Drei neue Wiener Würstelstände im Test

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Drei neue Wiener Würstelstände im Test

Der Würstel Pavillon, Alles Wurscht am Naschmarkt und Collina am Kanal versorgen die Wienerinnen und Wiener neuerdings mit Käsekrainer, Bosna und Co. Wie schmeckt's?

Kevin Recher

Würstelstand Wien Test
Käsekrainer mit Senf und Semmel, ein Klassiker beim Wiener Würstelstand.

Die Wiener Würstelstände sind eine Institution der Stadt. Trotz Konkurrenz von Kebab-Läden und Fast-Food-Ketten erfreuen sie sich bei Einheimischen wie Touristinnen großer Beliebtheit. Das zeigt sich auch an gleich drei Neueröffnungen in diesem Sommer: In Schönbrunn hat der Würstel Pavillon eröffnet, in der Naschmarkthalle hat sich der bekannte Stand Alles Wurscht für ein Pop-up eingemietet und sogar am Donaukanal gibt es jetzt Wiener Würstelklassiker und mehr noch bei Collina am Kanal. Wir haben uns durch das klassische wie ausgefallene Sortiment probiert.

Würstel Pavillon

Ganz neu geöffnet und ein wenig versteckt ist der Würstelpavillon beim Hietzinger Tor. Anstatt beim Schlosspark Schönbrunn einzukehren, geht man ein paar Schritte weiter und findet sich, etwas unsexy, am Parkplatz zwischen Polizeistation und öffentlichem Klo wieder. Aber das soll nicht abschrecken, eher ist es hilfreich, wenn die Laufkundschaft auf der Suche nach ihren Autos oder stillen Örtchen am Standl vorbeigeht und sich spontan denkt: A Wirschtl wär jetzt net schlecht.

Würstelstand Wien Test
Versteckt hinter dem Osteingang zum Schloßpark Schönbrunn: Der Würstel Pavillon.

Ebenda, in einem alten, kioskähnlichen Türmchen, brät Patricia Pölzl Käsekrainer und Bratwürstel von der Fleischerei Ferdinand Wild aus dem Gaweinstal. Es ist bereits ihr zweiter Würstelstand, am Zentralfriedhof betreibt sie den Stand Eh scho wuascht. Etwas kleiner fällt das Angebot hier aus Platzgründen aus, man konzentriert sich auf die Klassiker. Und die sind, wie im Fall der Käsekrainer, richtig gut: ungemein knackige, dicke Haut, innen schön heiß, käsig, schlatzig. Bestes einfach.

Würstelstand Wien Test
Currywurst beim Würstel Pavillon.

Viele Kunden werden beim Bestellen mit einem "Dauert ein bisschen, die Würstel werden frisch gemacht" vertröstet. Auch auf Denglisch, wenn die Touristen das kleine Standl entdecken und erst einmal erklärt bekommen wollen, welche Würstel es gibt, was die ausmacht und ob man lieber Ketchup, scharfen oder süßen Senf dazu hätte. Ich selbst hätte das Würstelvokabular nicht drauf, also: Chapeau.

Auch die Currywurst ist gut, aber an der Sauce dürfte man noch werkeln. Die ist pickig wie ein Sirup und auch so süß, dafür im Abgang richtig scharf. Und danach darf es ein Verdauungsspaziergang durch den Schloßpark sein.

Angebot und Preis: Frankfurter um 4,90 €, Burenwurst, Käsekrainer, Bratwürstel und Waldviertler gibt es um je 5,90 €, Currywurst kostet 6,50 €, Hot Dogs starten bei 4,90 €, je nach Wurst; Cola, Almdudler und Eistee um je 3,60 €, großes Dosenbier um 4,10 €, Spritzer in der Flasche 3,90 €.

Wo und wann? Am Platz 9, 1130 Wien, derzeit geöffnet DO bis SO von 11 bis 19 Uhr; instagram.com/wuerstel.pavillon/

Brutal am Markt x Alles Wurscht

An und für sich mag ich die Naschmarkthalle ja, aber unter der Woche nach der Arbeit ist sie einer der deprimierendsten Orte der Stadt. Die Mitarbeiter der Stände langweilen sich zu Tode und starren in ihre Handys, Einheimische verirren sich kaum hierher und die Touris wirken auch eher abgeturnt von der Tristesse. Es kommt hier keine Würstelstand-Stimmung auf – und das gehört schon zur Qualität einer guten Käsekrainer. Man braucht das gache Herumstehen, das von einem Bein aufs andere stellen zwecks der Gemütlichkeit, das Wurln der Menschen, die Abgase der frischen Wiener Luft für die Full Experience. Die hat man hier nicht. Was schade ist, weil die Würstel wirklich gut sind.

Das überrascht nicht: Hier sind die Macher von Alles Wurscht am Werk, die mit ihrem Standl am Börseplatz zu den besten der Stadt gehören. Gemeinsam mit den Brutal-Boys (die machen das Bistro Fantasy und Florida) macht man als Pop-up gemeinsame Sache und bringt die Würstel vom ersten Bezirk zum Naschmarkt.

Zur Käsekrainer gibt's getoastetes Schwarzbrot, gut, warm und knusprig, die Wurst selbst ist schön knackig und der Käse schlatzig, wie es sein muss. Eine Spur wärmer hätte sie ruhig sein dürfen. Dafür ist die Bosna in einer Variante mit Senf und Röstzwiebeln überirdisch gut gelungen: Das flaumige Baguette ist kross angetoastet, aber derart auf den Punkt, dass es nicht zum trockenen Bröselteppich verkommt. Man beißt in keinen weichen Gatsch, auch dank der süßlich-umamigen Röstzwiebeln, die noch extra Crunch beisteuern. Mein Favorit im Test.

Würstelstand Wien Test
Käsekrainer und Bosna mit Zwiebel und Röstzwiebel bei Alles Wurscht.

Angebot und Preis: Frankfurter gibt es um 5,70 €, Debreziner und Bratwurst um 5,80 €, Käsekrainer um 6,90 €; Hot Dogs von 6,10 € bis 7,10 €, je nach Wurst, vegane Bosna oder Currywurst um 7,30 € bzw. 8,10 €; Bosna mit unterschiedlichen Füllungen startet bei 6,20 €; andere Speisen wie Calamari Fritti oder Beef Tartare um 12,90 €; Spritzer um 4,50 €, großes Bier 4,90 €, Cola 3,80 €

Wo und wann? In der Naschmarkthalle, Stand Brutal am Markt, 1060 Wien, MO bis SA von 10 bis 20 Uhr, noch bis Ende August; instagram.com/brutalammarkt & instagram.com/alles.wurscht

Würstel am Kanal by Collina

Witzig, dass es gerade am Donaukanal noch keinen Würstelstand gibt. Levantische Küche, Tacos, Pizzaschnitten und vieles andere findet man dort kulinarisch, aber Würstel waren bisher offenbar nicht gefragt genug. Das hat sich heuer geändert. Seit dem Frühsommer gibt es das Standl "Würstel am Kanal by Collina" auf der Seite des zweiten Bezirks, zwischen Salztorbrücke und Augartenbrücke.

Verantwortlich sind die Macher des Collina am Berg – und die hinterlassen auch bei den Würsteln ihre Spuren: Bratwurst und Käsekrainer gibt es mit Wild. Das Mutterlokal am Spittelberg tischt schließlich gerne Reh und Wildschnitzel auf. Muss man mögen, aber Klassiker werden natürlich auch gebraten, eh klar. Und wer sich an Neues wagen möchte, ist hier ebenfalls gut beraten: Da wird eine Käsekrainer-Version des galligen Philly Cheese Sandwich zubereitet und die Bratwurst in ein vietnamesisches Banh Mi verwandelt.

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Käsekrainer mit Senf und Kren (ohne Gebäck), und die Banh-mi-Bratwurst bei Collina am Kanal.

"Das ist unser Signature-Gericht", sagt der Gen-Z-Mitarbeiter, der hier ganz unironisch "Pump Up the Jam" und andere 90er-Pop-Hits spielt. Es kommt in einem süßen, flaumig weichen Baguette-Sandwich daher, das eine Spur länger getoastet etwas mehr Textur in das Würstel-Experiment gebracht hätte. Insgesamt kann es aber was: Die Hoisin-Mayonnaise ergibt gemeinsam mit Karotte und fettiger Wurst eine saftig-süßliche Kombination. Persönlich hätte noch mehr Koriander reingehört, wegen der Frische warats – aber Koriander ist ja ein schwieriges kulinarisches Thema.

Die klassische Käsekrainer ist tadellos, mit ein paar sehr krossen Stellen (geil!) und leicht rauchigen Noten. Dafür – und das ist bei einem Preis von sieben Euro schon ein bisserl frech – ist kein Gebäck dabei. Brot und Semmel kosten extra zwei Euro. Möglicherweise wurde es aber auch einfach vergessen. "Pump Up the Jam" ist halt auch ein guter Song, der würde auch mich ablenken.

Angebot und Preis: Von Klassikern bis ausgefallenere Kreationen; Käsekrainer und Bosna gibt es um 7 €, Frankfurter um 5 €, vegane Wurst um 6 €, Wildversionen von Bratwurst und Käsekrainer um 7 €, Hot Dogs starten bei 6,50 €; Brot und Semmel kosten extra 2 €; Spritzer und Limos wie Frucade um 4,90 €, Aperol um 7,90 €

Wo und wann? Donaukanal, Auf der Donaukanalpromenade, Ob. Donaustraße 83, 1020 Wien, MO bis FR 16 bis 00 Uhr, SA 12-00 Uhr, SO 12-22 Uhr, noch bis Ende September; collina.wien

Würstelstand Wien Test
Würstelstandl mit Blick auf den Donaukanal.

(Kevin Recher, 22.8.2026)

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