Eichenschule plant Lernzeitstunden ohne Klassenverband

Stand: 21.07.2026, 06:30 Uhr

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An der Eichenschule soll ab dem Schuljahr 2027/2028 ein neues pädagogisches Konzept für die Sekundarstufe I eingeführt werden.

An der Eichenschule soll ab dem Schuljahr 2027/2028 ein neues pädagogisches Konzept für die Sekundarstufe I eingeführt werden. © Tom Kreib

Das Gymnasium möchte ab dem kommenden Schuljahr ein neues pädagogisches Konzept einführen. Schüler bearbeiten dann selbstständig Aufgaben in jahrgangsübergreifenden Gruppen.

Scheeßel – Wenn an der Eichenschule in Scheeßel die Türen nach den Sommerferien wieder aufgehen, ist fast alles so wie im Schuljahr zuvor. Das wird im kommenden Jahr anders sein. Denn: Am Gymnasium in Scheeßel ist eine pädagogische Neuausrichtung der Sekundarstufe I geplant. Über die Inhalte will Schulleiter Christian Birnbaum erst öffentlich reden, wenn die Gesamtkonferenz das Reformpaket abgesegnet hat. Das soll zu Anfang des neuen Schuljahres geschehen.

Der Entwurf des neuen pädagogischen Konzepts liegt der Mediengruppe Kreiszeitung vor: Ziel ist es, neben fachlichem Wissen insbesondere Selbstständigkeit, Eigenverantwortung, Teamfähigkeit, Problemlösekompetenz und kritisches Denken zu fördern. Lernen wird als aktiver Prozess verstanden, bei dem die Schülerinnen und Schüler schrittweise mehr Verantwortung für ihren Lernweg übernehmen.

Das Nachdenken über Veränderungen gebe es schon länger, sagt Birnbaum. Der Reformprozess sei vor anderthalb Jahren in Gang gesetzt worden. Gründe dafür liegen unter anderem in einem veränderten Lern- und Konzentrationsverhalten der Schüler. „Sie haben teilweise weniger Selbstwirksamkeit“, so der Schulleiter. Eine wachsende Minderheit habe Probleme beim Lernen. „Wir als Schule müssen aber alle im Blick haben.“

Ein erster Überblick über die Reform: Kern des Konzepts sind wöchentlich neun Lernzeitstunden, die nicht im Klassenverband, sondern jahrgangs- und klassenübergreifend stattfinden. Die Lernenden bearbeiten dabei selbstständig Aufgaben aus sogenannten Lernplänen, die jeweils für eine fünfwöchige Lernphase erstellt werden. Die Lernziele und Aufgaben sind verbindlich, die Schülerinnen und Schüler entscheiden jedoch innerhalb vorgegebener Rahmenbedingungen selbst, wann, wo, mit wem und bei welcher Lehrkraft sie arbeiten. Der reguläre Unterricht bleibt bestehen; ein Teil der Unterrichtszeit einzelner Fächer wird lediglich organisatorisch in Lernzeiten verlagert.

Wir als Schule müssen aber alle im Blick haben.

Die Lehrkräfte übernehmen verstärkt die Rolle von Lernbegleitern. Sie erstellen Lernpläne, beraten individuell und unterstützen bei Lernprozessen. Die Schülerinnen und Schüler planen und dokumentieren ihre Arbeit mithilfe eines Lernzeitplaners, reflektieren ihre Fortschritte und holen sich bei Bedarf Unterstützung.

Um unterschiedliche Fähigkeiten zur Selbstorganisation zu berücksichtigen, wird ein Graduierungssystem eingeführt. Alle Schülerinnen und Schüler starten mit dem Status „Grün“, der freie Wahl von Arbeitsraum und Sozialform ermöglicht. Der Status „Gelb“ bedeutet eine stärkere Bindung an die Fachlehrkraft und mehr Begleitung. Besonders selbstständige Lernende können den Status „Blau“ erhalten und auch außerhalb von Unterrichtsräumen selbstständig arbeiten. Statuswechsel erfolgen als pädagogische Maßnahme und orientieren sich am Grad der Selbstorganisation und Verlässlichkeit.

Die Anwesenheit während der Lernzeiten wird digital über eine eigens entwickelte QR-Code-App erfasst. Diese dokumentiert Aufenthaltsorte, Statusstufen und besondere Beobachtungen. Zudem können wichtige medizinische Informationen hinterlegt werden.

Das Schuljahr wird in Lernphasen von jeweils fünf Wochen gegliedert. Die Lernpläne enthalten Unterrichtsinhalte, selbstständig zu bearbeitende Aufgaben sowie die zu erreichenden Kompetenzen. Leistungsüberprüfungen orientieren sich an diesen Kompetenzen. Lernzeiten dienen sowohl der Übung und Vertiefung als auch dem entdeckenden und kreativen Lernen. Individuelle Förderung, Unterstützung bei Lernschwierigkeiten sowie Angebote für leistungsstarke Lernende werden erleichtert.

Die Arbeit in den Lernzeiten basiert auf klaren Regeln bezüglich Verantwortung, Kooperation, Materialnutzung und Arbeitsatmosphäre. Lernzeitaufgaben sind verbindlicher Bestandteil des Unterrichts und fließen in die Leistungsbewertung ein. Eine lernförderliche Feedbackkultur mit Selbst- und Fremdrückmeldungen soll die Selbstreflexion stärken.

Für Schulleiter Birnbaum ist es wichtig, dass die Neuausrichtung auf breiter Basis diskutiert worden ist – auch kontrovers, wie er sagt. Veränderungen würden immer auch zu kritischen Stimmen führen. Was sich absolut nicht verändern wird: „Unser gymnasialer Anspruch.“ Auch das, was die Eichenschule über den normalen Unterricht hinaus auszeichnet, etwa das darstellende Spiel auf sehr hohem Niveau, bleibt Teil des Profils.