Harald Fidler
Eine letzte Chance für den ORF
Wer einen unabhängigen Rundfunk sichern will, muss die eigenen Einflussmöglichkeiten kappen
Harald Fidler
Dienstag bestellen die ORF-Stiftungsräte nach dem ORF-General die zweite Führungsebene für Österreichs größten Medienkonzern. Für einen Medienkonzern, der laut Gesetz und Verfassungsbestimmung dazu da ist, alle Menschen in Österreich umfassend, vielfältig und wahrheitsgetreu zu informieren, zu bilden und unterhalten. Einen Medienkonzern, für den praktisch alle Beitrag zahlen müssen.
Der nächste ORF-Alleingeschäftsführer Clemens Pig wird den Stiftungsräten erklären, er habe mit Personalberatern aus Deutschland und der Schweiz die Bestgeeigneten aus 142 Bewerbungen ausgesucht, im politisch unabhängigsten Verfahren der ORF-Geschichte.
Pig und seine 13 Direktorinnen und Direktoren werden beides ab 1. Jänner unter Beweis stellen müssen: Können und Unabhängigkeit in der Praxis von Österreichs reichweitenstärkstem Medium. Unter verschärftem Spardruck, unter politischen Erwartungen und unter massivem Druck der größten Partei im Nationalrat – die FPÖ will den ORF zusammenstutzen, aus dem Bundesbudget finanzieren und, wie Chats freiheitlicher Regierungsbeteiligung offenlegten, doch vor allem nach ihren Vorstellungen besetzen. Die ORF-Führung wird bis 2031 bestellt, 2029 steht die nächste Nationalratswahl an.
Die Regierung hat angekündigt, den ORF mit einem neuen Gesetz schlanker, bürgernäher, unabhängiger zu machen. Es ist wohl die letzte Chance, den ORF abzusichern. Das geht aber nur, wenn man schon eigenen Einfluss und die Möglichkeiten dafür kappt. (Harald Fidler, 11.82026)
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