Stand: 11.10.2026, 07:44 Uhr
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Verbraucher, die Wert auf regionale Lebensmittel legen, müssen beim Gemüseeinkauf oftmals die Segel streichen. Dass es auch anders geht, zeigt ein Nebenerwerbslandwirt aus der Rhön.
Fulda – Matthias Zentgraf aus dem Hilderser Ortsteil Batten zieht auf eineinhalb Hektar Kartoffeln und auf einem weiteren Hektar mehr als 20 Sorten Gemüse ausschließlich im Freiland heran. Von den sechs Gemüsebauern, die es im Kreis Fulda gibt, ist er der einzige, der nicht zertifiziert ökologisch wirtschaftet.

Durch Mehrfelderwirtschaft mit Regenerationszeit sorgt er für gesunde Böden. Jetzt im Herbst sind die Regale in seinem Selbstbedienungs-Hofladen bunt gefüllt: verschiedene Kohlsorten, Zwiebeln, Rote Bete, Pastinaken, Kürbisse, Möhren, Radieschen und im Kühlschrank Salate, dazu Schnittlauch und Petersilie. Am Sonntag, 18. Oktober, lädt er ab 14 Uhr zum Gemüse-Selber-Ernten mit anschließender Lagerfeuerromatik auf seine Felder ein.
Rhöner Landwirt beliefert Supermärkte mit Gemüse direkt vom Feld
Da die Nachfrage in der Gastronomie zurückgegangen sei, ist Zentgraf froh, dass er seit mehr als zehn Jahren regelmäßig Gemüse und Kartoffeln an den Edeka-Markt Hahner in Künzell liefern kann. „Das ist heutzutage etwas Besonderes. Es gab zwar immer wieder mal Interesse von einzelnen Läden, aber das waren Eintagsfliegen. Es ist halt bequemer, sich die Ware im großen Lkw über den Konzern liefern zu lassen als sich zusätzlich mit einzelnen Lieferanten abzustimmen und mit ihnen extra abzurechnen“, äußert er Verständnis für den Einzelhandel.
Auch für ihn selbst bedeutet die Belieferung von Supermärkten eine Herausforderung. Ein- bis zweimal in der Woche fährt er mit frisch geernteten Produkten im Auto und Anhänger nach Fulda. Bei kurzfristigen Nachbestellungen springt seine Frau Petra ein und bringt die Ware, bevor sie zu ihrer Arbeit als Sekretärin an einer Fuldaer Schule weiterfährt.
Dieter Hahner, Eigentümer des Künzeller Edeka-Marktes, bestätigt, dass zusätzliche Lieferanten Aufwand bedeuteten, nennt diesen jedoch überschaubar. Es sei wichtig, „Dinge anzubieten, die in der Rhön wachsen“, betont er. Und es sei ihm ein Anliegen, die hiesigen Landwirte zu unterstützen. „Ohne bäuerliche Landwirtschaft sähe unsere schöne Rhön anders aus.“.
Trotz Mehraufwand: Edeka-Märkte in der Region setzen auf Rhöner Gemüse
Außerdem verweist der Einzelhändler auf die Qualität des Rhöner Gemüses: „Der Geschmack ist wesentlich ausgeprägter als das Aroma bei riesigen Anbauflächen.“ Die Produkte aus Hilders sind im Supermarkt als solche gekennzeichnet.
Im Zuge einer Kennenlern-Aktion will Landwirt Zentraf seine Gemüsevielfalt im Edeka-Markt präsentieren, zur Verkostung einladen und Fragen beantworten. „Ich möchte, dass meine Kundinnen und Kunden wissen, wie viel Handarbeit im Gemüseanbau steckt, und diese Arbeit wertzuschätzen wissen“, ergänzt Hahner. Für das regionale Bio-Sortiment kooperiert er mit dem antonius-Hof, der der größte Gemüse-Erzeuger im Landkreis ist. antonius baut aktuell in Fulda eine neue Gemüsegärtnerei.
Matthias Zentgraf arbeitet auch mit dem Edeka-Markt in der Boyneburgstraße in Fulda zusammen. Diesen hat Kaufmann Sebastian Götz Ende Mai übernommen – von Anfang an mit dem Plan, einen besonderen Fokus auf Regionalität zu legen. Auch zu seinen weiteren Lieferanten gehört der antonius-Hof. „Definitiv ist das umständlicher, als nur beim Großhändler zu bestellen, aber das macht man gerne, wenn man sieht, dass das Angebot von der Kundschaft gut angenommen wird“, sagt er auf Anfrage der Fuldaer Zeitung.
Gemüseanbau-Betriebe im Kreis Fulda
antonius-Hof in Fulda-Haimbach – Anbaufläche: 5 Hektar Freilandfläche, 0,2 Hektar Gewächshäuser; Vermarktung: eigener Laden, eigene Küchen, Einzelhandel, Bauern- und Wochenmarkt in Fulda; Besonderheiten: Biolandbetrieb, Beschäftigung von Menschen mit und ohne Behinderung, größter Gemüseproduzent im Kreis
Lindengut Dipperz – Anbaufläche: knapp 1 Hektar sowie 1 Gewächshaus und 2 Folientunnel; Vermarktung: Hofladen, eigene Küche, Selbsternter; Besonderheiten: Demeter-Betrieb
Hammelmöhre in Silges – Anbaufläche: 0,3 Hektar Acker, 30 Quadratmeter Frühbeet, 0,6 Hektar Agrarforstsystem, sowie Gewächshaus und Folientunnel in Arbeit; Vermarktung: Abokiste, Hofladen, Wochenmärkte Hünfeld und Fulda; Besonderheiten: Betrieb in Bio-Umstellung
BioGut Benkner in Neuhof – Anbaufläche: 3,6 Hektar und 0,1 Hektar Folientunnel; Vermarktung: Solidarische Landwirtschaft Osthessen, Abokisten; Besonderheiten: Ökobetrieb
Pfaffenhof der Familie Bernhard in Poppenhausen – Anbaufläche: 0,4 Hektar Freiland, 0,1 Hektar Gewächshaus; Vermarktung: Gastronomie, eigener Hofladen; Besonderheiten: Biolandbetrieb im Nebenerwerb
Direktvermarktung der Familie Zentgraf in Batten – Anbaufläche: 1 Hektar Gemüse, 1,5 Hektar Kartoffeln; Vermarktung: Verkaufswagen im Hof mit Selbstbedienung, Einzelhandel, Gastronomie; Besonderheiten: konventioneller Betrieb mit Spezialität mechanische Unkrautvernichtung, Bauernhof als Klassenzimmer, bewusster Verzicht auf Gewächshaus-Anbau
Elsa Aliaga Fernandez lebt mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern (3 und 5) in Hattenhof. Da sie Wert auf Regionalität und Bio lege, sei sie treue Kundin der Supermarktkette Tegut gewesen, erzählt sie. „Als ich hörte, dass Tegut schließt, war ich super traurig“, erzählt die 38-Jährige. Über Facebook suchte sie Gleichgesinnte mit Interesse an der Gründung einer Einkaufsgemeinschaft für regionale Lebensmittel.
Startschuss für „digitalen Hofladen“ in der Region Fulda
Mit 16 weiteren Familien aus der Gegend um Neuhof und Fulda startet nun ihre Idee eines „digitalen Hofladens mit Lieferservice“. Damit wolle sie Landwirte durch einen zusätzlichen Absatzweg und regelmäßige Sammelbestellungen unterstützen. Sie stamme selbst aus einer bäuerlichen Familie, die Produkte direkt vermarktet habe, erläutert die gebürtige Peruanerin. Sie erhofft sich durch die gebündelte Abnahme größerer Mengen aber auch einen Preisvorteil.
Während der Pilotphase plant die berufstätige Mutter, dass sie die Produkte – zunächst Eier und Gemüse – am Wochenende von den Höfen abholt und ausfährt. Mittelfristig setzt sie auf Helfer im Ruhestand. Doch zunächst gehe es um die Erfahrung, welche Waren und Mengen regelmäßig benötigt würden, welche Höfe mitmachen und welche Bedingungen sowohl für Produzenten als auch Verbraucher fair seien.
Erzeuger Zentgraf und die Edeka-Markt-Eigentümer Hahner und Götz stehen in engem Austausch, um das Gemüse zu einem Preis anzubieten, der in etwa dem des Großhandels entspricht. „Das klappt gut“, meint der Nebenerwerbslandwirt, der außerdem als IT-Administrator arbeitet. Nur mit Sonderangeboten könne er nicht mithalten. (Von Sandra Limpert)