Seit der Legalisierung boomt in Thailand der Cannabis-Handel. Doch die laschen Regeln haben auch Schattenseiten.
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08.08.2026, 20:02
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Ein Zischen durchbricht die leise Musik, als Whynt Cordova Udompholkul eine vakuumierte Box öffnet und stolz seine Cannabis-Sorten präsentiert. Er führt einen kleinen Laden im Zentrum von Bangkok, der rund um die Uhr geöffnet ist. «Thailand und Cannabis passen perfekt zusammen», sagt er. «Wir sind das Land des Lächelns, so entspannt. Das mögen die Touristen.»
Whynt Cordova Udompholkul in seinem Cannabis-Laden in Bangkok.
SRF / Martin Aldrovandi
An der Theke begutachten zwei Kunden das Sortiment. In einer Ecke hat es sich eine junge Frau mit einer Bong bequem gemacht. Die Wände sind mit Graffiti und Grüssen von Besuchern aus aller Welt auf Englisch, Chinesisch oder Russisch übersät. 95 Prozent seiner Kundschaft kämen aus dem Ausland, so Whynt. Auf die Frage, aus welchen Ländern genau, lacht er: «Offiziell habe ich keine Kundinnen aus China oder Singapur.» In diesen Ländern ist auch der Konsum im Ausland unter Umständen strafbar.
«Einfacher zu kaufen als Kaffee»
Der laxe Umgang mit der Droge ruft Kritiker wie Smith Srisont auf den Plan. Der Toxikologe und Präsident des Verbands für Rechtsmedizin befürchtet einen Imageschaden für Thailand. «Cannabis ist hier inzwischen fast einfacher zu kaufen als Kaffee», klagt er. Dass es offiziell nur für medizinische Zwecke erlaubt sei, glaubt er nicht. «Schauen Sie doch, wo sich diese Läden befinden. Nicht neben Spitälern, sondern in den Unterhaltungsvierteln. Es ist so offensichtlich!»
Den Rechtsmediziner Smith Srisont beunruhigt die Situation mit Blick auf Kinder und Jugendliche.
SRF / Martin Aldrovandi
Srisont sorgt sich besonders um die Jugend. Studien zeigten, dass die Zahl der Spitaleinweisungen von Jugendlichen wegen Cannabis-Konsums drastisch zugenommen habe. Die Entkriminalisierung habe ein falsches Signal gesendet – und das Verkaufsverbot an Minderjährige werde zu wenig durchgesetzt.
Schmuggel und unsichere Zukunft
Auch der Schmuggel blüht. Im Juli wurden am Flughafen Phuket unter anderem zwei Schweizer und zwei französische Staatsangehörige mit über 30 Kilogramm Cannabis im Gepäck festgenommen. Die Zollbehörden veröffentlichten Aufnahmen des Fundes, um zu zeigen, dass man gegen den Schmuggel vorgeht.
In der Politik gibt es Bestrebungen, die Gesetze wieder zu verschärfen. Ladenbesitzer Whynt ärgert sich über die Unsicherheit. «Die Regeln ändern sich ständig. Es ist verwirrend.» Dass der Konsum wieder vollständig verboten wird, glaubt er aber nicht. Zu viele Arbeitsplätze und zu viel Geld hingen an der neuen Industrie. Cannabis, so Whynt, sei aus Thailand nicht mehr wegzudenken.
Echo der Zeit, 8.8.2026, 18 Uhr