Stand: 03.08.2026, 06:00 Uhr
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Der Kelkheimer hat seit 1973 rund 100.000 Kilometer erlaufen. Dazu pfiff er 3000 Fußballspiele als Schiedsrichter – das letzte mit 80 Jahren.
Kelkheim – Horst Jendrasch hat die Welt laufend gleich zweieinhalb Mal umrundet. Seit er 1973 etwas gegen seine zu vielen Kilos habe tun wollen, seien bis Ende 2025 rund 100.000 Kilometer joggend zusammengekommen. Das hat der umtriebige Kelkheimer grob ausgerechnet und liefert gleich weitere Zahlen mit: 136 Marathons hat er gemeistert, darunter 33 Mal Frankfurt, zudem 40 der bekannten 100-Kilometer-Läufe von Biel in der Schweiz. „Ich hatte Übergewicht, da muss sich was ändern“, erinnert sich Jendrasch noch an seine Motivation. Grob notiert hat er dazu noch die Monatsleistungen, wo er in der Spitze bei rund 3.500 Kilometern lag.

Zahlen, die er heute sicher auch präsentieren wird. Jendrasch feiert seinen 90. Geburtstag. Zwar joggt er inzwischen nicht mehr, spult aber jeden Tag noch mit dem Rollator seine zwei, drei Kilometer in Kelkheim ab. Und ist bekannt wie der sprichwörtliche bunte Hund. Jendrasch hat nicht nur die Laufabteilung der TuS Hornau 1977 gegründet und elf Jahre geleitet. Er hat den Sport im Main-Taunus-Kreis als Fußball-Schiedsrichter geprägt. Um die 3000 Spiele dürften es offiziell gewesen sein, hat er seiner akribisch geführten Liste entlockt. In der damaligen Heimat in der Pfalz fing er an, weil sein Post-Chef auch Schiedsrichter-Obmann war und er Interesse an diesem Ehrenamt hatte. Das A-Jugend-Pokalspiel Dielkirchen gegen Langweil endete am 4. April 1965 mit 2:3. Mit 80 Jahren, also 2016, pfiff er eine D-Jugend-Partie in Schwanheim dann letztmals ab.
„Ich habe mich immer durchgebissen und wollte mit meiner Leistung zufrieden sein“, sagt Jendrasch, der sich an einen Abbruch unter seiner Pfeife nicht erinnern kann, wohl aber an „ein paar ruppige“ Spiele. Wichtig sei es ihm immer gewesen, die Kicker gleich zu behandeln. Damit sei er gut gefahren, so der 90-Jährige, der bis zur 1. Amateurliga Südwest und hier in der Region in der Verbandsliga pfiff, als Linienrichter in der Pfalz sogar in der Oberliga mit dem 1. FC Kaiserslautern. Früher seien die Partien aber auch leichter zu leiten gewesen, heute werde viel mehr „lamentiert“, gebe es häufiger „Rudelbildungen“. Jendrasch: „Wenn man früher gepfiffen hat, dann war Ruhe.“ Allerdings seien die Leistungen der Kollegen etwa zuletzt bei der Weltmeisterschaft „nicht so berühmt“ gewesen, so der Jubilar, der auch vom umstrittenen Videobeweis nichts hält.
Seinen stolzen Geburtstag kommentiert die Frohnatur mit den Worten: „Ist doch kein Problem. Kann doch jedem mal passieren.“ Und er weiß: „Es kommt auf die Einstellung an. Es macht keinen Sinn, sich ins Eck zu setzen und Trübsal zu blasen.“ Das bezieht er auf seine Schicksalsschläge, als nacheinander erst sein Sohn, dann seine Tochter und seine Frau gestorben waren. Fast 20 Jahre teilte er sein Hobby Joggen mit der Tochter, während seine Frau ihn oft begleitete. 60 Jahre waren sie verheiratet. Die Familie hielt auch früher zusammen. Jendrasch flüchtete mit der Mutter und den drei Brüdern, der Vater war schon früh gestorben, 1945 von Breslau nach Bayern. Dann ging es in die Pfalz, wo er seine eigene Familie gründete.
Beruflich war er zunächst auf dem Bau unterwegs, in den damals noch harten Wintern aber stets ohne Job. Die Anzeige der Deutschen Post kam ihm da gerade recht. 30 Jahre war er als Briefträger und Paketzusteller dann in seiner seit 1970 neuen Heimat Kelkheim unterwegs. Einmal habe ihn in Biel beim Lauf ein Auto angefahren, erinnert er sich. In der Klinik wurde die Platzwunde am Kopf ohne Betäubung schnell genäht, das 100-Kilometer-Rennen durfte er gehend beenden. „Ich wollte die Serie ja nicht unterbrechen“, sagt er mit einem Augenzwinkern.
Der umtriebige Kelkheimer ist auch ein Mann mit einem großen Herzen. Als diese Zeitung Helfer für den Offensiv-Cup und den Kreisstadt-Lauf zugunsten der Stiftung Leberecht suchte, war Jendrasch vorne dran, half bei Organisation, Theke, Aufräumen, joggte beim HK-Lauf selbst mit. Jendrasch gehörte ja auch einigen Kreisgremien der Fußballer an, war fast 30 Jahre Obmann der Altfußballer in Kreis, Bezirk und sogar Land. Kein Wunder, dass ihm erst der Ehrenbrief des Landes Hessen, dann die DFB-Verdienstnadel verliehen wurden. „Man muss unter die Leute gehen, sonst stumpft man ab“, so sein Credo. Das praktiziert er noch immer. Sein Auto hat er im Vorjahr abgegeben, sich der Seniorengruppe der evangelischen Lukasgemeinde angeschlossen. „30 Damen und ein Mann, das funktioniert“, schmunzelt er. Bewegung sei immer sein Erfolgsrezept gewesen. Jendrasch schmeißt den Haushalt noch ganz alleine, verfolgt das Kelkheimer und das Sportgeschehen in dieser Zeitung. Wünsche habe er keine mehr: „Da bleiben die Erinnerungen, und die sind überwiegend positiv.“ Mit Blick auf den Fußball hofft er aber schon: „Sie sollten den Fußball so lassen, wie er mal war. Es geht echt nur noch ums Geld. Fußball ist so ein schöner Sport, er muss nur ordentlich ausgeführt werden.“