USA
Keine Angst vor KI: Warum Trump von Regulierung nichts wissen will
Die Sorge um die Kontrolle Künstlicher Intelligenz setzt Washington in Bewegung – nicht aber den US-Präsidenten. Kann das Treffen Trumps mit dem chinesischen Präsidenten Xi Impulse bringen?
Benno Schwinghammer
Donald Trump gilt nicht als jemand, der neue Technik mit offenen Armen empfängt. Lange kommunizierte der US-Präsident so, als lebte er noch in den 1980ern: keine E-Mails, keine Kurznachrichten. Erst Twitter änderte das – dort tippte er seine Botschaften irgendwann selbst ins Smartphone.
Auch der Künstlichen Intelligenz begegnete er lange mit Desinteresse und Misstrauen, wie die US-Journalisten Maggie Haberman und Jonathan Swan von der New York Times in ihrem Buch Regime Change berichten. Dann kam ein Treffen 2024 mit Vertretern der KI-Firma OpenAI, das die Faszination des Präsidenten entfachte.
Dem Buch zufolge ließ OpenAI-Präsident Greg Brockman den Chatbot vor Trumps Augen einen alten Erlass des Präsidenten in ein Gedicht verwandeln. Die Worte, schwärmte Trump, seien "wunderschön". Die OpenAI-Abgesandten erzählten vom enormen Wachstum der Branche, dem die Regulierungen für den Bau von Rechenzentren im Weg stünden. Trump zeigte sich offen für schnelleres Bauen – und wollte von den vorsichtigen Regulierungsversuchen seines Vorgängers Joe Biden nichts mehr wissen.
Trumps etwas eigener Lösungsansatz
Auch jetzt, da die Sorgen um die Sicherheit wachsen, hält das Weiße Haus daran fest: Das Wettrennen um die Künstliche Intelligenz darf nicht gegen die Entwickler aus China verloren gehen. Wer bei KI gewinne, gewinne alles, sagte Trump am Wochenende. Am Montag legte er auf seiner Plattform Truth Social nach: "Die einzige Kontrolle, die einzigen 'Leitplanken', die KI braucht, ist ein STARKER UND INTELLIGENTER (hoher IQ!) PRÄSIDENT" – und meinte damit sich selbst.
Gegen KI und Rechenzentren laufe eine "KRANKE Verschwörung", schrieb Trump weiter, "und der Einzige, der sich darüber freut, ist China". Trump, für den Wettstreit und Gewinnen seit jeher Selbstzweck sind, lässt in diesen Tagen keine Absicht erkennen, die Künstliche Intelligenz einzuhegen. Wer bremsen will, den rückt er in die Nähe von Verschwörungstheoretikern und Landesverrätern.
Anders als Trump hat die chinesische Führung die Risiken der Künstlichen Intelligenz anerkannt und betont – zumindest nach außen –, wie wichtig eine verlässliche Kontrolle der Technologie sei. Doch auch in Peking stießen die Forderungen von US-Firmen wie Anthropic und OpenAI nach einem Bremsen der Entwicklung auf Ablehnung.
Kritik aus Peking
"Angstmacherei, Konfrontation und ruinöser Wettbewerb" würden die globale Steuerung der KI nur stören, hieß es aus dem Außenministerium. In der Regulierungsforderung von Anthropic-Chef Dario Amodei sieht China den Versuch, den Zugang Pekings zu fortgeschrittenen Technologien beschränken zu wollen.
Ob der mit Spannung erwartete Besuch des chinesischen Präsidenten Xi Jinping am 24. September in Washington nennenswerte Fortschritte bei einer KI-Koordinierung bringt, bezweifeln Experten. Die konservative Denkfabrik Heritage Foundation hält immerhin für möglich, dass beide Länder einen Rahmen für künftige Diskussionen abstecken.
Zuletzt hatten US-Medien wiederholt über geplante KI-Sicherheitsgespräche zwischen China und den USA unter Führung von US-Finanzminister Scott Bessent berichtet. Ob dieses Treffen nach wie vor stattfinden soll, darüber gibt es widersprüchliche Angaben.
Mit seiner kategorischen Absage an jede Einhegung der Künstlichen Intelligenz gerät Trump vor den wichtigen Zwischenwahlen Anfang November unter Druck. Eine Reihe von Umfragen der vergangenen Monate zeigt, dass eine überwältigende Mehrheit der Amerikanerinnen und Amerikaner die Technologie reguliert sehen will. Vor Ort trifft vor allem der Bau der energie- und wasserhungrigen Rechenzentren auf massiven Widerstand.
Aufruf von Obama
Die Regulierung Künstlicher Intelligenz und der Bau von Rechenzentren in der Fläche schicken sich deshalb an, zu einem der zentralen Wahlkampfthemen bei den Wahlen zu Repräsentantenhaus und Senat zu werden. Bei einer Spendenveranstaltung der Demokraten rief der ehemalige US-Präsident Barack Obama seine Partei kürzlich dazu auf, die KI ins Zentrum ihrer Agenda zu rücken. Auch Präsidentschaftskandidaten für die Wahl 2028 müssten einen "sehr klaren Plan" für die Sicherheits- und Wirtschaftsfolgen der Technologie vorlegen.
Tatsächlich fordern bereits etliche demokratische und einige republikanische Kandidaten striktere Regeln. Gesetzesvorschläge liegen auf dem Tisch, am weitesten geht der linke Senator Bernie Sanders: ein dauerhaftes Verbot superintelligenter KI-Systeme, eine Aufsichtsbehörde auf Kabinettsebene, drakonische Strafen für Tech-Firmen, die dagegen verstoßen. Bislang fehlt Entwürfen wie diesem der politische Rückhalt. Wenige Wochen vor den Zwischenwahlen halten viele Beobachter selbst einen Minimalkonsens vor Ende der Sitzungsperiode für unwahrscheinlich.
Doch das Thema KI-Sicherheit hat inzwischen eine Dynamik entwickelt, die auch in Washington schneller durchschlagen könnte als gedacht. Was nun passiert, hängt nicht zuletzt davon ab, ob Trump bei seinem Nein zur Regulierung bleibt. (Benno Schwinghammer aus New York, 15.9.2026)
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