„Ich freue mich wirklich extrem“: Jan Ullrich ist nach 20 Jahren zurück bei der Tour

20 Jahre nach dem Ausschluss bei der Tour de France wegen der Verbindungen zu Dopingarzt Eufemiano Fuentes ist der frühere deutsche Radstar Jan Ullrich als Zaungast zur Frankreich-Rundfahrt zurückgekehrt. „Ich freue mich wirklich extrem. Also, es ist wirklich mein erster Besuch überhaupt als Gast, als Fan sozusagen bei der Tour de France. Und dann natürlich so eine epische Etappe wie heute in den Vogesen“, sagte Ullrich in der ARD.

Der Tour-de-France-Sieger von 1997 war viele Jahre beim wichtigsten Radrennen der Welt wegen seines Dopingskandals eine unerwünschte Person. Nach seinem umfangreichen Dopinggeständnis wurde der „Bann“ aber wieder aufgehoben. Ullrich war mit seinen Söhnen vor Ort – und wurde von den vielen deutschen Fans an der Strecke gefeiert.

Also ich glaube, ich habe die Hose runtergelassen, sozusagen.

 Jan Ullrich über die Aufarbeitung seiner Doping-Vergangenheit

2023 hatte Ullrich in einer Dokumentation mit seiner Dopingvergangenheit aufgeräumt, ein Jahr später erschien auch sein Buch. Der Gang an die Öffentlichkeit sei ihm schwergefallen. „So schwer, dass ich über viele Jahre zu der Depression gekommen bin“, sagte Ullrich. „Ich habe mir das nicht vorstellen können, dass ich das irgendwie mal der breiten Masse praktisch auch preisgebe. Ich wollte das mit mir selbst ausmachen. Ich habe das ständig in mir reingefressen, habe Riesenprobleme gekriegt, wie jeder weiß.“ Reinen Tisch zu machen sei „die beste Sache gewesen, die ich machen konnte“.

Ullrich vertraut der heutigen Generation

Geheimnisse gebe es kaum mehr, ergänzte Ullrich: „Ich habe ja auch die Doku rausgebracht, ein Buch geschrieben. Also ich glaube, ich habe die Hose runtergelassen, sozusagen.“ Es sei damals „eine dunkle Epoche“ gewesen. Ullrich glaubt, dass sich heutzutage einiges verbessert habe, auch wenn er nicht so nah dran sei. 

(FILES) German cycling enthusiast Dieter 'Didi' Senft, nicknamed "El diablo" runs next to Frenchman Richard Virenque (L) and German Jan Ullrich in the Courchevel climb during the 14th stage of the Tour de France, July 20, 1997. For more than 30 years, Dieter "Didi" Senft has been one of the Tour de France's most recognisable figures without ever riding a stage. Better known as "El Diablo" (The Devil), the German superfan appears each July in a bright red devil costume, complete with horns, cape and trident.
Since first appearing along the race route in 1993, Senft has entertained roadside crowds and television audiences, sprinting or jumping alongside riders. His devil persona was inspired by the Tour's "flamme rouge", the red banner marking the final kilometre.
A former amateur cyclist, locksmith and inventor, Senft has also crafted dozens of novelty bicycles, earning him a Guinness World Record. Despite health and financial setbacks, he has remained a fixture of the race and a symbol of its colourful roadside culture.
After thieves broke into his camper van at the start of the 2026 Tour de France race in Barcelona, forcing him to miss the opening stage, Senft returned to the route within days, trident in hand, reinforcing his status as one of the Tour's most enduring characters. (Photo by PATRICK KOVARIK / AFP)

Jan Ullrich 1997 bei der Tour de France.

© AFP/PATRICK KOVARIK

„Diese ganzen Kontrollen sind noch mal mehr geworden und auch die Strafen sind höher geworden, was ich auch gut finde. Und ich glaube, man hat daraus gelernt, auf alle Fälle“, betonte der 52-Jährige.

Ullrich wäre gerne heute Radprofi

Ullrich würde gerne zur heutigen Zeit nochmal Radprofi sein. „Ja, es juckt“, meinte der Olympiasieger von 2000: „Mich würde es schon mal reizen. „Also, wenn ich 20 Jahre jünger wäre, würde ich noch mal antreten.“ Er habe damals „super viele Kilometer falsch trainiert“, sagte Ullrich und verwies auf die aerodynamischen Räder, die verbesserte Kleidung und vor allem die Ernährung.

Mit Florian Lipowitz habe Deutschland wieder ein „Eisen im Feuer“. Dem 25-Jährigen traut Ullrich „auf alle Fälle das Podium zu“.

Bereits im Vorjahr hatte Lipowitz als erster Deutscher seit 2006 das Podium in Paris erreicht. „Und mal gucken, wie weit es noch geht. Der Kampf ist, glaube ich, noch offen und spannend“, so Ullrich. (dpa)