Gleiche Nährwerte – gleich gut für unseren Körper?

Zwei Mahlzeiten – identisch in Bezug auf Kohlenhydrate, Fette, Proteine, Wasser, Kaloriengehalt, Salzgehalt und Gewicht, unterscheiden sich jedoch im Verarbeitungsgrad

AUDIO: Hochverarbeitete Lebensmittel: Gleiche Nährwerte, unterschiedliche Reaktion (1 Min)

Hochverarbeitete Lebensmittel

Stand: 08.10.2026 14:16 Uhr

Zwei unterschiedliche Mahlzeiten, aber exakt dieselben Nährwerte. Müsste unser Körper nach dem Verzehr nicht gleich reagieren? Eigentlich war das die Ausgangsthese. Aber eine neue Studie zeigt ein anderes Ergebnis.

von MDR WISSEN / cd

Hochverarbeitete Lebensmittel sind lecker und bequem. So ist jedenfalls die Idee von Mahlzeiten, die schon weitestgehend vorbereitet und gezielt auf Vorlieben und Geschmacksrichtungen abgestimmt sind. Da sie oft auch preisgünstig und überall verfügbar sind, ist die Akzeptanz entsprechend hoch. Je nachdem, was als "hochverarbeitet" definiert wird, wird der Anteil an unserer Ernährung in Deutschland zwischen 40 und 50 Prozent geschätzt. In anderen Ländern liegt der Anteil noch höher. So zum Beispiel in den USA, wo mehr als die Hälfte aller Mahlzeiten zu dieser Gruppe gehören soll.

Hochverarbeitete Lebensmittel haben gesundheitliche Folgen

Aufgrund der Verfügbarkeit und Praktikabilität essen die Menschen, die sich hochverarbeitet ernähren, häufig auch noch mehr als nötig – was zu gesundheitlichen Folgen wie Adipositas, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Typ-2-Diabetes und sogar Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit führen kann. Aber ist das wirklich einfach nur der puren Menge der Mahlzeiten geschuldet, oder liegt es an den Lebensmitteln selbst? Oder gar an der Verarbeitung?

Dieser Frage haben sich Forschende am Fralin Biomedical Research Institute der Virginia Tech (VTC) in den USA angenommen. "Wir wissen, dass die meisten hochverarbeiteten Lebensmittel einen hohen Fett- und Zuckergehalt aufweisen, aber arm an Ballaststoffen und Proteinen sind", sagte Studienleiter Alex DiFeliceantonio. "Doch wenn wir all diese Faktoren künstlich konstant halten: Gibt es dann etwas an der Verarbeitung selbst, das zu anderen Auswirkungen führt?"

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Zwei sehr unterschiedliche Mahlzeiten

Um das herauszufinden, haben die Forschenden zwei sehr unterschiedliche Mahlzeiten mit jeweils 300 Kalorien zusammengestellt, die exakt die gleichen Nährwerte aufwiesen. Mahlzeit eins, die hochverarbeitete, bestand aus einem Stück Erdnussbutter-Gelee-Sandwich, Putenaufschnitt, veganen Pommes, einem Keks, Frühstückscerealien, Kartoffelpüree aus Instantpulver und etwas Wasser. Die minimal verarbeitete Mahlzeit zwei umfasste eine aufgeschnittene Banane, getrocknete Cranberrys, Käse und ein Ei. "Die beiden Mahlzeiten waren hinsichtlich Kohlenhydraten, Fett, Proteinen, Kalorien, Wasser und Salz bis auf ein Prozent genau aufeinander abgestimmt", sagte Zach Hutelin, Erstautor der Studie.

Wie die Versuche abliefen

57 gesunde Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer im Alter zwischen 18 und 45 Jahren aßen beide Mahlzeiten im Abstand von mindestens drei Tagen. Sie kamen dazu jeweils am Morgen nach einer nächtlichen Fastenperiode und gaben nach der Mahlzeit zeitlich gestaffelt sieben Blutproben ab, mit denen der Stoffwechsel nach der Nahrungsaufnahme gemessen wurde, einschließlich der Insulinreaktion, des Energieverbrauchs und der Kohlenhydratoxidation. "Wir waren überrascht, dass sich jeder einzelne Stoffwechselparameter unterschied", so Hutelin. "Bei den hochverarbeiteten Lebensmitteln stellten wir fest, dass die Insulinreaktion deutlich stärker ausfiel und der Blutzuckerspiegel etwas höher blieb und langsamer sank."

Wir waren überrascht, dass sich jeder einzelne Stoffwechselparameter unterschied Zach Hutelin, Erstautor der Studie

In einem weiteren Versuch, an dem 32 Teilnehmende des ersten Durchgangs beteiligt waren, wurde dann die Gehirnaktivität in Verbindung mit unterschiedlichen Mahlzeiten gemessen. Die Testpersonen bekamen dazu Bilder von Lebensmitteln aus Test 1 vorgelegt und mussten sagen, wie viel sie für die jeweiligen Nahrungsmittel zu zahlen bereit sind (um die Vorlieben in die Ergebnisse miteinbeziehen zu können). Das Ergebnis hier: Das Gehirn zeigte mehr Aktivitäten in den Belohnungsarealen, wenn ein hochverarbeitetes Essen in Aussicht stand.

Die Ergebnisse

Diese Ergebnisse deuten nach Einschätzung der Wissenschaftler darauf hin, dass "die Verarbeitung von Lebensmitteln die Reaktion von Körper und Gehirn auf Nahrung auf eine Weise beeinflussen kann, die über die Faktoren Kohlenhydrate, Fett und Protein hinausgeht". Dies könnte ihnen helfen zu verstehen, "warum hochverarbeitete Lebensmittel mit übermäßigem Verzehr und langfristigen gesundheitlichen Folgen in Verbindung gebracht werden, und neue Forschungsansätze aufzeigen."