Stand: 03.09.2026, 14:23 Uhr
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Kanzler Merz liefert sich im TV einen Schlagabtausch mit einer Kinderärztin. Auch im Volk brodelt es wegen der Gesundheitsreform. Die FR sprach mit einer Betroffenen.
Berlin – Bundeskanzler Friedrich Merz scheint eine Berufsgruppe als neues Feindbild festgemacht zu haben: Ärzte. Am vergangenen Donnerstag lieferte er sich einen Schlagabtausch mit der kritischen Kinderärztin Bea Merscher, die ihm „menschenverachtende und zerstörerische Gesetze“ wie das Sparpaket bei den Gesundheitsausgaben vorwarf. Ein Gesprächsangebot im Nachgang soll Merz mit einem höhnischen Lachen abgetan haben. „Er lachte mich aus!“

Ärger hat er sich nun auch bei Ärzten aus Baden-Württemberg eingehandelt. Sie kritisieren den Kanzler, weil er in der Sendung gesagt hatte, auch Ärztinnen seien „Nutznießer“ des Gesundheitssystems. Die Landesärztekammer sieht „in der Wortwahl einen Affront“, erklärte ein Sprecher auf SWR-Anfrage. Das bestätigt die Göppinger Gynäkologin Esther Scherrenbacher gegenüber dem SWR: „Ich war schockiert. Ich fand es wirklich mehr als unangebracht.“ Das Wort „Nutznießer“ sei so negativ besetzt, sie habe nur schwer realisieren können, dass Merz es so verwendet hat.
Frau äußert sich zur Gesundheitsreform: „Melkkuh“ von dieser Regierung
Doch was sagen die Menschen, die konkret von den Reformen betroffen sind? Die Frankfurter Rundschau von Ippen.Media sprach mit einer Berlinerin, die der Krankenschwester recht gibt und die Reformen als sehr ungerecht empfindet.
Wie betrifft Sie die Reform konkret?
Aufgrund der höheren Zuzahlung zu meinen Medikamenten kann ich mir diese nicht mehr leisten. Es ist alles schon teuer und ich habe nur meine Erwerbsminderungsrente. Es sind pure Angst und Stress, die dafür sorgen, dass sich meine Erkrankung verschlechtert. Diese Reformen sorgen für schlechte Gedanken und Schlafprobleme. Da ist der Wunsch, niemals ein Pflegefall zu werden, und ein Gefühl, als „Melkkuh“ von dieser Regierung benutzt zu werden.
Wie ist allgemein die Stimmung in Ihrem Umfeld?
Ich höre viel von Menschen in meiner Umgebung, von Angst und Verzweiflung. Die Politik wird geführt aus einer Realität der Akademiker heraus, die entweder keine Ahnung haben oder in ihrer gut bezahlten Blase hocken und Reformen erfinden, die den Beamten guttun, sich selbst – aber eigentlich gegen das Volk gerichtet sind.
Was sagen Sie zu den Aussagen der Kinderärztin, die sich mit dem Kanzler gestritten hat?
Die Ärztin hat recht: Es sind Reformen, die nur auf Kosten derer gehen, die schon kaum etwas besitzen. Auf Familien mit Kindern, die oft jeden Cent umdrehen müssen. Das Leben für Normalverdiener ist selbst mit Supermarktpreisen teuer. Gesunde Ernährung ist kaum möglich. Hinter den Kulissen dann die Zustimmungen für regelmäßige Diätenerhöhungen und sie beglückwünschen sich, nur Gutes getan zu haben für „Kassenpatienten“. „Sozial“ war einmal: Das gemeine Volk soll länger arbeiten mit weniger medizinischer Versorgung … Da müssen sie sich nicht über rechte Wähler wundern.
„Staat wickelt Reformen mit dem Geldbeutel der Patienten ab“
Hier in Deutschland wickelt der Staat Reformen mit dem Geldbeutel der Patienten ab. Ich höre von Forderungen, Strafen einzuführen, wenn scheinbar auch Kinder zuerst zu einem Facharzt gebracht werden. Die tun nichts Gutes für die Kassenpatienten, sind aber sehr darauf bedacht, unsere Kinder in Uniform zu stecken und sich verteidigen zu lassen.
Wie ist die Situation in Ihrer Familie?
Deutschland hat eine Verfassung, in der die Würde jedes Menschen verankert ist. Es ist eher ein großer Buchstabe ,,E“ für Euro als Würde. Ich habe meinen Mann jahrelang zu Hause gepflegt, mit eigener schwerer chronischer Erkrankung. Der erste Besuch in einer Intensiv-WG: ein Albtraum. Er wurde in der Besenkammer abgestellt, weil dieser WG einfach das Geld fehlte, aber immer noch gut genug für Kassenpatienten ist. Ich muss schon seit Jahren Lithium einnehmen. Mit der Reform der Zuzahlung muss ich dann auf dieses Medikament verzichten, das mir die Jahre eine bessere Lebensqualität ermöglicht hat. Welche Hilfe soll diese Reform haben, wenn am Ende weitaus mehr Kosten den Kassen entstehen als zum Beispiel Lithium? (ktho)