Selber machen, macht stolz: Jugendliche in Miltitz bauen Jugendklub selbst

Machen statt meckern

"Wir geben einfach alles": Jugendliche bauen in Miltitz ihren Jugendklub selbst

Stand: 03.10.2026 17:00 Uhr

Miltitz ist einer von 43 Ortsteilen der Gemeinde Klipphausen und hat vor allem für die Jugend wenig zu bieten. Seit Jahren schrumpft die Geburtenrate und wandern junge Leute ab für die Ausbildung. Die wenigen, die dableiben, haben nicht mehr als die Bushaltestelle als Treffpunkt. Damit soll jetzt Schluss sein. Die Jugend nimmt ihr Glück selbst in die Hand.

von Katrin Funke, MDR SACHSEN

Lilly und Moritz gehören zum harten Kern im Bautrupp in Miltitz bei Klipphausen. Er ist Tischlerlehrling und wild entschlossen, später selbst ein Haus zu bauen. Sie ist Schülerin ohne jede Angst vor lauten, schweren Maschinen. "Weil ich mich vor der Gartenarbeit eigentlich gerne drücke, helfe ich lieber bohren, schrauben oder halt auch verputzen", erklärt Lilly Happich ihre Mitarbeit.

Jugendliche und ein Vater arbeiten in einem Raum mit Kelle und putz für einen neuen Jugendklub in Miltitz.

Keiner ist vom Fach, jeder gibt sein Bestes: Christian Albert (re.) leitet die Lilly (li.) und Moritz bei Putzarbeiten an.

Einfach machen und lernen

Die beiden sehen vor sich, was das mal werden soll: "Hier kommt noch eine Tür rein. Hier dann das Bad, ein Stehklo, ein Sitzklo. Und dann wird hier auch noch ein Lager reinkommen", beschreibt Moritz Scheffler den Bau. Eine Etage über ihm sind in der künftigen guten Stube die Wände zu verputzen.

Niemand unter den Helfern ist gelernter Maurer. Vater Christian Albert versucht sich trotzdem als Polier und zeigt den Teenager, was sie tun sollen. Selbstkritisch schätzt Albert ihr gemeinsames Tun ein: "Das ist jetzt nicht die Leistung, die ein Maurer bringt. Aber wir geben einfach alles. Am Ende zählt, was rauskommt. Und das wird definitiv gut."

Das ist jetzt nicht die Leistung, die ein Maurer bringt. Aber wir geben einfach alles. Christian Albert, Helfer über die gemeinschaftliche Arbeit am eigenen Klubhäuschen
Von außen ist das Klubgebäude fast nur so groß wie ein Gartenbungalow.

Das haus ist kaum größer als ein Gartenbungalow. Drinnen bauen Teenies aus Miltitz einen Ort für sich und ihre Freunde aus.

Das kleine Häuschen am Dorfrand war früher der Turnraum des Kindergartens. Es stand leer, bis Lilly, Moritz und ihre Freunde die Idee hatten, daraus einen Jugendklub zu bauen. Die Gemeinde spendierte das Häuschen und Geld für Baumaterial, weil sie will, was die Miltitzer Familien wollen: junges Leben im Dorf.

Eltern hoffen: eigener Klub, damit Jugend nicht abwandert

Die Enthusiasten mit der Maurerkelle sind dafür genauso wichtig, wie die mit der Schöpfkelle. Im Grunde gehe es allen um die Gemeinschaft. "Wir haben wirklich im Wohnzimmer gesessen und die Idee geboren. Da haben wir gesagt: So, das machen wir jetzt", erzählt Tina Albert. Und Christian Albert fügt hinzu: "Jetzt wollen wir ihnen irgendwie eine kleine Perspektive geben, dass sie sich vielleicht doch hier halten. Vielleicht haben wir ja Glück und wir können die jungen Leute halten."

Bei Lilly und Moritz hört es sich jedenfalls so an, als ob sie bauen, um erstmal zu bleiben. Lilly Happich dazu: "Es ist schön zu sehen, dass es schon so weit ist und dass wir sagen können, wir haben auch mitgeholfen." Moritz Scheffler stimmt ihr zu: "Wir haben angepackt. Wir schaffen das und können sagen, wir haben einen eigenen Jugendklub."

Ein paar solcher gemeinschaftlichen Arbeits-Wochenenden noch - dann ist es vollbracht. Mit ein bisschen Glück haben die Miltitzer noch vor dem Winter ihren eigenen Jugendklub.

Emilotta Scheffler (rechts) und ihr Bruder Moritz Scheffler freuen sich schon, wenn ihr Jugendklub bald fertig ist.

Lilly Scheffler (rechts) und ihr Bruder Moritz freuen sich über die geschaffte Arbeit und hoffen, dass der Klub bald öffnen kann.

MDR (kk)