Journalist Andreas Müller erforscht Unerklärliches „Was da über Saarbrücken schwebte? Das wissen wir immer noch nicht“ – Ufo-Forscher im Interview
Interview | Saarbrücken · Der Saarbrücker Journalist Andreas Müller erforscht das Phänomen Ufo. Muss er immer noch erklären, dass er wissenschaftlich arbeitet und kein „Ufo-Spinner“ ist? Was soll sein neues Buch bewirken? Und würde er überhaupt Außerirdische treffen wollen?
12.07.2026 , 08:00 Uhr
Ein UFO über St. Arnual in Saarbrücken am 29. Oktober 2021, inklusive Vergrößerung.
Foto: Autor, A.M.
Der Journalist und Autor Andreas Müller beschäftigt sich mit Phänomenen aus den Grenzbereichen der Wissenschaft – auf seinem Nachrichtenportal GreWi und in Büchern. „Ufo – Ein Sachbuch“ heißt das jüngste, mit dem er unerklärliche Sichtungen aus aller Welt zusammenträgt – auch im Saarland – und den Stand der Forschung analysiert.
Was sagen Sie zu Steven Spielbergs Ufo-Film „Disclosure Day“? Da geht es unter anderem um Vertuschung und Verschwörung – hilft so ein Film der Forschung und deren Akzeptanz weiter? Oder eher im Gegenteil?
Der Saarbrücker Wissenschaftsjournalist Andreas Müller hat ein neues Buch vorgelegt.
Foto: Andreas Müller
MÜLLER Ja und nein. Ein Science-Fiction-Film hat ja den Vorteil, dass er Dinge denken und visualisieren darf, für die sich andere den Vorwurf der Verschwörungstheorie gefallen lassen müssten. Spielberg bedient sich hier weithin bekannter Ufo-Mythen wie dem Roswell-Absturz oder Entführungen durch Aliens. Wenn die Zuschauer nach dem Kinobesuch mehr über das Thema erfahren wollen, ist das doch prima. Ich sehe das ganz entspannt: Wenn die „Fiction“ Interesse an der „Science“, an der Wissenschaft, weckt, dann hat die Science-Fiction etwas erreicht.
Wie ist das – müssen Sie sich in Gesprächen, etwa auf Partys, immer noch rechtfertigen oder zumindest erklären: Ja, ich erforsche Ufos, aber nein, ich bin kein „Ufo-Spinner“?
MÜLLER Das passiert immer seltener. Die Ufo-Forschung hat sich vom Vorwurf der „Pseudowissenschaft“ befreit. Mittlerweile erklären Präsidenten wie Obama und Trump, dass „US-Piloten Dinge gesehen haben, die wir nicht erklären können“. Es gibt Kongressanhörungen, die Nasa hat ein eigenes Forschungsdirektorat, und Ufos werden an Universitäten wie Harvard, Yale, Durham und auch Würzburg ganz offiziell erforscht. Ich hoffe zudem, dass alle, die meine Arbeit kennen, wissen, dass ich trotz meiner Beschäftigung mit Ufos noch immer alle Tassen im Schrank habe – auch die fliegenden Untertassen.
Ihr Buch heißt „Ufo – Ein Sachbuch“ – wie wichtig ist Ihnen der Zusatz „Sachbuch“? Gibt es zu viele spekulative Bücher, die dem wohligen Ufo-Grusel frönen?
MÜLLER Der Titel soll dem Spekulativen widersprechen und zugleich den Inhalt des Buchs ehrlich widerspiegeln. Andere Bücher dürfen gerne spekulieren, dieses Buch will etwas anderes: eine saubere, quellenbelegte und wissenschaftsbasierte Informationsgrundlage über das Ufo-Phänomen liefern sowie Einblicke in Historie und Forschung geben.
95 Prozent der Menschheit denken beim Begriff „Ufo“ sofort an die sprichwörtliche „fliegende Untertasse“. Wird deshalb mittlerweile auch der Begriff UAP genutzt – und hilft das etwas?
MÜLLER Eigentlich ist das Kürzel Ufo sehr sachlich und bedeutet lediglich „unidentifiziertes Flugobjekt“. Aus den Ufos wurden aber schon in den 1950er-Jahren schnell die von kleinen grünen Männchen gesteuerten fliegenden Untertassen. Um diesem Stigma zu entgehen, hat man einen neutraleren Begriff gesucht. UAP steht nun für „unidentifiziertes anomales Phänomen“ und begrenzt damit das, was gemeint ist, nicht nur auf nicht objekthafte Erscheinungen in der Luft, sondern weitet das Auftauchen dieser Phänomene auch auf die Räume unter Wasser und den erdnahen Weltraum aus. Allerdings bezweifle ich, dass sich UAP wirklich durchsetzt. Der Begriff „Ufo“ steckt zu fest in den Köpfen.
Im Buch schreiben Sie von der Sichtung eines runden Flugkörpers 2021 über Saarbrücken. Konnte inzwischen geklärt werden, was das war?
Hoffentlich verläuft der Erstkontakt nicht so: eine Szene aus Roland Emmerichs Film „Independence Day“ aus dem Jahr 1996.
Foto: picture alliance / dpa/-
MÜLLER Was da über Saarbrücken schwebte, wissen wir mmer noch nicht. Ich habe bei allen zuständigen Stellen, die für eine Start- oder Landeerlaubnis derart großer Ballons zuständig wären, nachgefragt. Nirgends gibt es passende Daten. Auch die Idee, es könne eine Kameradrohne für Großveranstaltungen gewesen sein, konnte ausgeschlossen werden. Was bleibt, ist also ein mehrere Meter durchmessender, großer, kugelförmiger Flugkörper im Saarbrücker Luftraum, kaum acht Kilometer Luftlinie vom Flughafen entfernt, von dem niemand wusste, dass er da war und was es war. Aus Flugsicherheitsperspektive ist das bedenklich, aus wissenschaftlicher Perspektive hochinteressant. Vielleicht findet sich irgendwann eine profane Erklärung – bislang gibt es die noch nicht.
Hinkt Deutschland in der Ufo-Forschung hinterher?
MÜLLER In der wissenschaftlichen Forschung nicht – im Gegenteil: Das „Interdisziplinäre Forschungszentrum für Extraterrestrik“ (Ifex) an der Universität Würzburg war weltweit das erste akademische Forschungszentrum, an dem Ufos beziehungsweise UAPs ganz offiziell im Rahmen des Forschungskanons einer Universität behandelt wurden. Zugleich gibt es in Deutschland aber noch keine offizielle, also staatliche Ufo-Untersuchungsbehörde wie in den USA.
Warum nicht?
MÜLLER Vermutlich wegen der deutschen Geschichte. Nach dem Zweiten Weltkrieg war Deutschland bis zur Wiedervereinigung nicht souverän. Ufo-Sichtungen wurden in die USA gemeldet. Deshalb findet man einige der spannendsten deutschen Ufo-Sichtungsfälle nicht in den Akten deutscher Behörden, sondern im US-Nationalarchiv.
Wie ist das mit den Ufo-Akten, die US-Präsident Trump freigegeben hat? Gibt es da neue Erkenntnisse?
MÜLLER Trump hat „bislang ungesehene Akten zu Ufos und außerirdischem Leben“ angekündigt. Akten werden nun tatsächlich veröffentlicht, aber die meisten sind schon bekannt. Andere sind neu und beschreiben teilweise tatsächlich interessante Fälle. Aber oft wurden die Dokumente, Fotos und Filme der eigentlich interessanten Daten beraubt.
Warum das?
MÜLLER Diese Daten könnten etwas über die Technologie preisgeben, mit denen dieser Aufnahmen erstellt wurden. Das wollen die USA verhindern. Die Akten zeigen dennoch eines ganz klar: Die US-Regierung interessiert sich schon seit dem Zweiten Weltkrieg massiv für das UFO-Phänomen und erforscht es intensiv. Einen solchen Aufwand für etwas zu betreiben, das es angeblich gar nicht gibt, ist schon sehr interessant und vielsagend.
Sie appellieren generell für mehr Ufo-Forschung. Warum?
MÜLLER Wenn sich die Wissenschaft einem Thema verschließt, für das sich so viele Menschen interessieren, entlässt sie diese Menschen in Spekulationen, die oft in Verschwörungsmythen münden. Das halte ich für fatal – zumal das Ufo-Phänomen die Möglichkeit bietet, echte und gute wissenschaftliche Daten zu generieren und auszuwerten. Dazu müssen wir auf keine US-Regierungsgeheimnisse warten, die dann meist trotzdem noch zensiert sind. Mit eigenen Instrumenten, wie sie etwa das Ifex entwickelt, können diese Daten frei und unabhängig ermittelt und analysiert werden.
Würden Sie sich überhaupt einen Kontakt mit Außerirdischen wünschen?
MÜLLER Das hängt ganz von deren Intentionen ab. Wir müssten davon ausgehen, dass die Besucher uns technologisch weit überlegen wären. Da kann man nur hoffen, dass der Kontakt friedlich oder zumindest wohlwollend ist. Alles andere ginge für uns böse aus. Da es Ufo-Phänomene aber schon seit Jahrhunderten gibt und es bislang noch zu keiner Invasion gekommen ist, stehen die Chancen nicht schlecht, dass sie andere Interessen an uns haben. Aber auch das ist eine sehr vermenschlichte Perspektive. Es schadet auf keinen Fall, sich so oder so auf diesen Moment vorzubereiten.
Gibt es diese Vorbereitungen?
MÜLLER Konkrete Pläne für einen Erstkontakt gibt es bisher nicht. Es wurde beispielsweise noch nicht festgelegt, wer dann überhaupt für die Menschheit sprechen soll – und wie. Vielleicht passiert das alles erst in 100 Jahren? Vielleicht aber auch schon morgen.
Andreas Müller: Ufo – Ein Sachbuch. GreWi, 331 Seiten, 24,95 Euro. Infos:
www.grewi.de
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