Jobs und Rechenzentren: Experte bezeichnet Deutschland als „Einstellungs-Schwergewicht“
Stand: 11.10.2026, 07:17 Uhr
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Rechenzentren entwickeln sich zum Jobmotor der europäischen Tech-Branche: Wie ein Bericht der Jobbörse Indeed zeigt.
Rechenzentren bilden das Rückgrat der KI‑Wende. Wie einst die Dampfmaschinen, der Verbrennungsmotor und das Internet – soll nun die Künstliche Intelligenz (KI) einen wirtschaftlichen Aufschwung bringen. Daran halten zumindest die US-Tech-Milliardäre wie Elon Musk und Sam Altman fest. Die US-Regierung unter Donald Trump setzt voll auf den Ausbau von KI‑Rechenzentren. Das Versprechen: mehr Wohlstand und neue Arbeitsplätze. Befürworter sehen in Rechenzentren das Fundament, auf dem die Wirtschaft von morgen beruht. Auch Deutschland empfängt die KI-Branche mit offenen Armen.
Bundesweit sind bis zu 120 neue Rechenzentren geplant, wie die Karte des „Heiße-Luft“-Kollektivs offenlegt. Big-Tech-Unternehmen planen den Bau zahlreicher Hyperscaler in Deutschland, also großer Cloud-Dienste, die so viel Strom und Wasser verbrauchen wie ganze Städte. Allerdings ist der Bau von Rechenzentren in Deutschland regional sehr ungleich verteilt. Während Hessen als Spitzenreiter gilt, weisen laut einer IFA-Analyse fünf Bundesländer keinen einzigen Neubauplan vor. Doch wie sieht der Ausbau von Rechenzentren aus der Perspektive des Arbeitsmarkts aus? Diese Frage haben sich die Ökonomen der Jobseite „Indeed“, Aubrey Woessner sowie Pawel Adrjan angenommen. Ihr Bericht zeigt: In Europa entstehen immer mehr Jobs in Rechenzentren.
Rechenzentren sind einer der wenigen Jobtreiber im Tech-Sektor
Die Experten haben unter anderem Stellenanzeigen, ausgeschriebene Gehälter und Suchanfragen von Jobsuchenden in zehn europäischen Ländern ausgewertet. Das Ergebnis: In Deutschland sind die Rechenzentrums-Stellenausschreibungen in diesem Bereich um acht Prozent gestiegen. In Irland sogar um 73 Prozent und in Spanien rund 60 Prozent. Das liegt daran, dass diese Länder besonders viel Wachstumspotenzial vorweisen, da sie von einem niedrigen Ausgangsniveau starten. „Deutschland ist nach wie vor ein echtes Einstellungs-Schwergewicht, wenn es um Stellen im Bereich Rechenzentren geht“, sagt Forschungsdirektor bei Indeed, Pawel Adrjan, im Gespräch mit Merkur von Ippen. Media. Hier gäbe es die meisten offenen Stellen. Er begründet es zum einen mit der historischen Bedeutung Frankfurts etwa für Internet-Knotenpunkte, zum anderen aufgrund der Größe der deutschen Wirtschaft insgesamt.
Seit Dezember steigen die deutschen Rechenzentrums-Jobanzeigen acht Monate in Folge, während der restliche Tech-Arbeitsmarkt im gleichen Zeitraum um 12 Prozent geschrumpft ist. Heißt: Rechenzentren sind derzeit einer der wenigen Jobtreiber im schwachen Tech-Sektor. Besonders gefragt ist die Expertise in den Bereichen IT-Infrastruktur, Betrieb und Support. Bei diesen Stellen handelt es sich in erster Linie um IT-Spezialisten und ‑Administratoren. Verlockend für Interessierte: Jobs in Rechenzentren bringen einen Lohnaufschlag.
Mit Rechenzentrumsjob mehr verdienen
Von „Installation und Wartung“ über „Management“ bis hin zur „IT-Infrastruktur“ – Rechenzentrums-Betreiber zahlen so gut wie in jedem Bereich mehr als andere Arbeitgeber für dieselben Berufe. Teils bis zu 65 Prozent. Das nehmen europäische Arbeitnehmer zur Kenntnis: Die gezielte Suche nach Rechenzentren-Jobs nimmt zu – besonders in Spanien, Polen und Italien. Mehr Jobs, höhere Gehälter: Rechenzentren entwickeln sich zum Jobmotor. Doch wie nachhaltig ist dieser Boom? Kritiker weisen darauf hin, dass sich die Arbeit bei einem Rechenzentrum stark auf die Bauphase konzentriert. Der fertige Betrieb benötigt hingegen kaum Personal. Adrjan sieht das optimistischer. Auch nach dem Aufbau besteht die Nachfrage nach Betriebspersonal. Das spiegeln die regelmäßig veröffentlichten Stellenanzeigen für Tätigkeiten im Zusammenhang mit Rechenzentren wider. Zudem gibt es laut ihm Positionen in den Bereichen Vertrieb, Softwareentwicklung und Management, welche die Branche von anderen Standorten aus unterstützen. Was den Arbeitsmarkt zusätzlich erweitert.
Wie sicher die Beschäftigung im Bereich Rechenzentren am Ende ist, hängt laut Adrjan stark von Investitionen, politischen Entscheidungen und dem Zugang zu Energie ab. All das seien schwer vorhersagbare Faktoren. Die EU strebt jedoch an, die Kapazität der Rechenzentren innerhalb von fünf bis sieben Jahren zu verdreifachen, was darauf hindeutet, dass die aktuelle Wachstumsphase noch einige Zeit anhalten könnte. (Quelle: eigene Recherche, Gespräch mit Pawel Adrjan, Indeed-Bericht)