Kellner bahnen sich mit Sektgläsern einen Weg durch die etwa 130 Gäste im Foyer des Deutschen Filmmuseums in Frankfurt. Am Ende eines gut 15 Meter langen roten Teppichs können sich Filmschaffende und Kinobetreiber vor einer Fotowand mit der Aufschrift „Hessischer Film & Kinopreis“ ablichten lassen. Wenig später beginnt in dem Kino im Keller des Filmmuseums die Preisverleihung. „Der Vorteil eines so kleinen Saales ist, man ist sofort auf der Bühne“, sagt der hessische Kulturminister Timon Gremmels (SPD) zu Beginn. Einige im Publikum lachen.
Nachdem die Gala in der Alten Oper für den Filmpreis 2026 im vergangenen Jahr abgesagt worden war, war es zeitweise offen, ob es weiter Preise geben wird. 557.000 Euro kostete im vergangenen Jahr allein die Gala laut einer Sprecherin des Kulturministeriums. Dieses Jahr seien zum Vergleich 100.000 für die Preisverleihung budgetiert. Die Summe der Preisgelder sei mit 265.000 Euro gleichgeblieben. Somit habe sich hauptsächlich der Rahmen des hessischen Filmpreises verändert.
Der beste Spielfilm und der beste Dokumentarfilm
Die Auszeichnung für den besten Spielfilm 2026 ging an Katharina Rivilis für „I’ll be gone in June“. Der Film handelt von der sechzehnjährigen Franny, die in der Zeit um den 11. September 2001 als Austauschschülerin nach New Mexiko, USA kommt. Rivilis war selbst als Schülerin in den USA. „Persönliche Erinnerung, historische Zäsur und jugendliche Sehnsucht verschmelzen zu einem Kinoerlebnis von großer sinnlicher Kraft“, teilte die Jury mit. „Es ist schön, dass Hessen an uns glaubt“, sagte Rivilis, die in Darmstadt aufwuchs, in ihrer Rede.

Andrzej Klamt erhielt für „Sieben Kreise der Hölle“ den Preis für den besten Dokumentarfilm. Klamt und sein Team begleiteten für die Dokumentation ukrainische Soldaten. „Entstanden sind kurze Portraits über Menschen, denen der Krieg alles genommen hat“, begründet die Jury. Beide Preise sind mit jeweils 15.000 Euro dotiert.
Der mit 5000 Euro dotierte Preis für das beste Drehbuch ging an „Brennende Haut“ von Behrooz Karamizade und Sanaz Ghotb. Den Preis für den besten Kurzfilm erhielten Emma Hütt und Tina Muffler für „Bleifrei 95“. Als besten Hochschulabschlussfilm wählte die Jury „Blut und Wasser“ von Nathalie Linke und Johanna Best aus.
Einige Preisträger waren bereits bekannt, Tränen gab es dennoch
Obwohl die Preisträger des QMS Respect Award bereits im Voraus feststanden, gab es auf der Bühne doch einige Freudentränen. Karin Hanczewski und Godehard Giese initiierten 2021 die Coming-out-Aktion #ActOut, mit der 185 Schauspielerinnen und Schauspieler sich als schwul, lesbisch, bi, queer, nicht-binär und trans outeten und verschlossene Türen in Sendern und Theatern kritisierten. „Lasst uns füreinander einstehen – gerade jetzt“, sagte Giese auf der Bühne. Den mit 5000 Euro dotierten Nachwuchspreis verlieh Kulturminister Gremmels an den Regisseur und Drehbuchautor Joscha Bongard aus Kassel, der in seiner Rede „laute Stimmen“ aus der Mitte der Gesellschaft forderte.

Mit dem Preis der Frankfurter Buchmesse für die beste Adaption wurde der Film „Heimsuchung – Eine Jahrhundertgeschichte“ von Regisseur und Drehbuchautor Volker Schlöndorff ausgezeichnet. Die Geschichte basiert auf Jenny Erpenbecks gleichnamigem Roman. „Ich hasse das Wort Verfilmung, das klingt wie Verwurstung“, sagte Schlöndorff auf der Bühne. Das eine sei ein Buch, das andere ein Film. Nur die Haltung könne man übertragen. Erpenbeck, die mit Schlöndorff gemeinsam an dem Drehbuch gearbeitet hatte und ebenfalls anwesend war, sagte, dass sie sich freue, den Preis der Buchmesse so auf Umwegen bekommen zu haben. „Für mich ist der ganze Film ein großes Geschenk.“
Mit dem Kinopreis, der an Betreiber von Filmtheatern verliehen wird, wurden dieses Jahr 21 gewerbliche Kinos mit insgesamt 177.000 Euro sowie zehn nicht gewerbliche Kinos mit zusammen 38.000 Euro gefördert. Da auf der Bühne nicht genug Platz für alle Kinobetreiber war, wurden die Urkunden durchgereicht.
Nächstes Jahr soll es wieder größer werden
„Ich finde die Entscheidung vollkommen richtig, an der Aufmachung und nicht an den Preisen zu sparen“, sagt Bongard. „Die Preisgelder sind das, wovon viele Leute leben.“ Auch Regisseur Schlöndorff sagte gegenüber der F.A.Z.: „Ich finde das so viel angemessener.“ Die Preisverleihung habe so „etwas Intimes“. Schauspielerin Nina Kunzendorf meinte hingegen, sie finde es „ein bisschen sehr klein“. Es wäre toll, wenn wieder alle anwesend sein könnten, die an den Filmen mitgewirkt haben.
Dass viele ihre Begleitung nicht hätten mitbringen können, bedauerte Kulturminister Gremmels. Am Ende der Preisverleihung versprach er, dass es mit dem Filmpreis weitergehen und für das nächste Jahr eine größere Location gefunden werden würde.