Hitze legt geheimnisvolles „Atlantis“ in beliebtem Stausee frei – direkt an der Grenze zu NRW

Stand: 30.07.2026, 19:00 Uhr

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Am Edersee legt die Trockenheit große Flächen des Seebodens frei. Mit dem sinkenden Pegel taucht ein Bauwerk auf, das sonst unter Wasser liegt. Für Menschen aus NRW ein perfekts Ausflugsziel.

Hamm/Waldeck – Die anhaltende Hitze und Trockenheit in NRW und den Nachbarregionen macht sich auch am Edersee in Nordhessen bemerkbar – und zwar auf spektakuläre Weise. Der beliebte Stausee, der bei vielen NRWlern als Ausflugsziel für Wochenendtrips und Kurzurlaube gilt, ist mitten in der Sommerferien-Saison nur noch zu rund 19 Prozent (Stand: 30. Juli 2026) gefüllt. Ein Großteil des Sees ist bereits trockengefallen. Was für Wassersportler und Betriebe vor Ort ein handfestes Problem ist, offenbart Ausflüglern gleichzeitig ein einzigartiges Schauspiel: das sogenannte Edersee-Atlantis.

Niedrigwasser im Edersee

Die Aseler Brücke sollte zu dieser Jahreszeit vom Stausee überspült sein. © Stefan Rampfel/dpa

Gemeint sind die Überreste dreier Dörfer, die vor über 100 Jahren dem Bau der Edertalsperre weichen mussten. Für die Wasserversorgung von Weser und Mittellandkanal wurden zwischen 1908 und 1914 die Orte Asel, Berich und Bringhausen geflutet, rund 900 Menschen mussten ihre Heimat verlassen. Normalerweise liegen die Ruinen bis zu zehn Meter unter Wasser. Durch den historisch frühen und starken Wasserrückgang in diesem Sommer sind sie schon jetzt sichtbar – deutlich früher als in den Vorjahren.

Aseler Brücke wird begehbar – der Edersee zeigt seine Geheimnisse

Besonders eindrucksvoll: die Aseler Brücke, ein viergewölbtes Bauwerk, das bei einem Pegel von 235,10 Metern über Normalnull auftaucht und begehbar ist. Aktuell sind zudem die Dorfstellen von Berich und Alt-Bringhausen zu sehen, wie eine Sprecherin der Edersee Marketing GmbH bestätigte. Wer möchte, kann über den ausgetrocknete Seeboden wandern und sich mit der kostenlosen „Edersee-Atlantis-App“ per Augmented Reality zeigen lassen, wie die alten Gebäude einst aussahen.

Für die Tourismusbranche vor Ort ist die Situation dagegen alles andere als ein Grund zur Freude. Wassersportangebote sind auf den Bereich um die Sperrmauer beschränkt, Betriebe klagen laut Regionalverband Eder-Diemel über Umsatzeinbußen von bis zu 50 Prozent. Grund für das frühe Niedrigwasser ist laut dem zuständigen Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Weser die anhaltende Trockenheit in den Einzugsgebieten von Werra, Fulda und Eder, wodurch die Talsperre schon früher als sonst zur Stützung der Weser herangezogen werden musste.

Für Ausflügler bleibt der Edersee, der auch eine besondere Rolle für den Tourismus in NRW spielt, dennoch attraktiv – nur eben anders als gewohnt. Statt Baden und Bootfahren stehen in diesem Sommer Wandern, Radfahren und die Zeitreise auf dem Seegrund im Vordergrund. Wer das mysteriöse Atlantis besuchen möchte, sollte sich vor der Anfahrt über den aktuellen Wasserstand informieren, da sich die sichtbaren Stellen je nach Pegel laufend verändern. (maho/dpa)