Stand: 12.10.2026, 21:34 Uhr
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Eine invasive Hornissenart macht sich immer weiter in NRW breit – trotz eines Förderprogramms. Die Insekten sind eine Gefahr für die Landwirtschaft.
Düsseldorf – Noch 2022 war die Asiatische Hornisse in Nordrhein-Westfalen kaum mehr als eine Randnotiz – gerade einmal neun Sichtungen registrierten die Behörden. Drei Jahre später ist aus dem seltenen Gast ein Massenphänomen geworden: 2025 meldete das Landesamt für Natur, Umwelt und Klima NRW (Lanuk) mehr als 2.200 Exemplare – rund fünfmal so viele wie im Jahr zuvor. 2026 wurden bereits jetzt mehr Nester gemeldet.

Thomas Beissel, Landesgeschäftsführer des Deutschen Berufs- und Erwerbsimkerbundes in NRW, rechnet laut Der Westen bis Jahresende mit bis zu 7.000 gemeldeten Nestern – und betont: „Und das ist eine sehr konservative Schätzung.“ Die Asiatische Hornisse (Vespa velutina) kam vor etwa 20 Jahren aus Südostasien nach Europa. In NRW tauchte sie erstmals 2020 auf. Seither breitet sie sich vor allem entlang von Flussläufen aus – besonders Rheinland und Ruhrgebiet sind betroffen.
Invasive Asiatische Hornisse wird in NRW zunehmend zum Problem
Was sie so gefährlich macht: Sie lauert Honigbienen direkt vor deren Stock auf und tötet sie im Flug. Ulf Bergmann vom Kreis-Imkerverein Unna-Hamm bringt es auf den Punkt: „Sie ernähren sich zu 65 Prozent von unseren Honigbienen“, zitiert der WDR ihn. Fehlen Bestäuber, leiden Wildpflanzen, Schmetterlinge, Vögel – ein ganzes Ökosystem gerät ins Wanken.
Das NRW-Landwirtschaftsministerium reagierte im Mai 2026 mit einem Förderprogramm: Geschulte Imker erhalten zwischen 150 und 300 Euro für die fachgerechte Entfernung eines Nestes. Schutzanzüge werden mit 250 Euro bezuschusst, spezielle Absauggeräte mit 2.000 Euro. Von 150.000 Euro im Fördertopf waren bis Ende September bereits fast 98.000 Euro beantragt.
Doch die Kritik ist laut: René Schneider, umweltpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion im NRW-Landtag, sagte der Rheinische Post zufolge: „Wenn uns daran gelegen ist, dieses Problem zu lösen, müssen wir da massiver drangehen. (…) Da geht es nicht nur um ein paar Hobbyimker, sondern um die Bestäuberleistung, die die Landwirtschaft braucht.“
Seit das Bundesumweltministerium die Asiatische Hornisse als „weit verbreitet“ eingestuft hat, sind Behörden nicht mehr verpflichtet, jedes Nest zu beseitigen. Die Verantwortung liegt bei den Grundstückseigentümern. Städte wie Bottrop und Münster appellieren an Bürgerinnen und Bürger, Sichtungen und Nester zu melden – per E-Mail an die jeweilige Naturschutzbehörde. Die Beseitigung sollte ausschließlich durch geschultes Fachpersonal erfolgen.
Erkennbar ist die Hornisse an ihrer schwarzen Brust, schwarz-gelben Beinen und dem überwiegend dunklen Hinterleib mit gelben Banden. Nester entstehen im Frühling zunächst in Sträuchern oder unter Dachüberständen – im Sommer wachsen sie oft auf Fußballgröße in Baumkronen.
Asiatische Hornisse breitet sich in ganz Deutschland aus
Die Situation in Nordrhein-Westfalen ist kein Einzelfall, sondern Teil eines bundesweiten Trends: Nach Angaben von Naturschutzverbänden breitet sich die Asiatische Hornisse zunehmend in Deutschland aus. Erstmals gesichtet wurde die invasive Art 2014 in Baden-Württemberg. 2024 wurden in dem Bundesland rund 900 Nester gemeldet, 2025 waren es bereits 3.300.
Neben Rheinland-Pfalz, dem Saarland und Hessen rückt das Insekt auch zunehmend nach Süden und Norden vor: Während in Bayern nach ersten Funden in Unterfranken verstärkt Nester gemeldet werden, registrierte auch Niedersachsen nach ersten Sichtungen im Landkreis Diepholz mehr als 100 Meldungen. (Quellen: Der Westen, WDR, Rheinische Post) (sp)