Publiziert2. September 2026, 20:30
Bei ErmittlungenSchiesserei zwischen ukrainischen Geheimdiensten: Das ist bekannt
Am Mittwochmorgen schossen Gruppen zweier ukrainischer Geheimdienste aufeinander. Auslöser war das mysteriöse Verschwinden eines russischen Oppositionsführers.

Darum gehts
- In der Ukraine sind zwei Geheimdienste – HUR und SBU – bei Ermittlungen aneinandergeraten und haben aufeinander geschossen.
- Auslöser war offenbar das Verschwinden von Stepan Kaplunov, stellvertretender Kommandeur des Russischen Freiwilligenkorps (RVC).
- Drei Personen wurden verletzt, zwei davon schwer. Präsident Selenski hat die Leiter beider Behörden zur Rede gestellt.
Ein russischer Oppositionsführer besucht die Ukraine für die Feierlichkeiten des Unabhängigkeitstags des Landes. Dann verschwindet er. Zwei verschiedene ukrainische Geheimdienste untersuchen den Fall. Plötzlich fangen sie an, aufeinander zu schiessen.
Es gibt drei Verletzte, zwei davon schwer. Die Schiesserei ereignete sich am Mittwochmorgen in Kiew. Was genau passiert ist, ist Gegenstand von Ermittlungen. Ukrainische Medien versuchen derweil, einen Überblick zu schaffen.
Wer war an der Schiesserei beteiligt?
HUR ist der führende Militärgeheimdienst der Ukraine. SBU ist die wichtigste Behörde für innere Sicherheit des Landes und ist für die Spionageabwehr sowie die Bekämpfung der organisierten Kriminalität und des Terrorismus zuständig. Laut übereinstimmenden Medienberichten und nach Angaben der Generalstaatsanwaltschaft der Ukraine soll die SBU während einer Ermittlung von einer Gruppe bewaffneter Männer angegriffen worden sein. Wie sich später herausstellte, waren diese Männer Mitglieder von HUR.
Was wurde ermittelt?
Die beiden Geheimdienste haben offenbar gemeinsam wegen eines mutmasslichen russischen Terroranschlags auf eine russische Oppositionspersönlichkeit ermittelt, wie die SBU angab. Das unabhängige russische Medium «Astra» berichtete, dass HUR seine entsprechende Ankündigung inzwischen entfernt habe.
«Kyiv Independent» berichtet, dass es um Stepan Kaplunov ging. Kaplunov ist stellvertretender Kommandeur des Russischen Freiwilligenkorps (RVC), das an der Seite Kiews im Krieg gegen Russland kämpft.
Kaplunov wurde «von Unbekannten im Innenhof seines Hauses entführt», wie der RVC am 1. September auf Telegram vermeldete. Am Mittwochmorgen, bevor Berichte über die Schiesserei bekannt wurden, gab die SBU bekannt, dass der mutmassliche Anschlagsplan vereitelt worden sei.
Der Anwalt von Kaplunov wies die Darstellung der SBU zurück. Er bezeichnet die Entführung als «aussergerichtliche Inhaftierung» und nennt die SBU-Darstellung einen Versuch, diese zu rechtfertigen.
Wie ist die Schiesserei abgelaufen?
«Bei einer Durchsuchung an einer der Adressen verübte eine Gruppe von Personen einen bewaffneten Angriff auf die Einsatz- und Ermittlungsgruppe der SBU», heisst es in der Erklärung der SBU.
«Sie versuchten, die Durchführung von Ermittlungsmassnahmen zu verhindern, und versperrten den Strafverfolgungsbeamten mit ihren Autos den Weg», heisst es weiter.
Nach Angaben der Behörde wurde daraufhin die Spezialeinheit «Alpha» der SBU entsandt, um ihren Kollegen zu Hilfe zu kommen. «Ukrainska Pravda» berichtete, dass Beamte des Staatlichen Ermittlungsbüros (DBR) an den Tatort geschickt wurden, um einzugreifen. Sie veranlassten beide Seiten, ihre Waffen zu entladen. Die Angreifer wurden festgenommen.
Gab es Verletzte?
Wie Ukrainska Pravda berichtet, gab es drei Verletzte bei der Schiesserei. «Einem wurde ins Bein geschossen, wobei eine Arterie durchtrennt wurde, und er verblutete fast. Er befindet sich in einem Krankenhaus in sehr kritischem Zustand. Der zweite befindet sich ebenfalls in kritischem Zustand im Krankenhaus. Der dritte ist leichter verletzt», erklärte der Anwalt von Kaplunov gegenüber der Zeitung.
Wie geht es weiter?
Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski habe laut Kaplunovs Anwalt die Leiter beider Behörden «zur Rede gestellt» und ihnen befohlen, die Öffentlichkeit über die Geschehnisse zu informieren. Der Leiter des Präsidialamtes, Kirilo Budanow, forderte eine «gründliche und unparteiische Untersuchung» der Geschehnisse.

Simon Misteli (sim), Jahrgang 1995, arbeitet seit 2024 als Redaktor am Newsdesk. Dabei schreibt er über verschiedenste Themen mit einem Fokus auf Auslandsgeschichten.
Deine Meinung zählt