„Kaufen mit Herz“ in Wittlich Bluse, Blazer oder beides? Auf Shopping-Tour im Second-Hand-Laden
Wittlich · Betty Barclay, s.Oliver, Zara: Im „Kaufen mit Herz" hängen hochwertige Marken zu Minipreisen. Wer clever stöbert, findet Herbstmode für unter 20 Euro. Ein Selbstversuch zeigt, wie es funktioniert.
13.10.2026 , 07:54 Uhr
Sieht schick aus, aber ist die Farbe nicht etwas zu intensiv?
Foto: TV/Christina Bents
Der Herbst ist da und mit ihm das Bedürfnis, den Schrank zu räumen. Einfach Dinge aussortieren, die nicht mehr gefallen, nicht mehr passen oder schon bessere Tage gesehen haben. Bei „Kaufen mit Herz“ kann man gleich doppelt punkten: die Kleidung, die nicht mehr passt, gefällt und noch in Ordnung ist, abgeben und gleichzeitig im Laden stöbern, ob man was Schönes, Neues findet.
Schon die Anfahrt und die Parkplatzsuche sind sehr entspannt, denn die neuen Räume des „Kaufen mit Herz“ in der Gottlieb-Daimler-Straße haben sieben Parkplätze direkt vor der Tür. Am Eingang der Hinweis, dass der Laden eine Leaderförderung „Kleinprojekt des Regionalbudgets“ in einer Leaderregion ist.
Das Erste, was mir beim Eintreten einfällt: Einladend – durch die große Verkaufsfläche von 600 Quadratmetern, die alten Holztische und Regale, auf denen Waren präsentiert sind. Und es gibt eine Begegnungsecke. Dort kann man sich mit Kaffee, Wasser und Nussecken, die auf einer Etagere liegen, stärken, bevor man sich ins Einkaufen stürzt. Und da ich nur sehr schlecht an Süßem vorbeikomme, probiere ich einfach mal. Sie sind lecker, aber zum Essen bin ich nicht da.
Schoppen im Second-Hand-Laden in Wittlich: Das Angebot ist groß
An den Bücherregalen, den Gläsern, Porzellan und Vasen vorbei geht es für mich direkt zu den Kleiderständern im hinteren Teil des Ladens. Nach Waren und Größen sortiert findet man sich gut zurecht. „Ein Blazer oder Hosenanzug könnte es werden“, denke ich mir. Ein schwarz schimmernder Hosenanzug springt mir ins Auge, der mit Sicherheit etwas für den nächsten festlichen Anlass, etwa eine Gala-Kappensitzung in einer Karnevalshochburg, sein könnte. Den Blazer kurz übergezogen, aber schon an der Schulter merke ich: Das spannt. Schade.
Neben mir das Mutter-Sohn-Gespann Ben und Nadine. Eine Wendetasche, die aus bunten Vierecken zusammengesetzt ist, hat ihre Aufmerksamkeit. „Die ist richtig schön“, sind die beiden sich einig. Einige Meter weiter probiert sich ein Ehepaar durch die Kleidung des Ladens. Seine beiden Kinder sind in dieser Zeit in der „Kinderkreativecke“ und basteln herbstliche Deko. Fatima hat eine Eule aus Nussschalen auf einem Zweig mit Moos gebastelt und ihr Bruder Zead ein Waldtier aus Kastanien.
Inzwischen bin ich sehr überrascht über die hochwertigen Marken, die an den Kleiderständern zu finden sind. Von Comma über s.Oliver, Zara, bis hin zu Betty Barclay ist alles vorhanden. Auch einige unbekanntere Marken, aber alles top in Ordnung und für Herbst und Winter geeignet. Ein kleinkariertes braun-beiges Sakko springt mir ins Auge und ein braun-orangefarbener Anzug sind dabei. Aber der Schnitt des einen und die intensive Farbe des anderen lassen mich zögern.
Schließlich fällt mir ein schwarzer Feincord-Blazer ins Auge. Der Schnitt könnte was für mich tun, die Größe auch. Kurz reingeschlüpft: passt. Einmal um die Ecke zum Spiegel: sieht sehr gut aus. Kombiniert mit einem Rollkragenpulli oder einer Bluse könnte das sehr chic werden und ich fühle mich wohl darin. Der Preis für das Teil von Betty Barclay: zwölf Euro.
Am Ständer daneben gibt es Blusen. Sehr viel sehr bunt und gemustert, aber eine weiße mit dezent schwarzem Muster fällt mir auf. „Die könnte was sein.“ Schnell in die geräumige Umkleidekabine, die auch nicht mit zu grellem Licht auf die Problemzonen aufmerksam macht, und: passt auch. Die Walbusch-Bluse ist zwar nicht meine Marke, aber sie überzeugt.
Die beiden Teile bringe ich schon mal zur Kasse, um die Hände weiter frei zu haben, und schaue noch nach dünnen Übergangspullis. Auch da habe ich Glück. Ein Langarmpolo in einer Mischung aus Weinrot und Altrosé. Vielleicht ein bisschen eng unter den Armen, aber das geht noch. Um am Schreibtisch bequem und warm zu sitzen, reicht es allemal.
Auf dem Weg zum Bezahlen werfe ich noch einen Blick zu den Strickwesten, aber da ist heute für mich nichts dabei. Auf dem Weg zur Kasse treffe ich noch einmal Ben und seine Mutter Nadine. Sie haben ebenfalls reichlich Beute gemacht. Drei Sport-T-Shirts für Ben, ein Blazer, eine Bluse, eine Hose und eine Vase nehmen sie mit nach Hause. An der Kasse zahle ich für meine gefundenen Schätze, für alles zusammen 16 Euro. Der Herbst kann kommen.