Gratis-Test gegen Magenkeim in München – 13.000 Krebsfälle vermeidbar

Stand: 26.08.2026, 08:30 Uhr

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Ulrich Lang mit Patientin

Einsatz für die Studie: Ulrich Lang mit Teilnehmerin Adi Cohen Häusler. © Oliver Bodmer

Jeder Dritte in Deutschland trägt das Bakterium Helicobacter pylori in sich. Die Studie an LMU und TUM soll Magenkarzinome früher erkennen.

München – Unsichtbar, weitverbreitet – und ein großes Problem: Rund 33 Millionen Menschen in Deutschland tragen den Magenkeim Helicobacter pylori in sich. Das Bakterium verursacht eine chronische Magenschleimhautentzündung, die zu Geschwüren und Krebs führen kann. Für eine schnellere Krebs-Früherkennung gibt es einen richtungweisenden Test.

Helicobacter pylori ist für etwa 90 Prozent aller Magenkarzinomfälle weltweit verantwortlich. Jeder Dritte ist in Deutschland bereits mit dem Magenkeim infiziert. „Jährlich kommen 15.000 neue Diagnosen hinzu“, sagt Prof. Christian Schulz, Leitender Oberarzt der Medizinischen Klinik II am LMU Klinikum. „Doch durch eine frühzeitige Diagnose könnten 13.000 Magenkrebs-Erkrankungen jedes Jahr verhindert werden.“ Um schneller vorgehen zu können, leiten die beiden großen Münchner Unikliniken von LMU und TUM unter dem Dach des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung die derzeit größte Studie zur Infektion mit Helicobacter pylori. In dieser „HelicoPTER-Studie“ kann man sich kostenfrei auf das Bakterium testen lassen.

Professor Christian Schulz

Professor Christian Schulz, Leitender Oberarzt der Medizinischen Klinik II am LMU Klinikum. © Bert Woodward

Helicobacter pylori wird von Mensch zu Mensch übertragen. Das Bakterium wird vor allem über den Mund aufgenommen. Meist werden Kinder von den Eltern angesteckt, etwa, wenn Mama oder Papa den Löffel beim Füttern des Nachwuchses abschlecken. Im Erwachsenenalter ist die Neuansteckung hierzulande eher selten. Ist das Bakterium im Körper, setzt es sich an der Magenwand fest. Dort ist es vor der Magensäure geschützt, die es ansonsten abtöten würde. An dieser Stelle ist es für die Körperabwehr kaum erreichbar und bleibt oft ein Leben lang im Magen. Schlimme Folge: Der Keim verursacht eine dauerhafte Entzündung (Gastritis). Zehn bis 20 Prozent der Betroffenen entwickeln schmerzhafte Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwüre. Ein bis zwei Prozent erkranken an einem Magenkarzinom.

Ich würde es nicht darauf ankommen lassen, mit dem Bakterium zu leben.

Der kostenlose Test findet am LMU Klinikum Campus Großhadern (Marchioninistraße 15), am Campus Innenstadt (Ziemssenstraße 5) und an der TUM (Trogerstraße 30) statt. Zunächst müssen die Teilnehmer der Studie einen Fragebogen ausfüllen, etwa Angaben über Krankheiten oder Medikamente machen. Dauer: 30 Minuten. Danach folgt eine Blutabnahme. Zusätzlich benötigen die Mediziner noch eine Stuhlprobe, die zu Hause entnommen und eingeschickt werden kann. „Ist der Bluttest negativ, erhält man das Ergebnis per Post und braucht keine weiteren Untersuchungen mehr“, erklärt Studienkoordinator Ulrich Lang. Ist der Bluttest positiv, folgt ein Atemtest, den Betroffene daheim durchführen können. Lang: „Ist auch dieser positiv, wird eine Magenspiegelung durchgeführt.“ Diese Untersuchung hängt aber nicht nur von einer Helicobacter-Infektion ab, sondern auch von Risikofaktoren wie genetischer Veranlagung und höherem Alter. Entscheidend ist eine Eradikationstherapie, also eine intensive Behandlung mit Antibiotika. „Jedoch werden immer häufiger Antibiotika-Resistenzen beobachtet. Daher wird in der Studie zusätzlich erfasst, wie gut die Antibiotika wirken“, erklärt der Studienkoordinator.

Innenstadt Klinikum

Ein Studienzentrum: Das LMU Klinikum Innenstadt. © Oliver Bodmer

Unter den mittlerweile 7500 Teilnehmern ist auch Ergotherapeutin Adi Cohen Häusler (46). „Meine Mutter hat schon sehr lange schwere Magenprobleme, sie leidet an Krämpfen und Blähungen. Deshalb wollte ich wissen, ob ich mit Helicobacter pylori infiziert bin“, sagt die Münchnerin. „Ich hatte selbst gar keine Beschwerden. Doch mein Test war positiv, das Bakterium wurde in meinem Magen nachgewiesen.“ Bei Adi Cohen Häusler war eine Magenspiegelung in Großhadern nötig. „Diese ist vollkommen problemlos und schmerzfrei verlaufen“, berichtet sie. „Ich musste mich um nichts kümmern. Deshalb kann ich nur jedem raten, sich testen zu lassen. So kann man frühzeitig eine Therapie anfangen.“ Auch bei der Ergotherapeutin wurden die effektivsten Medikamente ermittelt.

Was gerade der Fall der Münchnerin eindrucksvoll zeigt, das erklärt Prof. Schulz, einer der Leiter der Studie: „Auch wenn man keine Schmerzen hat, kann man den Magenkeim in sich tragen.“ Denn die chronische Entzündung schwele über Jahre vollkommen unbemerkt im Hintergrund. „Beschwerden wie Sodbrennen, Magendrücken, Übelkeit oder stechende Schmerzen treten meist erst dann auf, wenn sich bereits ein Geschwür gebildet hat.“ Die Therapie von Helicobacter pylori erfolge immer aus einer Kombination von mehreren Antibiotika und einem Säurehemmer. Prof. Schulz: „Angesetzt sind für den Patienten im Schnitt zehn bis 14 Tage.“ Nach einer erfolgreichen Antibiotika-Therapie ist das Risiko einer erneuten Infektion bei Erwachsenen hierzulande sehr gering, allerdings auch nicht ganz ausgeschlossen.

Eines ist dem stellvertretenden Klinikdirektor noch wichtig: „Die Angst, dass bei der Behandlung ein Säurehemmer wie Pantoprazol gesundheitsgefährdend ist, ist unbegründet. Das Medikament schützt vielmehr, indem es die Abheilung der geschädigten Magenschleimhaut ermöglicht“, betont Prof. Schulz. „Die wahre Krebsgefahr geht nicht von Pantoprazol aus, sondern von einer unentdeckten Helicobacter-Infektion.“

So nehmen Sie an der Großstudie teil

Mehr zur Studie gibt es online unter helicobacter-testen.de. Dort können Sie einen Termin buchen. Sie können die Studienzentren auch kontaktieren: Klinikum Rechts der Isar, Technische Universität München, E-Mail: [email protected], Tel. 089/ 41 40-41 49 oder 0152/ 25 86 71 09. LMU Klinikum Campus Innenstadt und Campus Großhadern, E-Mail: [email protected], Telefon: 089/ 44 00-772 85 oder 0152/ 54 57 15 45. Wenn Sie den QR-Code unten scannen, kommen Sie direkt zur Studie.

QR-Helicobacter-Studie

Der QR-Code zur Helicobacter-Studie. © LMU