Russlands Raketen treffen das Herzstück von Kiews Vergeltungswaffen – mit heiklen Folgen für das Land

Rache für Dauerfeuer auf Russlands Wirtschaft: Putins Truppe trifft Flamingo-Hersteller

Stand: 08.08.2026, 20:03 Uhr

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Bei neuen Angriffen auf Kiew nennt Russland einen Rüstungshersteller als Ziel. Das Unternehmen spielt für die Ukraine eine zentrale Rolle.

Kiew – Die gegenseitigen Angriffe im Ukraine-Krieg nehmen an Intensität immer mehr zu. In der Nacht auf den 8. August hat Russland erneut die ukrainische Hauptstadt mit Raketen und Drohnen beschossen. Dabei haben die Truppen von Wladimir Putin nach eigenen Angaben einen wichtigen ukrainischen Waffenproduzenten getroffen.

Ein Arbeiter inspiziert Flamingo-Marschflugkörper in der geheimen Fabrik von Fire Point

Ein Arbeiter inspiziert Flamingo-Marschflugkörper in der geheimen Fabrik von Fire Point. (Archivfoto) © dpa/Efrem Lukatsky

Das russische Militär sprach nach dem Luftangriff auf Kiew von einem Schlag gegen den Rüstungshersteller Fire Point. Das Verteidigungsministerium in Moskau teilte mit, es sei eine Produktionsstätte getroffen worden, die Teile und Sprengköpfe für den ukrainischen Marschflugkörper FP-5 Flamingo herstelle. Außerdem sei ein Treibstofflager vernichtet worden, das die ukrainische Armee beliefere. Belege für diese Darstellung lieferte die russische Seite allerdings nicht. 

Angriff auf Kiew: Moskau nennt ein heikles Ziel

Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko berichtete auf Telegram von brennenden Öltanks im Stadtteil Obolon. Schwerpunkt des Angriffs mit Raketen und Kampfdrohnen war laut ukrainischen Angaben – wie bereits am Vortag – der Vorort Browary mit seinen Logistikzentren. Nach Behördenangaben wurden drei Menschen getötet, allerdings nicht in Browary, sondern im Dorf Puchiwka, wo eine Drohne ein Wohnhaus traf .

Die russische Armee listet seit einiger Zeit die angeblichen militärischen Ziele ihrer Luftangriffe auf. Überprüfen lässt sich dies in den vielen Fällen nicht. Gibt es tatsächlich Treffer, geht die Ukraine aus informationspolitischen Gründen meist darüber hinweg. Umgekehrt sprechen auch russische Behörden bei sichtbaren Großbränden, etwa in Raffinerien, oft nur vage von abgestürzten Drohnenteilen in nicht näher benannten Industriebetrieben. Zuletzt hat die Ukraine ihre Angriffe auf Russlands Wirtschaft bis tief ins Hinterland intensiviert.

Selenskyj lobte Fire Point – nun meldet Russland einen Treffer

Fire Point zählt mit dem Marschflugkörper Flamingo, der Langstreckendrohne FP-1 und der Mittelstreckendrohne FP-2 zu den wichtigsten einheimischen Rüstungslieferanten der ukrainischen Armee. Wie der US-Sender CNBC berichtet, hat sich Fire Point seit seiner Gründung als Reaktion auf Russlands Invasion 2022 rasant entwickelt: von drei Gründungsmitgliedern und rund 200 produzierten Drohnen im ersten Jahr auf inzwischen mehr als 7000 Beschäftigte. Firmenchefin Iryna Terekh hält es für „realistisch“, dass das Unternehmen bis Jahresende mehr als 100.000 Drohnen produziert.

Nach eigenen Angaben ermöglicht Fire Point derzeit über 60 Prozent der ukrainischen sogenannten „Langstreckensanktionen“ – also der Angriffe tief auf russischem Territorium, von Sibirien bis zur besetzten Krim. Laut CNBC läuft die Produktion des Flamingo-Marschflugkörpers derzeit nicht auf voller Kapazität, weil das Unternehmen auf die Auszahlung eines europäischen Kredits wartet. Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte Fire Point nach einem Angriff auf eine große Ölraffinerie im russischen Omsk hervorgehoben und erklärt, das Unternehmen bringe Sibirien „in Reichweite ukrainischer Präzision“. (Quellen: dpa, CNBC) (cs)