Stand: 17.10.2026, 06:00 Uhr
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Der Förderverein Lebensbilder schenkt Bewohnern des Awo-Seniorenzentrums in Heusenstamm besondere Momente mit Ausflügen, Projekten und Anschaffungen.
Heusenstamm – Sie sind Rollstuhlschieber, Bastler, Bäcker, Plauderer. Unter der Devise „immer ein bisschen mehr“ haben sich die Ehrenamtlichen des Fördervereins Lebensbilder zum Ziel gesetzt, den Bewohnern des Awo-Seniorenzentrums „Horst-Schmidt-Haus“ Augenblicke der Freude zu schenken.
2004 gründete ein siebenköpfiges Team den Verein. Seitdem hat sich viel getan. Die Netzwerkarbeit habe sich „deutlich verbessert“, etwa durch den Seniorengipfel in Heusenstamm, bemerkt Christiana Tannert. Sie ist Vorstandsmitglied und seit der Vereinsgründung dabei und stellt aber auch fest: „Die Menschen werden älter – und einsamer.“ Im Vergleich zu früher komme es heutzutage auch oft vor, dass etwa die Kinder der Bewohner schon verstorben sind oder weit weg wohnen. Freunde und ehemalige Nachbarn seien ebenfalls bereits im fortgeschrittenen Alter und könnten sie nicht besuchen.
Um den Alltag der Bewohner aufzupeppen, ihnen schöne Momente zu bereiten und auf ihre Bedürfnisse einzugehen, hat der Verein seit seiner Gründung Sportgeräte für die Senioren angeschafft und Ausflüge, Hühnerbesuche und Nikolauskonzerte organisiert. „Die Bewohner sollen ein Teil der Gemeinde Heusenstamm bleiben“, beschreiben Tannert und Büchner den Kern ihrer Arbeit. Um ihnen das zu ermöglichen, sind sie präsent, etwa beim Faschingsumzug, und besuchen den Wochenmarkt. Einmal im Jahr verwirklicht der Verein ein größeres Projekt. Dieses Jahr sind die Senioren beispielsweise mit einem Schiff auf dem Main geschippert und haben die bayerische Stadt Volkach besucht.
Förderverein Lebensbilder unterstützt Bewohner des Awo-Sozialzentrums in Heusenstamm
Zusätzlich zu den großen Projekten begleiten sie die Bewohner unter dem Titel „Reisen ohne Koffer“ auf Tagesausflüge und unternehmen kleinere Expeditionen zum Eisessen. „Das kann auch mal simpel sein und wir setzen uns im Wald mit Decken auf den Boden oder gehen in den Wetterpark und machen ein Quiz, bei dem man am Ende einen Preis gewinnen kann.“ Es schenke den Senioren Momente der Normalität und ein Stück Jugend zurück, wenn sie bei den Ausflügen die Füße in die Bieber stecken oder für den ersten Platz beim Quiz mit einem Mundvoll Wasser Sprühregen nachstellen. Weil Ausflüge nicht für jeden Bewohner etwas sind, realisiert der Förderverein auch im Haus Projekte. So haben die Ehrenamtlichen 2025 zum Beispiel einen Hähnchenwagen ans Seniorenzentrum geholt, der frisches Brathähnchen und Kartoffelsalat servierte.
Eins der ersten großen Projekte, die der Verein Lebensbilder umgesetzt hatte, war ein sogenannter „Snoezelraum“. Der Begriff „Snoezelen“ setzt sich aus den niederländischen Verben für schnüffeln und dösen zusammen. Tannert und Büchner beschreiben den Raum als Wellnessraum, der mit multisensorischen Reizen zum Entspannen einlädt. Zusätzlich haben die Vereinsmitglieder eine mobile Version des Raums zusammengestellt. Etwa mit Lichtprojektor, CD-Player und Massagebällen ausgestattet, ermöglicht der Snoezel-Wagen den Senioren auch auf ihren Zimmern eine Traumstunde.
Über die Jahre haben besonders die kleinen Momente die Vereinsmitglieder angetrieben: „Man sieht, wie viel man schon mit wenig erreichen kann“, sagt Tannert. Oft reiche bereits ein simpler Ausflug zum Eisessen, ein Spaziergang, ein freundliches Gespräch, um den Senioren eine Freude zu bereiten. Vorsitzende Andrea Büchner schließt sich an: „Es ist ein schönes Gefühl, zu sehen, wie sie sich freuen.“ Ein Gefühl, das auch mehr junge Menschen dazu bewegen könnte, sich zu engagieren, hoffen die beiden Frauen. „Wir nehmen jeden, jederzeit und mit den unterschiedlichsten Talenten. Wir brauchen nicht nur Schieber, die einen Rollstuhl anschieben können. Manchmal ist auch ein Plauderer der Richtige, der sich mit den Bewohnern unterhalten kann.“
Verein bietet auch digitale Sprechstunde und Gesprächskreis für Angehörige Demenzerkrankter an
Zwischen den Augenblicken der Freude bietet der Verein auch Angebote wie die digitale Sprechstunde an, bei der die Teilnehmer lernen, mit digitalen Endgeräten umzugehen (wir berichteten). Für Angehörige von Demenzerkrankten bietet der Förderverein die Gelegenheit, sich bei einem Gesprächskreis unter der Leitung von Psychiaterin Dr. Annette Bellenberg auszutauschen.
Die Anschaffungen und Ausflüge finanziert der Verein unter anderem über Spenden, mit der Teilnahme an Aktionen wie der „Klingelnden Vereinskasse“ von Holzland Becker und Offenbach-Post und eigene Märkte. Der nächste ist ein Adventsmarkt am 21. November von 10 bis 16 Uhr am Horst-Schmidt-Haus. Dann bietet er Besuchern Adventsgestecke, kleine Geschenke, Plätzchen, Kaffee, Kuchen, Waffeln und Eintöpfe an. (Kristina Geldt)