Die Kryptobörse Bitpanda verliert ihren CEO, beim Onlinebroker Flatex zerfasert der Aufsichtsrat und die Deutsche Bank erkauft sich einen teuren Frieden: Das und vieles mehr in unserem wöchentlichen Newsletter „Finance Briefing“.
16.09.2026, 06.57 Uhr
Liebe Leserin, lieber Leser,
Topbanker Vytautas Danta steht eine äußerst stressige Woche bevor. Der Chief Compliance Officer der Revolut Bank muss erklären, warum sein Geldhaus auf eine gefälschte Behördenanfrage aus Italien hereinfiel. Cyberkriminelle hatten sich anscheinend mit einer authentisch wirkenden E-Mail-Adresse einer Regierungsbehörde an Revolut gewandt und Kundennamen, Kontakt- und Überweisungsdaten sowie Kopien von Ausweisdokumenten angefordert. Und offenbar in rund 700 Fällen eine Antwort bekommen. „Die Systeme von Revolut sowie die Gelder unserer Kunden sind davon nicht betroffen“, betont das Unternehmen. Trotzdem könnte der Schaden teuer werden. Die mutmaßlichen Angreifer erpressen das Fintech nämlich mit angeblichen Selfies aus dem Identitätscheck-Verfahren. Es droht der wohl größte Reputationsschaden in der bisherigen Firmengeschichte.
Apropos Schadensbegrenzung: Auch bei der Deutschen Bank spielt sich hinter den Kulissen gerade ein teures Drama ab – womit wir bei unseren Themen des Tages wären:
Topstory: Die Details zum Santorini-Vergleich
Exklusiv: DWS sondiert Notoptionen für offene Immobilienfonds
Toppersonalien bei Bitpanda und Flatex
Topstory: Die teure Santorini-Rechnung der Deutschen Bank
Erster Kläger: Knapp eine Woche vor seinem Verhandlungstermin einigte sich Dario Schiraldi mit seinem Ex-Arbeitgeber auf einen Vergleich
Foto:
Natalie Naccache / manager magazin
Der Italiener Dario Schiraldi (51), einst einer der bestbezahlten Investmentbanker der Deutschen Bank, hatte seinen Ex-Arbeitgeber im Frühjahr 2024 bekanntlich auf Schadensersatz im sogenannten Santorini-Komplex verklagt: Schwindelerregende 152 Millionen Euro für entgangene Gehälter und Boni wollte er haben (hier könnt ihr die Hintergründe des auch persönlichen Rachefeldzugs noch einmal in aller Schönheit nachlesen ). Der Showdown vor Gericht fiel allerdings aus. Sechs Tage vor dem Prozesstermin hat man sich außergerichtlich geeinigt. Wie viel Geld dabei floss und warum der ganze Santorini-Ärger für die Bank am Ende viel teurer werden könnte als bei einem möglichen früheren Friedensversuch, hat meine Kollegin Katharina Slodczyk exklusiv herausgefunden .
Exklusiv: DWS spielt Notoptionen durch
Crunchtime: Die Immobilienfondskrise bringt DWS-Chef Stefan Hoops unter Druck
Foto:
Betty Laura Zapata / Bloomberg / Getty Images
Seit Monaten kämpft die Deutsche-Bank-Fondstochter DWS unter ihrem Chef Stefan Hoops (46) mit massiven Mittelabflüssen bei ihren offenen Immobilienfonds, die in einem schwierigen Marktumfeld leider Verkäufe von Fondsobjekten erzwingen. Keine schöne Situation, weswegen man sich bei der DWS aktuell wohl für ein verschärftes Krisenszenario wappnet. Meine beiden Frankfurter Kollegen Hannes Breustedt und Katharina Slodczyk haben nach diversen Gesprächen in informierten Kreisen herausgefunden: Intern würden gerade Notfalloptionen diskutiert. Dabei werde auch erwogen, die Rücknahme von Fondsanteilen einzuschränken. Die Details lest ihr hier.
Köpfe: Eric Demuth ++ Lukas Enzersdorfer-Konrad ++ Lukas Zörner ++ Reid Hoffman ++ Hans-Hermann Lotter ++ Martina Pfeifer
Abtrünnig: Bitpanda-Chef Lukas Enzersdorfer-Konrad wechselt zum Bankkonzern Erste Group
Foto: Bitpanda
Eric Demuth (39) muss einen neuen CEO für Bitpanda finden. Der Gründer und Verwaltungsratsvorsitzende hatte die Führung der Kryptobörse erst vor gut zehn Monaten an seinen langjährigen Vertrauten Lukas Enzersdorfer-Konrad (35) übergeben. Doch der haut nun zum österreichischen Bankkonzern Erste Group ab. Bis zu seinem Ausscheiden im ersten Quartal 2027 soll er Bitpanda gemeinsam mit Mitgründer Christian Trummer in einer Doppelspitze führen, aber die Suche nach einem Ersatz läuft.
Lukas Zörner (33), Mitgründer und CEO des Berliner Fintechs Integral, gewinnt LinkedIn-Gründer Reid Hoffman (59) und Mosaic Ventures als neue Investoren. Im Rahmen eine Serie-A-Finanzierung kamen insgesamt 18 Millionen Euro zusammen. Die Bestandsinvestoren Cherry Ventures, General Catalyst und Puzzle Ventures zogen ebenfalls mit. Integral baut KI-getriebene Software für Buchhaltung, Steuern und Lohnabrechnung.
Hans-Hermann Lotter (61), Chefaufseher des Frankfurter Onlinebrokers Flatex, steht ebenfalls vor dem Aus. Zusammen mit Aufsichtsratskollegin Martina Pfeifer (44) soll er bis zum 10. Oktober aus dem Gremium ausscheiden. Grund ist wohl ein Strategiestreit, wie die Kollegen von „Finanz-Szene“ gehört haben. Unangenehm für CEO Oliver Behrens (62): Für den geplanten Facelift der Marke hatte er zuletzt noch den Betriebsfrieden beschworen.
Zahl der Woche: 6.500.000.000
Der saudi-arabische „Buy Now, Pay Later“-Anbieter Tabby ist nach einer neuen Finanzierungsrunde jetzt 6,5 Milliarden US-Dollar wert. Damit überflügelt das Fintech seinen europäischen Wettbewerber Klarna, dessen Börsenwert zuletzt auf 5,2 Milliarden Dollar gefallen war. Tabby ist seit der Gründung 2019 auf ein jährliches Transaktionsvolumen von 18 Milliarden Dollar gewachsen, unter anderem dank Deals mit E-Commerce-Giganten wie Amazon oder Shein.
Margin Call: Fintech mit Playboy-Trick
Reichweitenkanone: Sydney Sweeney provoziert mit Wettanbieterwerbung
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The Mega Agency / IMAGO
Ich verfolge den Hype um sogenannte Prediction Markets wie Kalshi und Polymarket seit mehr als einem Jahr, habe dazu zig Interviews geführt und Statistiken ausgewertet (und ein großes Stück über das Geschäftsmodell von Marktführer Kalshi geschrieben ). Der Name Novig ist mir in all der Zeit nie begegnet. Bis sich Schauspielerin Sydney Sweeney (29), bekannt aus „Euphoria“, gestern splitterfasernackt auf den Billboards am Times Square räkelte, lediglich bedeckt mit einem Football. In anderen Einstellungen zeigt sie sich als nackte Tennisspielerin oder Fußballerin. Der plumpe Spot für den Sportwettenanbieter sorgt seither für einen Aufschrei unter Profi-Athletinnen. Sexualisierung des Sports! Wie kann sie nur! Die Social-Feeds sind voll, alle sprechen auf einmal auch über den unbedeutenden Wetten-Newcomer von Co-Gründer Jacob Fortinsky (28). Eine junge Frau, die sich gegen Geld für ein Männerpublikum auszieht – das ist eine sehr vorhersehbare Provokation. Eine Sache ist aber doch neu: Sweeney ist im Zuge der Kampagne als Gesellschafterin bei Novig eingestiegen. Man kann sie jetzt als gewissenloses Playboy-Häschen abtun. Oder als clevere Businessfrau, die das Marketingspiel ziemlich genau durchschaut hat. Ich würde sagen: well played.
Das war es für diese Woche. Wenn ihr Anregungen oder Recherchehinweise habt, meldet euch gern unter [email protected] . Und empfehlt uns gern Freunden und Freundinnen weiter – sie können den Newsletter hier abonnieren.
Viele Grüße
Eure Hannah Schwär