Wein in Deutschland: Weinernte wohl geringer als im Schnitt der Vorjahre

Die Weinlese in Deutschland fällt in diesem Jahr wohl geringer aus als im Schnitt der Vorjahre – wie sehr, darüber sind sich offizielle Stellen uneins. Das Deutsche Weininstitut (DWI) geht in einer ersten Prognose davon aus, dass die Menge rund 20 Prozent unter dem zehnjährigen Durchschnitt von 8,7 Millionen Hektolitern liegt. Damit wäre die Ernte so gering wie seit 2010 nicht mehr.

Damals waren es 7,1 Millionen Hektoliter und im vergangenen Jahr 7,7 Millionen, wie DWI-Sprecher Ernst Büscher zum Ende der Lese sagte. Viele Trauben seien bei dem extrem trockenen und sonnenreichen Sommer klein geblieben. »Die Winzerinnen und Winzer hierzulande gehen zwar von vergleichsweise kleinen Gesamtmengen, aber von Spitzenqualitäten aus.«

Das Statistische Bundesamt rechnet dagegen mit einer Erntemenge von acht Millionen Hektolitern Weinmost, das wären vier Prozent weniger als im Durchschnitt der Jahre 2020 bis 2025. Dem Bundesamt berichten 400 freiwillige Ernteberichterstatterinnen und -berichterstatter über die von ihnen erwarteten Weinmosterträge für ihren Betrieb. Die erwarteten Erträge könnten sich in Abhängigkeit von der Witterung, dem Auftreten von Pflanzenkrankheiten oder Schädlingen ändern, heißt es. Die Vorausschätzungen seien deshalb »mit Unsicherheiten behaftet«. Dabei spiele auch eine Rolle, dass der Klimawandel die Häufigkeit und Dauer von Extremwetterereignissen erhöhe.

Bis auf einige Ausnahmen – vor allem im Anbaugebiet Saale-Unstrut – sei die Lese fast überall abgeschlossen, sagte DWI-Sprecher Büscher. Die Ertragslage variierte innerhalb der Regionen je nach Alter der Reben und Wasserspeicherkraft der Böden sehr stark, wie Büscher sagte. »Insbesondere ältere Reben haben sich in den letzten Jahren an die zunehmende Trockenheit in den Weinregionen angepasst und dank ihrer tiefen Wurzeln die diesjährige Dürre erstaunlich gut überstanden.«

Jüngere Weinberge und Anlagen auf leichten Böden hätten dagegen sichtbar unter der Wasserknappheit gelitten. »Sie mussten, wenn möglich, bewässert werden.«

Klimawandel verändert Weinanbau

Im ostfranzösischen Burgund hatte die Lese für den Schaumwein Crémant in diesem Jahr so früh begonnen wie noch nie in der Geschichte der Region. Wie stark der menschengemachte Klimawandel den Weinbau verändert, zeigt eine Untersuchung des Klimahistorikers Thomas Labbé in der Fachzeitschrift »Climate of the Past«. Er wertete Erntedaten der burgundischen Stadt Beaune von 1354 bis heute aus. Die Reihe umfasst mehr als 670 Jahre und offenbart laut dem Forscher eine »Explosion« extremer Jahre.

Während sich Phasen mit großer Hitze und verfrühten Ernten zwischen 1354 und 1719 im Schnitt alle 17 Jahre wiederholten, lagen sie von 1720 bis 1987 durchschnittlich 53 Jahre auseinander. Seit 1988 haben sich die Abstände drastisch verkürzt: Extreme Hitze trat seitdem alle fünf Jahre auf. Im 21. Jahrhundert registrierte der Historiker bereits zehn solcher Jahre – statistisch entspricht das einem Rhythmus von etwa zweieinhalb Jahren.

Die Weinlese in Saale-Unstrut fiel in diesem Jahr zusammen mit der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt. Die eine fürchtet sich vor der AfD, der andere schimpft über »die Wichser in Berlin«: Lesen Sie hier , was Winzerinnen und Winzer von Bürokratie und Klimawandel und von Arbeitskräften aus der Ukraine erzählen – und von der Angst, nach der Wahl isoliert zu sein.