Ernteausfälle durch Hitze Rainer sieht "Krise von nationaler Tragweite"
Stand: 02.09.2026 • 20:30 Uhr
Die durch Hitze und Trockenheit geschmälerte Ernte ist laut Bundesagrarminister Rainer eine "herbe Enttäuschung" für viele Landwirte. Der CSU-Politiker kündigte Hilfen für die betroffenen Betriebe an.
Angesichts der durch Hitze und Dürre beeinträchtigten Ernte sieht Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer eine "Krise von nationaler Tragweite". Die diesjährige Ernte sei für viele Landwirtschaftsfamilien eine "herbe Enttäuschung", sagte der CSU-Politiker bei der Vorstellung des Ernteberichts seines Ministeriums.
Rainer versprach den Landwirten Hilfe. Es sollen zwei Liquiditätsprogramme aufgelegt werden, mit denen Bauern ohne bürokratischen Aufwand Darlehen zu niedrigen Zinsen erhalten sollen. Das Soforthilfeprogramm der Landwirtschaftlichen Rentenbank soll im kommenden Jahr um 300 Millionen Euro auf insgesamt 500 Millionen Euro aufgestockt werden. Ein weiteres Liquiditätsprogramm ist laut Ministerium in der Absprache mit dem Finanzministerium.
Kein "Schadensereignis von nationalem Ausmaß" ausgerufen
Von Ernteeinbußen betroffene Betriebe können außerdem eine Stundung ihrer Sozialversicherungsbeiträge beantragen, fällige Pachtraten im Notfall aufschieben und die Tilgung von laufenden Rentenbank-Darlehen aussetzen.
"Wenn die Substanz unserer Betriebe dauerhaft gefährdet ist, dürfen wir nicht einfach zur Tagesordnung übergehen", betonte Rainer. Zudem soll es unter anderem steuerliche Erleichterungen und EU-Düngemittelhilfen in Höhe von 60 Millionen Euro geben. Außerdem kündigte Rainer an, die Direktzahlungen an die deutsche Landwirtschaft im kommenden Jahr einmalig auf 700 Millionen Euro zu erhöhen.
Ein formales "Schadensereignis von nationalem Ausmaß" wie bei der Dürre 2018 oder dem Hochwasser 2021 rief der Minister aber nicht aus. Das hätte die Bereitstellung weiterer Bundeshilfen ermöglicht.
Bauernverband dringt auf Hilfen vor dem Herbst
Aus Sicht des Bauernverbandes reichen die angekündigten Hilfen nicht aus. "Die Betriebe brauchen kurzfristig liquide Mittel im Herbst, um die nächste Ernte zu finanzieren", sagte Generalsekretärin Stefanie Sabet. Außerdem müssten die Düngemittelhilfen von 60 Millionen auf 180 Millionen Euro aufgestockt werden, forderte sie. Die 80 Prozent der zugesagten Direktzahlungen müssten zudem schon vorzeitig im Oktober fließen.
Die diesjährige Getreideernte liegt mit 37,4 Millionen Tonnen um 7,3 Prozent unter dem Vorjahreswert, beim Winterweizen bei minus 10,4 Prozent und beim Raps bei minus 11,5 Prozent. Im größten Rapsanbauland Mecklenburg-Vorpommern sanken die Hektarerträge sogar um rund 25 Prozent. Besonders negativ wirkte sich die massive Trockenheit auf die Maisernte aus: Die erwartete Erntemenge liegt hier 16 Prozent unter dem Schnitt, der Ertrag pro Hektar sackt sogar um 24,2 Prozent ab.
Dazu kommen steigende Produktionskosten - vor allem bedingt durch die Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten - bei gleichzeitig sinkenden Erzeugerpreisen. Die Landwirtschaft stehe deshalb vor "multifaktoriellen Herausforderungen", sagte Rainer: "Es geht um die wirtschaftliche Existenz unserer Betriebe."