Stand: 13.08.2026, 19:00 Uhr
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Sebastian, Christina und Ronja Rath stehen gemeinsam auf der SPD-Liste für den Rotenburger Stadtrat. Ihr Hauptmotiv ist, ihre Stimme gegen die AfD zu erheben und für Soziales im Stadtrat einzutreten.
Rotenburg – Wenn er darauf angesprochen wird, wie es denn sein kann, dass zwei weitere Familienmitglieder auf der Liste der SPD für die Kommunalwahl in Rotenburg stehen, sei seine Antwort stets dieselbe. „Es gibt nicht so viele motivierte Leute in der Lokalpolitik, also seid doch froh, dass wir uns zu dritt aus einer Familie engagieren“, sagt Sebastian Rath, der in seinem kleinen Wohnzimmer mit Dachschräge und bunten Wänden neben seiner Frau und ältesten Tochter auf dem Sofa sitzt.
SPD-Mitgliedschaft, um aktiv zu sein
„Naja, ich wollte immer politisch aktiv sein, aber als Lehrschwester war mir der Beitrag immer zu teuer, also war ich passiv unterwegs“, berichtet seine Frau Christina Rath. Doch irgendwann sei es dann so weit gewesen und sie und ihr Mann seien in die Satire-Partei „Die Partei“ eingetreten. „Die beleidigend gemeinte Bezeichnung linksgrünversifft trage ich mit Stolz“, sagt ihr Mann.
Aber die SPD ist die Arbeiterpartei, sie braucht nicht nur Juristen und Politikstudierende, sie braucht uns, die aus der Arbeiterklasse.
Um mehr zu erreichen, schaute sich das Ehepaar die lokalen Parteien in seiner Wahlheimat Rotenburg genauer an. „Ich war überrascht, wie bürgernah die SPD hier ist, dass Lars Klingbeil so oft da ist und auch Ex-Bürgermeister Andreas Weber noch präsent ist“, erklärt die ausgebildete Krankenschwester und Diako-Stationsleiterin. 2021 sind sie dann in die SPD eingetreten.

Die Linke sei es nicht geworden, weil diese zwar gute höhere Ziele verfolge, diese jedoch den Raths gelegentlich zu unrealistisch seien. „Natürlich stimmen wir nicht allen Punkten der SPD zu, aber die Schnittmenge ist am größten und das Wort sozial im Namen ist uns wichtig“, so Sebastian Rath. Die gemeinsame Tochter Ronja Rath folgte dann mit 14 Jahren. „Erst hatte ich Sorge, mich so klar zu positionieren, und habe mich gefragt, was die Leute in der Schule sagen. Dann habe ich gemerkt, dass mir das eigentlich egal sein kann“, sagt die 19-Jährige.
Sebastian Rath hat gutem Listenplatz
Ihr Vater hat einen guten Listenplatz, Nummer 6. Bei ähnlichem Wahlergebnis der SPD wie 2021 könnte er einen Sitz erreichen. „Ich will und kann der Stadt hilfreich sein“, ist er überzeugt. Für die Direktwahl sei er nicht bekannt genug, fügt er selbstreflektiert hinzu. Im Rat wolle er für seine sozialen Ideale einstehen, dass Demokratie harte Arbeit ist, sei ihm bewusst. Er ist Berufsfotograf, weshalb er bei SPD-Events meist hinter der Kamera zu finden sei.
Seine Frau folgt auf Listenplatz 15, die Tochter, die die Ausbildung zur Pflegefachkraft absolviert, auf Platz 23. Der Familienwahlkampf sei spannend, die drei unterstützten einander. „Aber wir müssen auch aufpassen, dass wir als Einzelpersonen wahrgenommen werden. Ich bin nicht nur Sebastians Frau, und wir müssen immer klar entscheiden, wer wann im Rampenlicht steht“, betont die 45-jährige Christina Rath. Sie freue sich, dass in Rotenburg drei so unterschiedliche und fähige Kandidaten antreten. „Ich will im Rat gerne mit allen demokratischen Parteien gemeinsam für die Stadt arbeiten, das kann ich mir mit allen drei möglichen Bürgermeistern vorstellen“, so ihr Mann.
Arbeiterklasse müsse mitreden
Dass alle drei Familienmitglieder nun mit auf der SPD-Liste stehen, habe mit dem steigenden Rechtsdruck zu tun. „Jeder Sitz, der nicht an die AfD geht, ist ein guter“, betont Christina Rath. Sie seien erschrocken gewesen, wie viele junge Menschen bei Schulwahlen in der Region für die aus ihrer Sicht Demokratie aushöhlende AfD gestimmt haben.
„Die AfD ist auf Social Media leider stark, das packt die Jüngeren“, sagt Sebastian Rath. Deshalb sei politisches Engagement aktuell besonders wichtig, ergänzt er, um zu informieren und für die Demokratie einzustehen. Mit 46 Jahren ist er schon einer der Jüngeren im SPD-Ortsverein. Plötzlich in der Öffentlichkeit zu stehen und auf Wahlplakaten an Laternen zu hängen, sei noch ungewohnt. „Ich mache mir jetzt schon mehr Gedanken, wie ich aussehe, wenn ich aus dem Hause gehe“, sagt Christina Rath und lacht.

Den Ortsverein treffe auch der Frust über die Bundespolitik, doch die örtliche Partei könne für Entscheidungen weiter oben nichts. „Bei der SPD Rotenburg steht Soziales noch an vorderer Stelle, bei uns sind viele verschiedene Meinungen willkommen“, so Christina Rath. Es sei auch angenehm, dass die meisten Mitglieder sich auch in gemeinnützigen Vereinen engagieren. Seit einigen Jahren hilft das Ehepaar Rath in der SPD mit und besucht viele Veranstaltungen.
„Wir wollen eine Ressource sein für die Partei. Wenn nicht wir, wer sonst?“, betont Christina Rath. Die Zurückhaltung in der Bevölkerung, sich politisch zu engagieren, weil Zweifel am eigenen Können herrschen, kann sie nachvollziehen. „Aber die SPD ist die Arbeiterpartei, sie braucht nicht nur Juristen und Politikstudierende, sie braucht uns, die aus der Arbeiterklasse.“ Als Parteimitglied sei jeder ein Multiplikator von Wissen und lerne viel dazu. Sebastian Rath ergänzt: „Und so können wir sicherer und lauter für unsere Argumente eintreten.“ Wie etwa für mehr bezahlbaren Wohnraum in der Kreisstadt.
Die zweite Tochter des Ehepaars ist erst 12. Als einzige der Familie ist sie politisch nicht aktiv – noch nicht. Sollte sie sich für eine andere Partei entscheiden, sei das in Ordnung, nur eben nicht für die „demokratiefeindliche AfD“. „Wir sind kein typischer Alte-Weiße-Leute-Haushalt, wir hören auf unsere Töchter und deren Perspektiven“, betont Sebastian Rath. Denn Toleranz beginne bei jedem erst einmal selbst.