„Ich verprasse das Erbe meiner Kinder“: Luxus-Hotelkette verfügt nun über exklusives Kreuzfahrtschiff

Hotelkette schickt Luxuskreuzer aufs Mittelmeer, Preis hat es in sich: „Verprasse das Erbe meiner Kinder“

Stand: 06.08.2026, 13:06 Uhr

Kommentare

Uns auf Google folgen

Die Hotelkette Four Seasons erobert den Kreuzfahrtsektor. Passagierin Francesca Syz berichtet von ihrem Abenteuer auf See und von happigen Preisen.

Venedig – Wenn ich einen Euro für jede Person bekäme, die ich an Bord der Four Seasons 1 treffe und die mir erzählt, dass sie normalerweise keine Kreuzfahrten macht, wäre ich eine sehr wohlhabende Frau. Gut, es sind nur 195 Menschen auf meiner Kreuzfahrt (oder besser: meiner Jacht), also wäre ich nicht ganz so wohlhabend. Um das Kreuzfahrt-/Jacht-Dilemma gleich zu klären: Dieses 679 Fuß (0,21 km) lange Schiff mit 15 Decks, dessen Bau rund 385 Millionen Euro gekostet hat, hat „Allüren“.

Content-Partnerschaft

Dieser Artikel von Francesca Syz entstand in Kooperation mit telegraph.co.uk.

Es hält sich für eine Jacht, aber alle anderen wissen, dass keine echte Jacht 195 Gäste beherbergt. Offensichtlich hat sich das Branding-Team von Four Seasons auf „Jacht“ festgelegt, weil es schicker klingt. Dennoch, nachdem ich gerade zu einer siebennächtigen Route entlang der dalmatinischen Küste (Venedig–Dubrovnik) an Bord gegangen bin, lässt es sich nicht leugnen: Dieses elegant-schlanke All-Suite-Schiff – entworfen, um an die berühmte Privatyacht Christina O von Aristoteles Onassis zu erinnern – versprüht echte Superjacht-Vibes.

Four Seasons 1

Luxus-Kreuzfahrt: Für eine Reise mit der Four Seasons 1 müssen Passagiere tief in die Taschen greifen. © Screenshots/Instagram/fourseasonsyacht

Und bei einem Betreuungsverhältnis von eins zu eins zwischen Personal und Gästen, dem perfekt austarierten Four-Seasons-Service und der Tatsache, dass das Schiff klein genug ist, um in versteckte Buchten zu gleiten, verzeiht man ihnen die Bezeichnung „Jacht“ schnell. Four Seasons ist eine jener Hotelmarken, von denen Menschen geradezu besessen sein können und darauf bestehen, überall auf der Welt in einem Haus der Gruppe zu übernachten – erst recht seit ihrer prominenten Rolle in der HBO-Dramedy White Lotus. Doch werden die Anhänger der Marke ihr auch aufs Meer folgen, und kann sie dort das gleiche Qualitätsniveau liefern?

Hotelkette Four Seasons hat nun ein eigenes Kreuzfahrtschiff: Einwöchige Reise für über 20.000 Euro

Zum Team hinter dem Projekt gehören der angesagte Hoteldesigner Martin Brudnizki und Prosper Assouline, der als Maßstab für wunderschöne Coffeetable-Bücher gilt, viele davon über Hotels. Hinzu kommen modernste Meerestechnologie, darunter Stabilisatoren, die das auf See übliche Stampfen und Rollen nahezu vollständig eliminieren. Meine Superior-Seaview-Suite gehört mit 44 Quadratmetern zu den kleineren Unterkünften an Bord, ist aber dennoch enorm. Sie ist so schön wie einige der besten Hotelzimmer, in denen ich je übernachtet habe, und verfügt über eine großzügige private Terrasse mit Tagesbett.

Eine einwöchige Reise kostet ab etwa 24.000 Euro pro Suite. Am oberen Ende der Skala kann das reichste Promille die dreischlafzimmerige, sich über vier Decks erstreckende Funnel Suite für 173.000 Euro oder mehr buchen. Die Kabine bietet neben der typischen Matratze und den Kissen von Four Seasons weitere herausragende Merkmale: ein wunderschönes, von Sonnenstrahlen inspiriertes Intarsien-Kopfteil, einen Glasschrank mit interessanten, vom Meer inspirierten Objekten und einen bodenstehenden Bang-&-Olufsen-Fernseher, der im ausgeschalteten Zustand transparent wird, um die Aussicht nicht zu beeinträchtigen.

Das Schiff verfügt über 15 Decks, sodass es sich nie überfüllt anfühlt. Es gibt elf Restaurants und Bars, darunter das gute mediterrane Poolrestaurant Terrasse, die ausgezeichnete japanische Omakase-Theke Miuna und das fantasievolle Fine-Dining-Restaurant Sedna. Daneben warten entspannendere Bereiche wie The Salon, ein büchergefülltes Kaminzimmer mit Livemusik, die Horizon Lounge mit großem Tauchbecken und eine Kaffeebar namens Pistachio.

Verpflegung ist nicht inklusive: Gast „verprasst“ das Erbe seiner Kinder

Das hervorragende Spa bietet Sauna- und Dampfbäder, Kaltwasserbecken, Eisbrunnen und eine Kältekammer, in der ich drei aufregende Minuten verbringe, beaufsichtigt vom charmanten, tätowierten Wellness-Coach Boban, der zudem jeden Morgen Stretching-Kurse an Deck leitet. Im Ruheraum stehen Tagesbetten vor riesigen Bullaugen mit Blick aufs Meer. Außerdem gibt es einen Kids’ Club, tägliche Lego-Bau-Challenges und Tischtennisturniere.

Für hochgezogene Augenbrauen sorgt, dass im Gegensatz zu vielen Mitbewerbern nur das Frühstück im Preis enthalten ist (plus Snacks und alkoholfreie Getränke in der Minibar). Das kann am Ende eine stattliche zusätzliche Rechnung bedeuten, ermutigt die Gäste aber zugleich, in den Häfen lokale Restaurants auszuprobieren. „Wir hatten den Vorteil umfangreicher Analysen, die unsere Entscheidungen geleitet haben“, sagt Ben Trodd, Geschäftsführer von Marc-Henry Cruise Holdings, Miteigentümer von Four Seasons Yachts. „Unsere Gäste sehen echten Luxus in der Möglichkeit, zu wählen und individuelle, oft sehr kurzfristige Entscheidungen darüber zu treffen, wo sie essen möchten.“

Die Mehrheit der Passagiere sind treue Four-Seasons-Stammgäste. Dazu gesellen sich erfahrene Kreuzfahrer, die ihre Erfahrung auf ein neues Niveau heben wollen, sowie finanzkräftige Neulinge, die in keine der beiden Kategorien fallen. „Ich verprasse das Erbe meiner Kinder und genieße jede Minute davon“, erzählt mir Doug, ein frisch pensionierter Chicagoer, im Whirlpool der Horizon Lounge. „Ich war vor diesem Jahr noch nie auf einer Kreuzfahrt. Inzwischen habe ich vier gemacht, darunter eine von The Ritz-Carlton, die ich übrigens geliebt habe, aber diese hier ist eine Klasse für sich.“

„Wir lieben die Marke“: Schiff und Freizeitangebot können Passagiere überzeugen

Jede Route umfasst einen Marina Day, an dem das Schiff in einer ruhigen Bucht ankert und zwei seenahe Plattformen ausklappt: eine mit einem Meerwasserpool, dessen Netzboden die Schwimmer vor Quallen schützt, und eine zweite zum Sonnenbaden. Hier können Gäste kostenlos Stand-up-Paddle-Boards, Kajaks und futuristische eFoils nutzen.

„Man ist auf einer Kreuzfahrt, ohne dass es sich anfühlt wie eine Kreuzfahrt“, sagt Alexa, eine Anwältin aus New York, mit der ich mich eines Abends an der Champagner-und-Kaviar-Bar unterhalte. Sie reist mit ihrem Mann und zwei Teenager-Kindern. „Wir lieben die Marke Four Seasons, daher waren wir sehr gespannt auf diese Reise. Bislang war sie großartig.“

Keine Einwände von der abgebrühten Anwältin aus New York? „Meine einzige Sorge betraf die Gesundheit und Sicherheit am Marina Day. Bei so vielen Menschen im Wasser – wie kann man da unsere Sicherheit gewährleisten?“ Wusste ich es doch. „Allerdings haben wir sie getestet, indem wir mit unseren Kajaks über den empfohlenen Bereich hinausgepaddelt sind, und sofort kam jemand mit einem Schnellboot heran und lotste uns zurück“, erklärt Alexa. Es gibt definitiv ein paar Kinderkrankheiten, aber die gibt es bei jedem neuen Produkt. So lassen die winzigen Bademäntel alle, die nicht zierlich sind (mich eingeschlossen), wie Godzilla aussehen, und auch bei den Landausflügen besteht noch Optimierungsbedarf.

Sicherheit ist auch bei Badeabenteuern gewährleistet – doch es gibt Verbesserungsbedarf

„Wir waren ziemlich schockiert über die Preise für die Ausflüge“, erzählt mir Mel aus Harrogate auf dem Tenderboot zurück von unserem Tag in der hübschen kroatischen Küstenstadt Opatija. „Also habe ich ein wenig recherchiert und wir haben unsere eigenen Touren für die Hälfte des Preises organisiert.“ Ich bekomme eine ausgezeichnete Führung durch die Stadt von einem sympathischen Einheimischen namens Nikola und genieße anschließend ein hervorragendes Essen in einem stilvollen Restaurant an der Uferpromenade, doch das Paket kostet 585 Euro pro Person – das wirkt schon happig. Eine andere Person, mit der ich gesprochen habe, buchte einen Ausflug auf die Insel Krk, wurde aber vorab nicht darüber informiert, dass damit jeweils anderthalb Stunden Transfer im Auto in jede Richtung verbunden sind.

Four Seasons ist nicht die einzige Luxus-Hotelgruppe, die sich aufs Wasser wagt; The Ritz-Carlton hat seit 2022 drei Schiffe in Dienst gestellt. Aman wird nächsten Sommer ein eigenes Schiff starten. Interessanterweise ist rund ein Drittel der Crew von Four Seasons früher für The Ritz-Carlton gefahren. Alle, mit denen ich sprach, sagten, beide seien großartige Arbeitgeber, aber Four Seasons zahle besser.

Ob dieses Schiff sich am Ende als mehr als nur ein schwimmendes Four-Seasons-Hotel erweist, wird die Zeit zeigen. Doch der Mensch ist ein soziales Wesen. Und so wie viele wohlhabende Reisende lieber in einem lebhaften Hotel als in einer privaten Villa wohnen, glaube ich, dass ähnlich viele lieber auf einer High-End-Kreuzfahrt wie dieser sind, statt auf einer privaten Jacht herumzuschippern.