Stand: 20.07.2026, 20:23 Uhr

In einer feierlichen Zeremonie am französischen Nationalfeiertag hat die französische Partnerstadt von Diemelstadt, Izon in der Nähe von Bordeaux, eine Replik ihrer im Zweiten Weltkrieg verloren gegangenen Freiheitsstatue eingeweiht.
Diemelstadt/Izon – Mit dabei war eine Delegation aus Diemelstadt unter Leitung des Ersten Stadtrats und Bürgermeister-Stellvertreters Rainer Runte. Ebenfalls dabei waren vier Schülerinnen und ein Schüler der Schlossbergschule Rhoden, die gerade an einem Austauschprojekt teilnahmen.
Die feierlich eingeweihte Statue ist etwa drei Meter hoch und wurde aus rund 300 Kilo Bronze gegossen. Die kleine Schwester der Freiheitsstatue in New York hat rund 100.000 Euro gekostet und wurde von der Stadt Izon und von mehr als 100 Spendern finanziert.
Bronze für Kanonen requiriert
Ihre Vorgängerin wurde genau vor 100 Jahren, am 14. Juli 1926, aufgestellt und den Bürgern von Izon gewidmet. Sie war ein Geschenk des in Izon geborenen Rey Jeanton, der 1891 in die Vereinigten Staaten auswanderte, um als Schafhirte sein Glück zu suchen. Dabei war er so erfolgreich, dass er bei seiner Rückkehr nach Izon einen Teil seines Vermögens den Bürgern von Izon schenkte und die Miniaturversion der Freiheitsstatue stiftete. Die konnte allerdings nur etwa 15 Jahre lang auf dem Platz vor der Martinskirche als Treffpunkt dienen. Die deutschen Besatzer und ihre Helfer vom Vichy-Regime ließen 1941 viele Bronzestatuen und Glocken einschmelzen, um aus dem Metall Kanonen zu fertigen.
85 Jahre später hatten die Bürgerinnen und Bürger von Izon und ihr neuer Bürgermeister Laurent De Launay die Idee, die Statue wieder neu gießen zu lassen. Der ursprüngliche Sockel vor der Kirche war schließlich lange genug verwaist.
Feier in brütender Hitze
Am 14. Juli war nun der richtige Zeitpunkt gekommen, um das Symbol der Freiheit einzuweihen und neu zu widmen. Den Festakt verfolgten rund 1000 Zuschauer in brütender Hitze. Zu den Festrednern gehörten auch die amerikanische Konsulin Jessica Kuhn, die französische Senatorin Laurence Harribey und der Europaabgeordnete Raphael Glucksmann, der als möglicher Präsidentschaftskandidat der französischen Linken bei der nächsten Wahl gehandelt wird.
Bürgermeister De Launay erklärte, die Statue sei ein bedeutendes Symbol für die Menschen in aller Welt. Überall sei damit die Hoffnung auf Freiheit und Demokratie verbunden.
Schüler gestalten Europas Zukunft
Ähnlich äußerte sich der Diemelstädter Erste Stadtrat Rainer Runte in seinem Grußwort, das vom Vorsitzenden des Diemelstädter Partnerschaftsvereins, Manuel Parreira, übersetzt wurde. Die Städtepartnerschaft lebe von den Menschen, die sich treffen und austauschen. Dabei erinnerte Runte an den Besuch der Franzosen im vergangenen Jahr beim Schützenfest in Rhoden. Wichtiger noch sei der Schüleraustausch, der die europäische Zusammenarbeit weiter fördern solle.

Der Europaabgeordnete Raphael Glucksmann spannte den Bogen zur deutschen Besatzung Frankreichs im Zweiten Weltkrieg. Der Verlust der Freiheit sei allen bis heute eine Lehre geblieben. Bis zum heutigen Tag teile man den Durst nach Freiheit mit dem amerikanischen Volk, „selbst wenn die Regierungen sie“ bisweilen verraten.
Fußballniederlage dämpfte die Stimmung
In seiner kämpferischen Rede rief Raphael Glucksmann dazu auf, für die Freiheit zu kämpfen und sie auch gegen die Hightech-Firmen aus dem Silicon Valley und gegen die chinesische Regierung zu verteidigen. Höhepunkt und feierlicher Abschluss der Veranstaltung war die gemeinsam gesungene Nationalhymne, die Marseillaise.
Der Abend endete für die Fußballfans in Izon weniger erfreulich auf dem großen Platz hinter dem Rathaus, wo auf einer Großbildleinwand das WM-Halbfinale Frankreich – Spanien gezeigt wurde. Die rund 3000 Zuschauer nahmen die 0:2-Niederlage mit gedämpfter Stimmung zur Kenntnis. Mit dem Schlusspfiff in Texas legte die Coverband in Izon los.