fast gebetsmühlenartig betont, man gebe nicht dem Druck aus Washington nach, sondern handle aus eigenen Interessen", so ARD-Korrespondentin Tina Hassel aus Brüssel. Aber die Drohung des US-Präsidenten, keinen Diesel mehr aus den USA nach Europa zu liefern, habe natürlich im Raum gestanden. "

Trump im Umfragetief

Spannend sei, dass sich in der Erklärung alle G7-Mitglieder verpflichten, auf Exportverbote zu verzichten - also auch die USA. "Wenn sich Trump an solche Erklärungen hält, dann wäre die Kuh erstmal vom Eis", so Hassel in der tagesschau.

Trump steht innenpolitisch unter Druck, denn die Treibstoffpreise sind auch in den USA in den vergangenen Wochen infolge des Iran-Kriegs erneut deutlich gestiegen - und Trumps Republikaner befinden sich rund einen Monat vor den Kongress-Zwischenwahlen in den USA im Umfragetief. Die USA hatten den Iran-Krieg zusammen mit Israel vor gut sechs Monaten begonnen.

USA richten Forderungen an Europa

US-Finanzminister Scott Bessent hatte gestern auf der Plattform X geschrieben, Europa solle zusätzliche Liefermengen unverzüglich bereitstellen. "Amerikanische Landwirte, Lkw-Fahrer und Unternehmen sollten nicht allein die Last einer weltweiten Diesel-Knappheit tragen müssen", schrieb er. "Wir erwarten von unseren Verbündeten, dass sie ihren Zusagen Taten folgen lassen."

In der Nacht auf Freitag hatte Trump mit Frankreichs Präsident Emmanuel Macron zu dem Thema telefoniert. Kurz vor der Ankündigung der Freigabe durch die G7-Länder schrieb er auf seiner Plattform Truth Social, Europa werde "eine gewaltige Menge seiner umfangreichen Diesel-Reserven freigeben".

Bundesregierung sieht "wichtiges Zeichen"

Die EU begrüßte die Entscheidung. "Unsere Bürgerinnen und Bürger brauchen und verdienen bezahlbare Energie", teilte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen mit.

Die Bundesregierung sieht in der Einigung der G7 auf die Freigabe von bis zu 100 Millionen Barrel Diesel und Rohöl ein "wichtiges Zeichen für die Handlungsfähigkeit und Geschlossenheit der G7". Die Maßnahme sei ein "substantieller Impuls, um die Versorgungslage und das Marktgeschehen zu stabilisieren", schrieb die Nachrichtenagentur AFP unter Bezug auf Regierungskreise.

Die Entscheidung knüpfe demnach an die im März von der IEA vereinbarte Freigabe an. Ziel sei nun eine breite Beteiligung aller IEA-Partnerländer. Zugleich seien noch genügend weitere Reserven vorhanden, um bei Bedarf die Versorgungssicherheit weiter zu gewährleisten.

Erste Freigabe bereits im März beschlossen

Um auf Krisen vorbereitet zu sein, müssen alle 32 IEA-Mitglieder von Österreich bis Südkorea Notreserven anlegen. Seit Gründung der IEA 1974 gab es sechs koordinierte Freigaben: vor dem zweiten Golfkrieg 1991, nach den Hurrikans Katrina und Rita 2005, während des Bürgerkriegs in Libyen 2011 und zweimal nach dem russischen Angriff auf die Ukraine 2022.

Im März hatten die Mitgliedstaaten der IEA dann eine koordinierte Freigabe von Ölreserven vereinbart, um den durch den Iran-Krieg ausgelösten Preisanstieg abzufedern. Es war die größte Freigabe in der mehr als 50-jährigen Geschichte der IEA. Nach Angaben von IEA-Chef Fatih Birol ist etwa ein Drittel davon noch nicht auf den Markt gekommen.