Gianni Infantino will mit neuen Versprechen die Verteidigungslinie schliessen
Im Tauziehen um die Macht im Weltfussball schart der angeschlagene Fifa-Präsident die Administration hinter sich und gesteht Fehler ein. Doch die Opposition bleibt gross. Auch die Justiz soll ermitteln.
06.08.2026, 17.48 Uhr
4 Leseminuten

Der goldene Schuh für Afrika: Fifa-Präsident Gianni Infantino am Final des Afrikacups im Januar.
Ulrik Pedersen / Getty
Das hat es wohl noch nie gegeben in der Geschichte der offiziellen Medienmitteilungen des Weltfussballverbandes: Die Fifa gibt Fehler zu und entschuldigt sich. Ganze dreimal kommt das Wort «Fehler» vor im Communiqué, das in der Nacht auf Donnerstag verschickt worden ist. Dies nach einem Treffen von Präsident Gianni Infantino mit den Spitzen seiner Administration in Marokkos Hauptstadt Rabat.
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Die Fifa-Manager sind loyal
Die «Fehler», die gemacht worden seien, beziehen sich auf den Abbruch der Verkaufspläne von WM-Rechten an private Investoren im Umfeld des amerikanischen Präsidenten Donald Trump. «Es wurde vereinbart, dass es nicht die Absicht war, dass sich der Fifa-Rat und die Fifa-Mitgliedsverbände aus dem Prozess ausgeschlossen fühlen, und dass der Prozess anders hätte gehandhabt werden sollen», steht in der Mitteilung. Es werde «ferner eingeräumt, dass auch Fehler gemacht wurden, nachdem der Vorschlag an die Medien durchgesickert war».
Es ist die jüngste Volte bei Infantinos Versuch, eine Verteidigungslinie zu bilden gegen die Opposition in Europa, Asien sowie Nord- und Mittelamerika. Zu diesem Zweck versucht sich Infantino als ersten Schritt des Rückhalts seiner Mitarbeiter in der operativen Organisation zu versichern, die sich zum Teil am Wochenende gegen den Chef gewandt hatten.
Nicht alle Funktionäre folgten dem Ruf nach Marokko, das mit Spanien und Portugal die WM 2030 ausrichtet. So fehlten Arsène Wenger, Direktor für globale Fussballförderung, und Jill Ellis, Direktorin im Frauenfussball. Auch Kevin Lamour, Chief Operating Officer, war nicht anwesend. Lamour hatte Infantino noch am Freitag vorgeworfen, ihn als Geschäftsführer zusammen mit der Fifa-Belegschaft «mit dem Projekt einer einzelnen Person getäuscht» zu haben.
Hingegen frisch erblüht scheint Mattias Grafströms Loyalität zu Infantino. Der Generalsekretär, auf dem Papier Infantinos wichtigster interner Mitarbeiter, hatte noch am letzten Freitag in einer schriftlichen Mitteilung seine «Unkenntnis über die Verkaufspläne» beklagt und sich über eine «traurige und tadelnswerte Reihe von Ereignissen» sowie «Aufruhr» beschwert. Die Vermutung, dass Grafström Infantino in den Rücken fallen und zur Opposition überlaufen könnte, war falsch.
Denn nach dem Meeting unterschrieb Grafström ein Schreiben an alle Fifa-Verbände und an das 37-köpfige Council, in dem «der Generalsekretär und das anwesende Management-Board ihre uneingeschränkte Unterstützung für Gianni Infantino zusichern als den einzigen offiziellen Repräsentanten, der von den 211 Mitgliedsverbänden gewählt wurde».

Auch vor dem Match zwischen den Frauenteams von Malawi und Sambia in Rabat bietet sich Infantino am Mittwoch die Gelegenheit für Gespräche.
Keystone
Infantinos Botschaft an seine Gegner lautete nicht nur, dass er das Fifa-Management im Abwehrkampf um seine Machterhaltung hinter sich zu wissen glaubt. Sondern es war auch ein präsidialer Hinweis darauf, dass der weltweite Lärm um seine Person nicht das Gremium ist, das ihn aus dem Amt vertreiben wird. Dazu ist einzig der Fifa-Wahlkörper berechtigt, die 211 Vertreter der Landesverbände von Afghanistan bis Zypern.
Zu Infantinos Versuch, nach seinem Desaster mit den gescheiterten Verkaufsabsichten wieder Kommunikationshoheit zurückzugewinnen, gehört das Versprechen einer «Nachbetrachtung» sowohl der Ereignisse rund um den geplatzten 20-Milliarden-Deal als auch eines «Berichts über die internen Abläufe und Prozesse». «Es gibt immer Lehren zu ziehen», heisst es dazu.
Die Uefa bereitet eine Klage vor
Es ist unrealistisch, dass die Verlautbarung aus Rabat Infantinos schärfste Gegner besänftigt. Zu durchsichtig ist der Versuch, die Gründe für den Bruch mit den massgeblichen Akteuren im Fussball zu verwedeln und die Deals an den Gremien vorbei, die Vertuschungen und Heimlichkeiten kleinzureden. Angeführt von der europäischen Konföderation (Uefa) mit dem Präsidenten Aleksander Ceferin wird sich die Opposition nicht ans Fussballer-Motto «Abhaken, nach vorne schauen» halten.
Die Uefa, deren angedrohter Boykott der Fifa-Turniere Infantinos Pläne wesentlich verhindert hatte, verlangt mehr als eine «Nachbetrachtung» – sie verlangt eine Untersuchung sämtlicher Vorgänge rund um die Gründung der Rechteverwerter Fifa Forward Enterprise (FFE). «Wir müssen die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen», schreibt die Uefa. Der Hauptverantwortliche ist Infantino.
Gemäss britischen Medienberichten hat die Uefa bereits die New Yorker Anwaltskanzlei Dechert beauftragt, eine Klage in der Sache vorzubereiten. Die Kanzlei hat der Fifa und namentlich Infantino ein Schreiben zugestellt, nach dem sämtliche Unterlagen, Chat- und E-Mail-Verläufe in Bezug auf die FFE aufbewahrt werden müssen. Das Beseitigen von Unterlagen ist im amerikanischen Justizsystem seit dem Schreiben strafrechtlich relevant.
Die Uefa wird sich nicht damit zufriedengeben, dass die «FFE-Pläne vom Tisch sind», wie die Fifa explizit einräumt. Sie verlangt die Zusicherung, dass die Fifa «Turniere oder die Unternehmensführung nie wieder für private Besitzer öffnet». Dazu äussert sich die Fifa nicht. Ebenso wenig gibt es eine Andeutung zur Frage, ob die Evaluierung für eine weitere Aufblähung der WM auf 64 Teilnehmer gestoppt wird. Am Donnerstag bestätigte die Uefa in einem Statement, dass der WM-Boykott bestehen bleibe.
Wollen die Uefa und ihre Verbündeten in Asien und Nord- und Mittelamerika Infantino loswerden, könnte eine ausserordentliche Delegiertenversammlung mit dem Traktandum «Präsidentenwahl» anberaumt werden. Dafür braucht es entweder eine Mehrheit im Fifa-Rat oder 47 Landesverbände. Doch bis jetzt gibt es niemanden, der sich dafür starkmacht. Auch hat sich kein Gegenkandidat Infantinos ernsthaft in Stellung gebracht. Infantino bleibt.
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