Groß angelegte Übung: Ich war dank Cattenom verstrahlt – zum Glück nur auf dem Papier (Fotos)

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Groß angelegte Übung Ich war dank Cattenom verstrahlt – zum Glück nur auf dem Papier (Fotos)

Was passiert bei einem schweren Cattenom-Störfall? Das Horror-Szenario wurde in Konz mit gut 140 Einsatzkräften und 100 Statisten geprobt. Unser Autor war mitten im Geschehen dabei und spielte eine Rolle.

25.10.2026 , 21:05 Uhr

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25.10.2026

Katastrophenschutz-Übung. In Cattenom soll es einen schweren Störfall gegeben haben. Das waren die Vorzeichen der Notfallübung am 24. Oktober. Um 9 Uhr steht eine Gruppe von gut 80 Freiwilligen auf dem Parkplatz von Möbel Martin in Konz (Rheinland-Pfalz). Ein Feuerwehrmann erklärt den Ablauf. Wir sollen unsere Rollen bekommen, manche sogar zwei. Einige Rollen sind so angelegt, dass sie kontaminiert sind, andere haben eine Behinderung, wieder andere simulieren Panikattacken. Ich habe einigermaßen Glück mit meiner Rolle, die Badehose muss ich trotzdem anziehen.

Als Statist bin ich über 70, aus der Nähe von Cattenom, aber immerhin Saarländer

Ich heiße für die kommenden Stunden Simon Stoffels, geboren am 18. Mai 1953, wohnhaft in Oberleuken (Landkreis Merzig-Wadern). Das steht auf dem Zettel, den man mir in die Hand drückt. Dazu die Info: Arme und Oberkörper sind kontaminiert. Meine Schwester geht nicht ans Telefon. Und aus dem Radio, so das Drehbuch, habe ich gehört: Alle Menschen in Wadern seien tot.

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25.04.2026

Nach einer guten Stunde Warten geht es ab 10 Uhr dann relativ schnell. Die Übung beginnt und der erste Schwung Statisten fährt selbstständig mit dem Auto zum Schulzentrum von Konz. Das sind zwar nur fünf Minuten Autofahrt, aber auf der Strecke herrscht oft Stau. Schon auf der Fahrt zum Schulzentrum werde ich ungeduldig. Ich habe das Gefühl, nicht schnell genug voranzukommen.

Nach der Schleuse geht es schnell – und nicht fehlerfrei

Im Schulzentrum geht es schnell weiter. Eingewiesen, geschleust, gemessen. Kaum Zeit zum Nachdenken. Die Einsatzkräfte arbeiten konzentriert, die Messgeräte „piepen“. Die erste Prüfung endet mit dem Urteil: ab unter die Dusche. Ich gehe und stehe pudelnass erneut vor einem Messgerät. Das Ergebnis ist weiterhin schlecht: Ich sei weiterhin kontaminiert. Zweite Dusche.

Ein Versehen, wie mir ein Feuerwehrmann später erklärt. In der Übung ist das harmlos. Im Ernstfall wären so wahrscheinlich fünf Minuten für weitere Kontaminierte verloren.

Zwischen den beiden Duschgängen wird meine Rolle kurz angezweifelt. Ich soll über „furchtbare Kopfschmerzen“ sprechen, und klage mein Leid entsprechend einem Helfer gegenüber. Der schaut mich ernst an. „Jetzt echt?“, fragt er besorgt. „Nee, in meiner Rolle“, sage ich und muss dann doch lachen. Es ist absurd, aber man merkt, wie schnell aus Spaß ernste Gesichter werden.

Banges Warten auf Entwarnung – bin ich weiter verstrahlt?

Am Ende der Schleuse gibt es einen Wartebereich, in dem man seine Sorgen loswerden kann. Ich erzähle von meiner Schwester, die sich nicht meldet. Notfallseelsorger hören zu, Ärzte prüfen, irgendwann kommt die gute Nachricht: gesundheitliche Entwarnung. Ich bin wieder sauber. Wie es um die fiktive Schwester steht, weiß ich trotzdem nicht. Die Sorge bleibt, wenn auch nur gespielt.

Dann ist die Übung für mich vorbei und es ist Zeit fürs Mittagessen. Zum Abschluss gibt es Gulaschsuppe oder eine vegetarische Alternative. Das Gesprächsthema Nummer eins am Tisch: Wer war verstrahlt? Die Stimmung ist wieder locker, wird aber nachdenklich, sobald jemand an die echte Lage denkt.

Was die Verantwortlichen zur Cattenom-Übung sagen

Im anschließenden Pressegespräch spricht Landrat Stefan Metzdorf (SPD / Kreis Trier-Saarburg) von der „Notwendigkeit“ der Übung und nennt sie „gelebte Verantwortung“, keine Panikmache. Auch René Schubert, Präsident des Landesamtes für Brand- und Katastrophenschutz, ist angereist. Das Notfallzentrum sieht er als „Puzzleteil“ im Katastrophenschutz. Ein akuter Bedarf bestehe nicht, betont er abermals. Die Aktion sei langfristig vorbereitet worden.

Das erste Fazit zur Übung fällt positiv aus. Brand- und Katastrophenschutzinspekteur Thorsten Petry zieht ein klares Fazit: der Durchlauf habe „supergut funktioniert.“ Die letzte Übung dieser Größe liege 14 Jahre zurück. Sechs Monate Planung stecken darin, ergänzt der stellvertretende Fachbereichsleiter Dekon Florian Weier.

Die Zahlen: elf Stationen, über 140 Einsatzkräfte, 100 Statisten. Die Stationen reichen von der Verkehrslenkung über Kontaminationsprüfung und Dekontamination bis zur strahlenmedizinischen Begutachtung. Die Station ist ein freiwilliges Angebot. Nicht jeder muss hin. In einem Katastrophenfall gehen Schätzungen ohnehin davon aus, dass mehr als 80 Prozent der Bürger aus den Regionen um Cattenom fliehen würden. Pro betroffenem Landkreis würde je ein Notfallzentrum installiert, das jedoch auf auswärtige Hilfe angewiesen wäre.

Was passiert im Falle einer echten Cattenom-Havarie?

Am Ende bleibt eine Frage, die mich nach dem Gulasch nicht loslässt. Wie schnell meldet Cattenom eine Havarie? Wie steht der Wind an diesem Tag? Ich nehme aus Konz einen Duschgang, einen erfundenen Kopfschmerz und zwei Erkenntnisse mit: Im Ernstfall würde es nicht so gesittet zugehen. Und Cattenom bleibt keine Übung, sondern eine Realität vor der Haustür. (lwg)