Haus der Natur in Goldisthal: Bürger kämpfen um Erhalt

Haus der Natur

AUDIO: Goldisthal muss sparen: Haus der Natur vor dem Aus (2 Min)

Schließung ab 2028 geplant

Museum vor dem Aus: Wie geht’s weiter mit dem Haus der Natur?

von Louisa Krüger, MDR THÜRINGEN

Stand: 26.07.2026 12:30 Uhr

Ein alter Baum, der seine Lebensgeschichte erzählt, eine Miniatur-Schiffsschleuse im Hof, die Geschichte der Goldwäscher in der Region - erklärt auf wenigen Quadratmetern. Damit soll ab 2028 Schluss sein. Das hat der Gemeinderat in Goldisthal beschlossen. Klingt brutal, immerhin stellt das "Haus der Natur" einen Ort des Lernens und des Entdeckens dar. Ist es noch zu retten?

"Es muss erhalten bleiben", sagt Thomas Schmidt aus Föritztal. Er habe aus der Zeitung vom Schicksal des Museums erfahren, in das er und seine Kinder immer gerne gegangen sind. Seine Tochter Isabella habe ihn darauf aufmerksam gemacht. Die beiden gründen Anfang Juli eine Bürgerinitiative, starten dazu eine Initiative und sammeln Unterschriften.

"Das Haus bedeutet ein Stück Identität. Das kann man nicht schließen", so Schmidt. Dass er leideschaftlich um den Erhalt kämpft, merkt man ihm an. Bis jetzt hat die Petition 1.300 Unterschriften eingebracht. Und das nicht nur aus der Umgebung: Sie stammen von Menschen aus Greiz, der Rhön, dem Coburger Raum oder Leipzig.

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Thomas Schmidt aus Föritztal hat eine Bürgerinitiative für den Erhalt des "Hauses der Natur" gegründet. Die Petition hat bislang 1.300 Unterschriften gesammelt.

Außerdem schreibt Schmidt Briefe und mögliche Konzepte unter anderem an den ehrenamtlichen Bürgermeister Kay Machold, den Gemeinderat, den Naturpark Thüringer Wald und das Unternehmen Vattenfall.

Flaggschiff von Vattenfall

Das Pumpspeicherwerk in Goldisthal am Flusslauf der Schwarza ist das größte und modernste seiner Art in Deutschland. Seit 2003 ist es in Betrieb, das Flaggschiff von Vattenfall, wie das Unternehmen selbst zum 20-jährigen Jubiläum schrieb. Mehr als zehn Jahre flossen nach Goldisthal Millionen an Gewerbesteuer. Goldisthal – der Name war Programm. Dann Schwankungen, Rückzahlungen und jetzt aufgebrauchte Rücklagen. Für das Museum hat deshalb der Gemeinderat am 30. Juni das Ende beschlossen.

Welche Möglichkeiten gibt es?

Thomas Schmidt führt in seinen Schreiben an Politik und Wirtschaft Möglichkeiten auf: Kooperationen mit Forst und Museen, Hilfe von Ministerien, finanzielle Unterstützung durch Privatunternehmen. "Man müsste das Haus offiziell zum außerschulischen Lernort machen, denn das ist es schon jetzt", sagt er. Da komme zum Beispiel der Naturpark Thüringer Wald ins Spiel.

Gerald Slotosch, Naturpark-Geschäftsführer, sagt, bereits im August 2025 habe man über die Zukunft des Hauses gesprochen. Es sei schon ernst gewesen, aber die Kommunalaufsicht habe noch mehr Zeit eingeräumt als jetzt. Aber das Museum zu retten, sei eben "ein dickes Brett, das es zu bohren gibt".

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Gerald Slotosch, Geschäftsführer des Naturparks Thüringer Wald, hält eine Rettung des Museums für möglich. Der Naturpark könne sich inhaltlich beteiligen und bei Förderanträgen helfen.

Das sagt auch Bürgermeister Kay Machold. Der habe auch den Naturpark um Hilfe gebeten, so Slotosch. "Mit Worten, ja, aber manchmal reicht auch ein Blick." Machold sagt, der Naturpark sei die große Hoffnung, "ansonsten geht das alles krachen".

Es geht um mehr als das Museum

Auf sein Engagement habe Schmidt bisher von Gemeinde, Ministerium und Vattenfall keine Reaktion erhalten. Schmidt nehme zu wenig Reaktion wahr. Dabei hätte er bereits et. Machold sagt, das Museum sei nach außen hin jetzt das Thema, aber im Grunde habe er mit einer prekären Haushaltslage noch ganz andere Probleme: Gemeindemitarbeiter, Feuerwehr und nicht zuletzt die auf der Kippe stehende Eigenständigkeit einer ganzen Kommune.

Die Goldisthaler selbst stehen, so Macholds Eindruck, in zwei Lagern zum Museum. Außerdem habe man sich in all den Jahren an das Geld in der Kommune gewöhnt. Jetzt sei eben alles anders und man sorge sich um mehr als "nur" um das Museum.

Drei Arbeitsplätze hängen am Museum

Mitarbeiter hat das "Haus der Natur" selbst auch – drei Angestellte. Peggy Reißmann und Andrea Schoner haben selbst, wie sie sagen, aus der Zeitung davon erfahren, wie es um das Haus steht, und sich ein Gespräch gewünscht, eine Vorwarnung vom Bürgermeister. Vor allem, weil sie schon seit Beginn vor mehr als zwölf Jahren dabei sind. Der räumt ein, das tue ihm leid, aber alle Vorhaben seien auch öffentlich.

Der ehrenamtliche Bürgermeister wirkt im Gespräch zum Museum unter Druck. Er sei nach eigenen Angaben so lange in der Kommunalpolitik, wie Vattenfall sein Pumpspeicherwerk in Goldisthal hat. Er habe alles miterlebt. Der vorherige Bürgermeister Andreas Girbarth war 26 Jahre im Dienst. 2022 tritt Girbarth nicht mehr an, Kay Machold wird gewählt.

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eggy Reißmann und Andrea Schoner arbeiten seit mehr als zwölf Jahren im "Haus der Natur". Von der drohenden Schließung erfuhren sie nach eigenen Angaben aus der Zeitung.

Machold, der selbst in der Feuerwehr ist, sagt, man könne es mit Krisenmanagement vergleichen. Seit 2016 muss Goldisthal immer wieder um seinen Haushalt und die Selbstständigkeit kämpfen. Und es steht immer noch aus, ob Vattenfall für dieses Jahr nicht doch noch Geld abwerfen könnte. Die Entscheidung darüber fällt im Herbst. Doch selbst wenn: "Damit ist es nicht getan."

Das Museum ist eine freiwillige Ausgabe

Das Museum "Haus der Natur" ist im Haushalt als freiwillige Ausgabe gelistet. Mit rund 80.000 Euro im Jahr könne man rechnen, sagt Machold. Wenn die Gemeinde Jahr um Jahr in Schwierigkeiten steckt, muss also ein solcher Posten weg. Das schreibt auch die Kommunalaufsicht vor, die nun Druck macht, aber immerhin noch Spielraum lässt.

Besucherzahlen sprechen gegen ein schlecht laufendes Museum

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Das "Haus der Natur" zählte 2017 rund 12.300 Besucher, 2023 waren es noch 9.200. Nach Angaben des Museums kommen auch weniger Schülergruppen, unter anderem wegen der Buskosten.

Dem Eindruck, der entstehen könnte, das Museum selbst laufe schlecht, widersprechen die Zahlen. Im Jahr 2017 zählte es rund 12.300 Besucher, 2023 waren es 9.200. Bei den Schülergruppen sind es etwa zehn weniger im Vergleichszeitraum, laut Museum auch, weil viele sich den Bus nicht leisten können oder der Besuch ganz und gar gestrichen werde. Luft nach oben, ja, aber schlecht laufe es nicht - so interpretiert es auch Slotosch.

Naturpark sieht Chancen für eine Rettung

Das "Haus der Natur" könne gerettet werden, so der Naturpark-Geschäftsführer, etwa indem es zum "außerschulischen Lernort" wird und damit fester in der Thüringer Bildungslandschaft verankert wird. Auch Erwachsenenbildung und Angebote zu nachhaltiger Entwicklung seien existenziell, weil es dafür Fördermittel geben kann. Der Naturpark könne und werde inhaltlich einspringen, Geld mitbeantragen. Goldisthal sei Kooperationspartner, "und da wollen und müssen wir helfen". Nur direkt finanziell kann sich der Naturpark nicht beteiligen.

Aber auch Hilfen aus der Privatwirtschaft, die etwa das Museum für eine bestimmte Zeit lang absichern könnten, würden helfen. Außerdem wollen Naturpark, Initiative und Gemeinde mit den Kreisen sprechen, damit Busverbindungen mehr ineinandergreifen und für Schulen attraktiver seien. "Es darf dann keine Denkverbote geben", sind sich Schmidt und Slotosch einig.

Gemeinsames Treffen soll Lösungen bringen

Mitte August wollen alle im Haus der Natur zusammenkommen und darüber sprechen, welche Hebel noch in Bewegung gesetzt werden können, um das Museum zu sichern. Die Schließung über den Gemeinderat wieder zurückzunehmen, das sei möglich. Slotosch sagt, man müsse auch noch einmal in Goldisthal mit den Menschen sprechen, um den Rückhalt der Petition auch sichtbar zu machen.

Auf die Frage, ob das gemeinsame Treffen eine Art Krisensitzung sei, sagt Bürgermeister Machold: "Wir müssen da vor allem Lösungen finden."

MDR (lou/mad)